Nach Klagenfurt hat nun auch Villach seinen sogenannten „Geo-Zwilling“, dabei handelt es sich um ein digitales 3D-Modell der Stadt, das auf Basis tausender Luftbilder und Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurde. Entwickelt von der Firma „Hexagon“ im Auftrag der Stadt, bietet dieser virtuelle Nachbau der Bevölkerung und den Behörden zahlreiche neue Möglichkeiten.
Der „digitale Zwilling“ ist eine hochpräzise, realitätsnahe 3D-Darstellung von der Oberschütt bis nach Drobollach. Mit einer Auflösung von fünf Zentimetern pro Pixel erlaubt er detaillierte Einblicke in die Stadtstruktur, sei es Gebäude, Grünflächen bis zur Bodenversiegelung. Basierend auf Luftbildern eines mit fünf Kameras ausgestatteten Flugzeugs wurde 2023 ein umfangreiches Datenset berechnet, das in verschiedenen virtuellen Karten genutzt werden kann. Die Kosten belaufen sich auf 200.000 Euro, wovon 100.000 Euro vom Bund mittels IÖB-Förderung (Innovationsfördernde Öffentliche Beschaffung) gekommen sind.
Dafür können die Bürger den geoZwilling nutzen
Einer der größten Vorteile für die Bevölkerung ist die Möglichkeit, Verschattungsanalysen durchzuführen. Wer beispielsweise eine Photovoltaikanlage auf seinem Dach installieren möchte, kann im Modell die Sonneneinstrahlung und Schattenwürfe zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten simulieren. Für Grundstücksbesitzer interessant ist die Möglichkeit, sich mittels KI-gestützter Landnutzungsanalyse, die Anteile anzeigen zu lassen, die bebaut, versiegelt oder begrünt sind. Dies kann dabei helfen, Versiegelungen zu reduzieren und Begrünungsmaßnahmen gezielt zu planen. Die Finanzierung ist zwar noch nicht geklärt, Gerda Steiner, Abteilungsleiterin Vermessung und Geoinformation, würde sich alle drei Jahre aktuelle Bilder wünschen.
Lob kommt von der Feuerwehr
Begeistert zeigte sich Harald Geissler, Kommandant der Hauptfeuerwache Villach, bei der öffentlichen Präsentation des „Geo Zwillings“ im Lebensraum in der Postgasse am vergangenen Donnerstag, 6. Februar und sieht Potenzial für die Arbeit im Brandfall. Dank der 3D-Darstellung können Einsätze besser vorbereitet und schwer einsehbare Hinterhöfe virtuell inspiziert werden. Die Feuerwehr greife in der Vergangenheit schon öfter auf solche digitalen Daten zu, beispielsweise zur Hochwasserrisikoanalyse. Geissler sieht den geoZwilling als hilfreiche Ergänzung zu den bereits benutzten Programmen.
Lob und Kritik bei der Präsentation
Das Projekt wird von vielen Seiten positiv aufgenommen. Stadtrat Harald Sobe (SPÖ) betont den Nutzen für zukünftige Planungen. Die Abteilungsleiterin Vermessung und Geoinformation der Stadt sieht in dem Modell eine wertvolle Hilfe zur Steuerung der Stadtentwicklung, insbesondere in den Bereichen Klimaschutz, Verkehrsplanung und Hochwasserprävention. Auf den Luftaufnahmen sind keine Menschen ersichtlich, sie wurden vorab aus den Datensätzen herausgelöscht. Alles andere ist jedoch für jede Bürgerin und jeden Bürger einsehbar. Kritische Stimmen sind jedoch der Meinung, dass alle gesammelten Daten zur Verfügung stehen sollten. Nicht alle erfassten Daten wurden öffentlich zugänglich gemacht. Es wird auch befürchtet, dass es durch die Vermessungsmöglichkeiten zu vermehrten Nachbarschaftskonflikten kommen könnte.