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Kärnten intern"Solche obszönen Gehälter sind abzustellen"

91.000 Euro Jahresgehalt für Bildungshaus-Leiterin als kircheninterner Aufreger. Bistum-Prüfbericht soll erst im November fertig sein.

Das Bildungshaus St. Georgen als Bistumsbetrieb wird auch geprüft
Das Bildungshaus St. Georgen als Bistumsbetrieb wird auch geprüft © KK/Stift St. Georgen
 

So rasch wie angepeilt wird die interimistische Führung der Katholischen Kirche Kärnten nach der exakten Durchforstung des Bistums (als millionenschweres Mensalgut des jeweiligen Kärntner Bischofs) den Endbericht nicht vorlegen können. Es gilt, entstandene Schieflagen zu beleuchten, die nach dem Wechsel von Bischof Alois Schwarz von Klagenfurt nach St. Pölten sichtbar geworden sind. Diözesanadministrator Engelbert Guggenberger, Stiftspfarrer Gerhard Kalidz und Kirchenrechtsexperte Kanzler Jakob Ibounig ziehen an einem Strang. Noch ist ein Wirtschaftsprüfer beim Durchleuchten der Gebarung des Bistums. Überlegt wird, ob zusätzliche Gutachten notwendig werden, etwa für den Bildungsbereich oder Tourismusinvestitionen im Stift Sankt Georgen. Den Endbericht werde es deshalb nicht vor Ende November geben, so Ibounig.

Druck aus Wien

Kircheninternen Spekulationen, dass bei der Bischofskonferenz Anfang November der Druck von Kardinal Christoph Schönborn und Nuntius Peter Stephan Zurbriggen auf Guggenberger wegen der akribischen Durchleuchtung groß werden könnte, begegnet Ibounig mit Klartext: „Ich denke, Guggenberger wird diesen Druck aushalten. Denn unser Ziel sind nicht Rachgelüste gegen Bischof Schwarz und Andrea Enzinger (die Bischofsvertraute war Projektkoordinatorin des Bischofs und Leiterin des Bildungshauses St. Georgen, Anm.). Wir wollen die Verhältnisse wieder so haben, dass es unmöglich ist, mit dem Bistum umzugehen wie zuletzt. Uns geht’s um Ansehen und Glaubwürdigkeit der Kirche.“

Gerichtsanhängig

Ihre Kündigung per 31. Dezember als Bildungshaus-Leiterin hat Enzinger beim Arbeitsgericht angefochten. Dass bei der ersten Tagsatzung bekannt wurde, dass sie ein Jahresgehalt von 91.000 Euro plus Dienstwohnung plus Dienstwagen hat, sorgte kirchenintern für Aufregung. „Solche Gehälter, die das Dreifache des Gehalts eines Generalvikars ausmachen, sind obszön. Das ist abzustellen“, sagt Ibounig.
Ob es eine außergerichtliche Einigung zwischen Enzinger und dem Dienstgeber Kirche geben kann? Für Ibounig wäre es das Logischste, „dass die klagende Partei die Klage zurückzieht, um nicht zu provozieren, dass weitere Details an die Öffentlichkeit kommen.“ Zu Hinweisen, wonach Enzinger für den Fall einer außergerichtlichen Einigung zwei Jahresgehälter fordere, sagt Ibounig. „Unser Angebot ist weit davon entfernt. Wir können nicht verantworten, dass jemandem, der mutmaßlich so viel Schaden angerichtet hat, so viel Geld hinterhergeworfen wird.“

Staatsanwaltschaft ermittelt

Gegen Enzinger und unbekannte Täter ermittelt die Staatsanwaltschaft Klagenfurt. Richter Helfried Kandutsch hat Unterlagen in der Causa wegen des Verdachts der Untreue an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Diese hat nun, wie in solchen Fällen üblich, die Oberstaatsanwaltschaft Graz gebeten, zu prüfen, ob Befangenheitsgründe vorliegen, die dagegen sprechen, dass die Staatsanwaltschaft Klagenfurt in der Causa ermittelt. Sollte das der Fall sein, würden die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Graz oder Leoben übertragen.

Starthilfe aus Kärnten für Schwarz

An der Seite von Bischof Schwarz in St. Pölten ist teilweise Pater Gerfried Sitar. Er sieht sich „in der Anfangsphase, da Vertraute wichtig sind, als rechte Hand des Bischofs. Ich helfe beim Aufbau der Kanzlei, bei der Terminkoordination, bei Kulturgesprächen mit der Stadt und kleineren Projekten mit“. Seine Pfarre St. Andrä im Lavanttal, wo es auch zwei Kapläne gibt, leide nicht, sagt Sitar. Wie lange er in St. Pölten tätig bleibt, sei offen und hänge davon ab, welche Aufgaben es im Stift St. Paul, in der Diözese für ihn geben werde. „Ich bin bereit, in Kärnten Verantwortung zu übernehmen.“ Gerüchte, wonach Enzinger in St. Pölten seine Assistentin sei, weist Sitar entschieden zurück. „Daran ist nicht einmal im entferntesten gedacht. Sie wird weder in St. Pölten noch in Kärnten in kirchlicher Position sein. Man muss ihr aber Möglichkeiten zugestehen, beruflich etwas zu tun.“

Erzbischof kommt

Anders als ursprünglich fixiert läuft die Diakonenweihe am Samstag im Dom zu Klagenfurt (15 Uhr) ab. Geplant war, dass Schwarz nach Klagenfurt kommt. Doch einen offiziellen Kärnten-Termin gibt es nicht mehr. Somit wird der Salzburger Erzbischof Franz Lackner OFM als Metropolit (Vorsteher) der Salzburger Kirchenprovinz, zu der die Diözese Gurk gehört, fünf verheiratete Männer zu Ständigen Diakonen und einen Priesterkandidaten zum Diakon weihen.

Kommentare (2)

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georgXV
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???

und was sagen Christoph Schönborn (Chef / Vorstandsvorsitzender der Katholiken in Österreich) und Peter Zurbriggen (Gesandter des Papstes = Oberkontroller / Aufsichtsratsvorsitzender für Österreich) zu den Vorgängen im Bistum Gurk ???
Aus meiner Sicht, tragen die beiden eine Mitverantwortung, denn sie haben Alois Schwarz frei "gewähren lassen", OHNE ihn zu kontrollieren bzw. "auf die Finger zu klopfen" !!!
Warum wurde Alois Schwarz nach St. Pölten weggelobt ??

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gintonicmiteis
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4
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Kirchenaustritt ist das einzig sinnvolle

Vor den "geldgierigen Personen im Tempel" warnte ja bereits Jesus... aber der führte bekanntlich ja auch ein Leben in Bescheidenheit, was man den handelnden Personen der katholischen Kirche nicht gerade nachweisen kann.

Wer da noch immer Kirchenbeitrag zahlt, ist selber schuld...

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