Wie optimieren wir unseren Stromverbrauch im Eigenheim? Wie nutzen wir die Kraft der Sonne und schützen gleichzeitig das Innere eines Hauses vor Überhitzung? Wie kann sich ein Gebäude selbst steuern und dabei sogar von Tag zu Tag dazulernen? Diese Fragen stellen sich mit den Sonnen- und Wetterschutzexperten von Hella sowie den Wärmepumpenpionieren von iDM nun zwei führende Osttiroler Unternehmen im Schulterschluss.

Unterstützt werden die beiden weltweit operierenden Unternehmen aus Abfaltersbach (Hella) und Matrei (iDM) vom MCI Campus Lienz, wo vor wenigen Tagen ein internationales Symposium und damit der Kick-off eines Forschungsprojekts stattfand. „Datengetriebene Gebäudemodelle für prädiktive Regelung", so der etwas sperrige Name.

Von links nach rechts: Lukas Kaupenjohann (iDM), Silvia Öttl (MCI), Robert Weitlaner (Hella) und Markus Male (iDM)
Von links nach rechts: Lukas Kaupenjohann (iDM), Silvia Öttl (MCI), Robert Weitlaner (Hella) und Markus Male (iDM) © MCI / Ebenberger

Rund 70 Forschende aus vier Ländern diskutierten auf dem Campus-Gelände aktuelle Ansätze zur Optimierung eines energieeffizienten Gebäudebetriebs. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Häuser durch datenbasierte Modelle und prädiktive, also vorausschauende, Regelungssysteme, nachhaltiger betreiben lassen. „Ziel des Symposiums war es, führende Forschende, Entwicklerinnen und Entwickler aus dem zentraleuropäischen Raum zu diesem Thema in Lienz zu vernetzen. Eine vergleichbare ingenieurwissenschaftliche Tiefe zu einem Spezialthema hat es in Osttirol bislang noch nicht gegeben“, betont Robert Weitlaner, Leiter der Innovationsabteilung bei Hella – mit 185 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2024 laut top.tirol der zweitgrößte Umsatztreiber im Bezirk Lienz.

Der Austausch zwischen Forschenden und Wirtschaft stand im Fokus
Der Austausch zwischen Forschenden und Wirtschaft stand im Fokus © MCI / Ebenberger

Markus Male von iDM ergänzt: „Osttirol hat einen industriellen Schwerpunkt: Gebäudetechnik- und -geräte. Das Potenzial, die Energieeffizienz von Gebäudetechnik durch vorausschauende, intelligente und gesamtheitliche Regelung zu steigern, ist riesig.“ Laut dem Leiter der Forschungsgruppe bei iDM Energiesysteme – mit 152,3 Millionen Euro Umsatz auf Rang 3 in Osttirol – war es wichtig, die Forschenden untereinander, aber vor allem mit der Wirtschaft zusammenzubringen. Male: „So konnten wir die technologische Innovationskraft im Bezirk aufzeigen.“

Wissenschaft trifft Industrie

Die Fachvorträge selbst gaben einen Überblick über Entwicklungen etwa bei der smarten, KI-gestützten Gebäudeautomation. Im Mittelpunkt standen Ideen, wie man physikalische Modelle mit lernenden Algorithmen verbinden und so den Gebäudebetrieb in Echtzeit optimieren kann. Die Grundlage sind umfassende Betriebsdaten aus Heizung, Verschattung und Lüftung. Gemeinsam mit dem MCI-Studiengang „Smart Building Technologies“ forschen Hella und iDM nun in einem vom Klima- und Energiefonds sowie vom Bundesministerium geförderten Projekt „Ziel ist es, präzise mathematische Modelle für die intelligente Steuerung zentraler gebäudetechnischer Systeme zu entwickeln“, so die Verantwortlichen.

Gespanntes Zuhören am Campus
Gespanntes Zuhören am Campus © MCI / Ebenberger

Daten als Schlüssel zur Energieeffizienz

Diese automatisiert lernende und sich selbst laufend verbessernde Modelle gewinnen laut Hella und iDM im Zuge der Energiewende stark an Bedeutung. In Kombination mit Wetterprognosen würden sie eine vorausschauende und damit kostenoptimierte Regelung ermöglichen. Als mögliches Beispiel: Sind warme Temperaturen und Sonnenschein angesagt, kann die Gebäudesteuerung zeitnah den Betrieb der Heizung herunterfahren, gleichzeitig etwa die Beschattung frühzeitig aktivieren und die Solaranlage für die Warmwasseraufbereitung optimieren. Die Schlussfolgerung aller Beteiligten: „Beim Symposium wurde klar, dass das größte Verbesserungspotenzial heute weniger in neuer Hardware als in intelligenter Steuerung liegt.“

„Entwickeln am Puls der Zeit“

Dazu Silvia Öttl, stellvertretende Studiengangsleiterin am MCI. „Die Einblicke der internationalen Forschenden zeigten eindrucksvoll, wie dynamisch sich das Feld der datengetriebenen Gebäudetechnik entwickelt. Mit den beiden Firmen Hella und iDM forschen und entwickeln wir am Puls der Zeit.“