Zufrieden mit der Erfüllung des Abschussplans in „seinen“ 22 Hegeringen zeigt sich der Lienzer Bezirksjägermeister Hans Winkler (Zahlen siehe Infobox): „Mir wäre auch von forstlicher Seite nicht bekannt, dass etwas nicht passt. Es gab wenig Verbisschäden. Der Winter war ideal fürs Wild.“ Das Aufbringen des Waldes, damit er aus der Verbisszone herauskommt und seine Funktion als Schutzwald wieder einnehmen könne, werde die Jägerschaft aber noch in den kommenden fünf bis zehn Jahren beschäftigen. „Durch Sturm Vaia hat Osttirol ja etwa ein Drittel seines Waldes verloren“, so Winkler.

Was bei der Durchsicht der Jagdzahlen aber auffällt: Das Muffelwild sei vom Wolf gleich null dezimiert worden, heißt es da. Habe es 2020/2021 noch 70 bis 80 dieser Tiere im Tiroler Lesachtal gegeben, sind sie nun verschwunden. „Der Mufflon ist eine Art Wildschaf, das bei uns aber ohnehin nicht heimisch ist. Mit ihm hatte der Wolf leichtes Spiel“, begründet Winkler.

Ebenso wie mit Schafen auf den Almen. Immer wieder schilderten Bäuerinnen und Bauern in den vergangenen Jahren den verstörenden Anblick hinterlassener Kadaver oder noch lebender Tiere, die nach Angriffen erlöst werden mussten. Für die Almwirtschaft wurde der streng geschützte Wolf zum Problem. Auch der Jahresbericht 2025 des Landes Tirol belegt, dass Wolfsnachweise und Schäden an Nutztieren zugenommen haben – insbesondere im Bezirk Lienz. Hier wurden per Verordnung im vergangenen Jahr auch vier Exemplare erlegt. Insgesamt waren es sechs in Tirol. Im Bereich Sillian – Untertilliach könnte es zur Bildung eines Rudels gekommen sein, hört man. „Es gibt aber keinen Beleg“, betont Winkler. Im Zuge eines Monitorings durch das Land Tirol seien dort immer wieder zwei Wölfe gesichtet worden. Ob es sich wirklich um ein Paar handelt, könnte sich in etwa zwei Monaten zeigen, falls Junge zur Welt kommen.

Abschuss wird leichter

Die Novelle des Tiroler Jagdgesetzes, die mit 1. April zu Beginn der Jagdsaison in Kraft tritt und die Entnahme von Wölfen bei Gefahrensituationen auch ohne Verordnung ermöglicht, begrüßt der Bezirksjägermeister: „Ich glaube, das ist eine gute Lösung, die da gefunden worden ist auf Grundlage dessen, was die EU-Richtlinie hergibt.“ Der Schutz-Status des Wolfes war im Sommer 2025 auf EU-Ebene gesenkt worden. „Ob deshalb aber wirklich mehr Wölfe erlegt werden, da bin ich noch skeptisch. Der Wolf ist bei uns vorwiegend auf den Almen unterwegs. Bis da ein Riss entdeckt wird, können schon einmal mehr als zwölf Stunden vergehen. Man kann ja die Herden nicht ständig kontrollieren. Diese ersten zwölf Stunden sind aber wichtig. Am nächsten Tag kann der Wolf schon wieder dreißig Kilometer weiter sein. Da wird das Ganze zum Katz-und-Maus-Spiel“, erklärt Winkler.

Johann Winkler, Bezirksjägermeister in Osttirol
Johann Winkler, Bezirksjägermeister in Osttirol © KK/Privat

Im Fall des Falles, etwa bei einem absehbaren Angriff und der unmittelbaren Gefährdung von Nutztieren, soll nun aber alles schneller und effizienter gehen: Mit schriftlicher Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten im jeweiligen Jagdgebiet soll jede Person mit gültiger Tiroler Jagdkarte den Wolf entnehmen können. Eine erst von der Landesregierung erlassene und entsprechend kundgemachte Verordnung soll in so einem Fall nicht mehr notwendig sein. Voraussetzung für die rechtssichere Entnahme sei der wechselseitige Austausch, betont Landesjägermeister Anton Larcher.

Über 30 Schakale in Osttirol

Eine Herausforderung sind laut Hans Winkler weiters die Goldschakale, von denen es in Osttirol über 30 gibt: „Sie gehen meist paarweise auf die Jagd und bringen ohne Weiteres eine Rehgeiß zur Strecke. Gerade in der Setzzeit ist das problematisch.“ Auch die Weiden rund um die Gehöfte scheut der Schakal nicht, Lämmer sind für ihn leichte Beute. „Und wenn er einmal dahinter kommt, wie das geht, kommt er wieder“, sagt Winkler.

Schäden für die Landwirtschaft verursacht vermehrt auch der Biber, der sich, unter Schutz stehend, im Isel- und im Drautal sowie im Talboden breit gemacht hat: Gewässer werden aufgestaut, die Entwässerung funktioniert nicht mehr, Feldwege werden untergraben. Winkler: „Auch hier braucht es eine Regelung, um Schäden unter Kontrolle zu bringen.“