Der im hinteren Ötztal gelegene Hintereisferner wird seit mehr als 100 Jahren genau beobachtet, seit 1952 gibt es durchgehende Aufzeichnungen zu seiner Massenbilanz. Damit zählt er zu den bestuntersuchten Gletschern der Alpen und ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Forschungsfeld in der Klimaforschung an der Universität Innsbruck.

Der Sommer 2022 war von außergewöhnlichen Ereignissen geprägt, wie Rainer Prinz von der Arbeitsgruppe "Eis und Klima" am Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften erklärt: "Wir haben bereits zum Beginn des Sommers gesehen, dass der Gletscher aufgrund des schneearmen Winters auf eine negative Massenbilanz zusteuert. Im Juni, Juli und August wurden zudem in diesem Gebiet die zweithöchsten je gemessenen Temperaturen verzeichnet.

Das führte nun auch zu einem Schmelzrekord, der den Hintereisferner fünf Prozent seines Gesamtvolumens gekostet hat." Das entspricht knapp 20 Millionen Kubikmeter Wasser, etwa so viel wie die Stadt Innsbruck in 20 Monaten an Trinkwasser verbraucht. Damit wurde in diesem Jahr der bisherige Negativrekord aus dem Jahr 2003 bereits am 25. August übertroffen.

Gletscherforscher Rainer Prinz
© KK/Universität Innsbruck

Verlust von 50 Prozent

Auch wenn künftig nicht zwingend jeder Sommer wie der heutige verlaufen wird, ist die Tendenz für die Gletscherforscher klar, denn die Entwicklungen liegen außerhalb normaler Schwankungsbreiten: "Es handelt sich um eindeutige Signale des menschengemachten Klimawandels. Die Folgen unserer Treibhausgasemissionen treffen uns bereits heute voll", sagt Prinz und fügt hinzu: "Ein jährlicher Volumenverlust von fünf Prozent wird immer häufiger. Somit wird vom Hintereisferner in zehn bis 20 Jahren nur noch die Hälfte übrig sein."