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Molkerei-VerkaufDie Bauern schauen durch die Finger

Molkereiimmobilie in Lienz mit 7000 Quadratmeter Grundfläche wird verkauft. 2,7 Millionen Euro kassierte Bergland Milch. Heimische Milchbauern haben das Nachsehen.

Um 2,7 Millionen Euro wechselte das Molkereiareal den Besitzer © Michaela Ruggenthaler
 

Das letzte Kapitel ist geschrieben – für die Osttiroler Molkerei. Die Bergland Milch, seit 2010 Besitzerin, verkauft die Immobilie in Lienz – mündlich, per Handschlag ist das Geschäft inzwischen abgewickelt. Verträge sind noch nicht ausgearbeitet und unterschrieben. Bestbieter ist die Wohnbaugenossenschaft Siedlerbund (GHS). Sie hat das Grundstück inklusive dem Molkereigebäude um 2,7 Millionen erworben. Mit Abschluss dieses Geschäftes tun sich einige Hintergründe auf, die wohl manches Osttiroler Mitglied der Berglandmilch den Kopf schütteln lässt.
2003 fusionierte die Osttiroler Molkereigenossenschaft mit der Tirol Milch.

Der Verlauf

Die Osttiroler Molkerei, Grundstück und Gebäude, ging um einen Euro an die Tirol-Milch. 2010 kam es zu Milch-Ehe zwischen Tirol Milch und Bergland Milch. Dabei gab die Bergland Milch sehr wohl eine Garantie für den Standort Wörgl der Tirol Milch. Eine Standortgarantie für die Osttiroler Molkerei gab es nie. Zudem blieb die Osttiroler Molkerei bei der Milchehe nicht in Besitz der Tirol Milch, sondern ging direkt an die Bergland Milch. Dann ging es fast Schlag auf Schlag: 2015 kam es in der Osttiroler Molkerei zur Produktions- und Personalverlegung.

2017 wurde die Produktion in Lienz stillgelegt und jetzt, mit dem Verkauf, ist die Immobilie endgültig aus dem Spiel für jegliches Molkereigeschäft.
Die heute rund 500 heimischen Milchbauern schauen beim Verkauf des Molkereiareals durch die Finger. Sehr erfreut sind sie darüber nicht. Ein Osttiroler Mitglied der Bergland Milch, das nicht namentlich genannt werden will, sagt: „Es stimmt, dass die Osttiroler Milchbauern ihre Immobilie damals um einen Euro an die Tirol Milch abgaben. Sicher hat diese auch Belastungen übernommen. Aber das steht in keinem Verhältnis zu den 2,75 Millionen Euro, die die Berglandmilch jetzt kassiert.“ Und er spricht wohl vielen seiner Kollegen aus der Seele: „Der Verkauf des Areals ist ein weiterer Meilenstein im Niedergang unserer Landwirtschaft. Es gibt keine andere Region, die in diesem Bereich so an die Wand gefahren wurde, wir Osttirol.“

Es war immer klar, dass die Bergland Milch die Immobilie veräußert.

Martin Mayerl, Obmann Bauernbund

Bezirksbauernbund-Obmann Martin Mayerl reagiert so: „Es war immer klar, dass die Bergland Milch die Immobilie veräußert.“ Zum Nachsehen der Osttiroler Milchbauern meinte er: „Da reden wir über vergossene Milch.“ Mayerl ist froh, dass eine bestehende Baufläche für sozialen Wohnbau verwertet wird.

Neue Wohnungen

Im Schlussakt um den Verkauf der Immobilie hat sich am 5. Juli ein Krimi abgespielt. Es gab ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen GHS und der Osttiroler Wohnungs- und Siedlungsgenossenschaft (OSG). Schließlich hat GHS-Obmann Josef Altenweisl die Bergland Milch überzeugt. Zwischen 80 und 100 Eigentums- und Mietwohnungen sollen auf dem fast 7000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen. Josef Braunshofer, Chef der Bergland Milch, sagt, dass es mehr als zwei Interessenten gegeben habe.

Dass die Osttiroler Milchbauern beim Verkauf durch die Finger schauen, dementiert Braunshofer: „Jeder unserer 11.000 Milchbauern ist an jeder unserer Immobilien gleich beteiligt. Wird eine Molkerei verkauft, partizipieren die Milchbauern“. Wie das läuft, erklärt er so: „Vom Verkaufserlös profitieren sie über den Milchpreis.“ Für einen Liter Milch zahlt die Bergland Milch derzeit 38,8 Cent brutto.

Kommentare (1)

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solder
1
1
Lesenswert?

die sog. heuschrecken

tummeln sich auch auf lokaler ebene. da braucht man nicht empört auf internationale investoren zeigen.

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