Wie die Gemeinde Nußdorf-Debant am Mittwochnachmittag (25. März) per überraschender Presseaussendung bekannt gab, stemmt man sich mehr denn je gegen das Debantbach-Oberstufenkraftwerk – und erhebt Vorwürfe gegen die Nachbargemeinde Dölsach. Zum Hintergrund: Seit 2008 verfolgt die Theurl Leimholzbau GmbH aus Assling ein Kraftwerksprojekt im Debanttal. Derzeit gibt es am Debantbach drei Wasserkraftwerke – ein Privatkraftwerk und zwei Tiwag-Kraftwerke. Das geplante Kraftwerk soll eine Oberstufe zu den bestehenden Tiwag-Kraftwerken darstellen und liegt außerhalb des Nationalparkgebietes beim ehemaligen Gasthaus zur Säge. Die Wasserfassung wäre im Bereich der Talsperrmauer auf der Göriacher Alm geplant.

Zweiter Versuch scheiterte im Dezember

Der erste Versuch, dieses Oberstufenkraftwerk umzusetzen, scheiterte am Widerstand der betroffenen Gemeinden Dölsach und Nußdorf-Debant sowie zahlreicher Grundeigentümer. 2023 startete das Unternehmen Theurl um Geschäftsführer Michael Theurl zusammen mit der AAE Naturstrom Gesellschaft aus Kötschach-Mauthen einen neuen Versuch. Das Projekt sollte mit einer Betreibergesellschaft umgesetzt werden, der dann die Gemeinden Dölsach und Nußdorf-Debant angehören. Damals glaubten beide Gemeinden zunächst an das Kraftwerk und man startete mit einer „positiven Grundstimmung“, wie Martin Mayerl, Bürgermeister von Dölsach (ÖVP) und Sprecher der vier Kraftwerksinteressenten, der Kleinen Zeitung berichtete.

Laut der im Namen von Bürgermeister Andreas Pfurner verschickten Aussendung aus Nußdorf-Debant wurden diese Verhandlungen zur Gründung der geplanten Gesellschaft allerdings Ende 2025 abgebrochen: „Die Gemeinderäte von Nußdorf-Debant und Dölsach beschlossen im Dezember übereinstimmend, dem Kraftwerksprojekt keine Zustimmung zu erteilen.“ Weiter heißt es: „Ebenso gaben die Gemeinden in den bereits laufenden wasserrechtlichen und forstrechtlichen Genehmigungsverfahren beim Amt der Tiroler Landesregierung negative Stellungnahmen zum Oberstufenkraftwerk der Theurl Leimholzbau GmbH ab.“

Der Dölsacher Bürgermeister bestätigt dies auf Anfrage der Kleinen Zeitung, sagt aber: „Nicht alle Einwendungen der Gemeinden sind projektrelevant beziehungsweise -verhindernd“, so Mayerl. „Darum wurde versucht, in Nachverhandlungen für die Gemeinde Dölsach die Option einer Beteiligung beziehungsweise eine finanzielle Abgeltung zu vereinbaren.“

Neue Angebote für die Gemeinden

Und genau um diese finanzielle Abgeltung geht es nun. So trat das Leimholz-Unternehmen wohl mit neuen Angeboten an Gemeinden sowie hauptbetroffene Grundeigentümer heran. „Bei der Gemeinde Dölsach konnte man damit allem Anschein nach auch punkten, denn dort soll demnächst über die entgeltliche Zurverfügungstellung von ‚Gemeinde-Grundstücken‘ für den Kraftwerksbau abgestimmt werden“, lässt man aus Nußdorf-Debant verkünden und greift damit den Nachbarn an.

Martin Mayerl, Bürgermeister von Dölsach, befürwortet den Kraftwerksbau
Martin Mayerl, Bürgermeister von Dölsach, befürwortet den Kraftwerksbau © KLZ / Blassnig

Mayerl kontert: „Die Gemeinde Dölsach befürwortet den Ausbau von Wasserkraft. Die Theurl Leimholz GmbH hat nochmals verhandelt. Man konnte sich auf die Zurverfügungstellung eines Grundstücks beim Krafthaus einigen und auch für die Nutzung des Weges für die Verlegung der Druckleitung.“ Dieser Vertrag sei im Gemeinderat von Dölsach einstimmig beschlossen worden. Und das bereits im Februar. „Auch der wesentliche Grundeigentümer bei der Wasserfassung hat dem vorgelegten Dienstbarkeitsvertrag der Firma Theurl zugestimmt“, so Mayerl weiter.

„Bis hinauf zu den Höchstgerichten“

In Nußdorf-Debant setzte man wiederum das Kraftwerk bei der Gemeinderatssitzung am 24. März kurzfristig als zusätzlichen Punkt auf die Tagesordnung. Nach einer „teils sehr emotional geführten Debatte haben sich die Mandatare schlussendlich einstimmig darauf geeinigt, bei ihrer ablehnenden Haltung zum Kraftwerksprojekt zu bleiben und zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Gespräche mit Michael Theurl zu führen“, heißt es. Für die Gemeinderäte, die alle der Liste „Nußdorf-Debant gewinnt“ (NDG) von Bürgermeister Pfurner angehören, „überwiegen die Nachteile des Kraftwerksprojekts weiterhin klar“.

Andreas Pfurner, Bürgermeister von Nußdorf-Debant, stemmt sich mit dem Gemeinderat vehement gegen das Projekt
Andreas Pfurner, Bürgermeister von Nußdorf-Debant, stemmt sich mit dem Gemeinderat vehement gegen das Projekt © Andre Schmidt

Man sei sich einig, „dass diese Nachteile nicht durch irgendeine Geldsumme ausgeglichen werden können“. Geäußert werden auch „Bedenken zur Minderung des Erholungswertes im Debanttal, zur Hochwassersicherheit, zu den drohenden Enteignungen von zahlreichen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie zu absehbaren Problemen bei den Hof- und Hüttenzufahrten im Tal“.

Und die Gemeinde Nußdorf-Debant behält sich rechtliche Schritte vor: „Der Bürgermeister wurde bereits vorsorglich ermächtigt, allfällige Genehmigungsbescheide für das Oberstufenkraftwerk, die in den nächsten Wochen ergehen könnten, mit einer darauf spezialisierten Anwaltskanzlei im Instanzenzug bis hinauf zu den Höchstgerichten zu bekämpfen.“