Russlands Krieg in der Ukraine hat eine Energiekrise in Europa ausgelöst. Zudem ist das Thema Blackout – also ein länger dauernder, großflächiger Stromausfall – omnipräsent. Dass Teile der Bevölkerung vor diesem Hintergrund besorgt sind, ist verständlich. Ebenso wie die Suche nach unabhängigen, erneuerbaren Energieträgern. Deren zielgerichtete Nutzung ist abhängig von großen Speicherkapazitäten.

Beim Fernheizkraftwerk in der Pischeldorfer Straße/ Ecke Krassnigstraße in Klagenfurt sollen jetzt in unmittelbarer Nähe zum Umspannwerk Nord der Stadtwerke (STW) Batteriespeicheranlagen bestehend aus Megapack-Modulen des US-Herstellers Tesla entstehen. "Megapack speichert zuverlässig und sicher Energie für das Netz und macht so den Einsatz von Gas-Spitzenlastkraftwerken überflüssig und hilft, Stromausfälle zu vermeiden", beschreibt das Unternehmen sein Produkt auf der Unternehmenshomepage.

Politikersohn baut auf STW-Gründen

Klingt toll. Doch das Projekt weist laut den Klagenfurter Grünen einen Schönheitsfehler auf: Insgesamt zwei Unternehmen wollen auf Gründen, die in Besitz der STW sind, Batteriespeicheranlagen errichten. Die Piadeno Green Energy Management GmbH und die NGEN Smart Grid Systems GmbH. Geschäftsführer und Miteigentümer (34 %) von letzterer ist Matija Dolinar, Sohn des Klagenfurter Energiereferenten und Vizebürgermeisters Alois Dolinar (TK). Ebenfalls beteiligt ist der Sekretär des Politikers, der seinen Posten im Magistrat aber mittlerweile gekündigt hat. Zusammen halten sie die Mehrheit des Unternehmens. Die restlichen 49 % gehören der NGEN energetske resitve d.o.o, Sloweniens größtem Betreiber von Batteriespeichersystemen.

Alles in Ordnung, beschwichtigt Alois Dolinar: "Es ist ein tolles Projekt, in das kein Cent öffentliches Geld geflossen ist." Das bestätigen auch die STW. "Wir sind überhaupt nicht involviert. Zwei Unternehmen haben um einen Netzanschluss für ihre großen Batterielösungen angesucht. Beide wollten aufgrund der höheren Anschlussleistung in der Nähe eines Umspannwerkes sein. Wir vermieten die Gründe jetzt an sie, da ist nichts Verwerfliches dabei", sagt STW-Vorstand Erwin Smole.

Aber warum errichten die STW nicht selbst Batteriespeicheranlagen auf ihrem Grund, um im Notfall nicht auf private Anbieter angewiesen zu sein? "Im Falle eines Blackouts ist noch immer das Notstromdieselaggregat die sicherste Option. Aber wir reden mit beiden Firmen über Kooperationen", so Smole.

Erster Megapack geht ans Netz

Der Megapack von Piadeno ist bereits vor Ort. Am kommenden Freitag, 2. September, wird der derzeit größte Batteriespeicher Kärnten auf seine endgültige Position an der Südmauer des Fernheizkraftwerks gehoben werden und sofort ans Netz gehen. "Die entsprechenden Genehmigungen haben wir bereits im Frühjahr erhalten. Die Kapazität der Batterie ist so groß, dass sie knapp 200 Haushalte mit Strom versorgen könnte", sagt Geschäftsführer Miha Kampuš. Rund 2 Millionen Euro hat sein Unternehmen investiert.

Hier wird der Tesla-Megapack der Firma Piadeno am Freitag platziert werden
Hier wird der Tesla-Megapack der Firma Piadeno am Freitag platziert werden © Piadeno

Sieben bis acht Megapacks von NGEN sollen östlich des Fernheizkraftwerks in der Pischeldorfer Straße 28 ihren Platz finden. Die Bauverhandlung ist für den 6. September anberaumt. "Das Projekt umfasst ein Investitionsvolumen von insgesamt 15 Millionen Euro und wird somit Österreichs größtes Batteriespeicherkraftwerk darstellen. Die Inbetriebnahme soll Anfang 2023 erfolgen", sagt Matija Dolinar. Im Vorfeld äußerten Anrainer gegenüber dem ORF Bedenken in Bezug auf einen möglichen Brand der Batterie. Erst im Vorjahr hatte ein Megapack im weltgrößten Batterie-Speicher im australischen Bundesstaat Victoria Feuer gefangen und konnte drei Tage lang nicht gelöscht werden.

Feuerwehr rüstet auf

Seitens der Stadt betont man, im Zuge der behördlichen Verfahren brandschutztechnische und umweltschutztechnische Aspekte zu berücksichtigen und zu beurteilen. Und was sagt die Berufsfeuerwehr Klagenfurt zu der Debatte? Immerhin sind die Megapacks für die Kameraden bisher unbekanntes Terrain. "Das Thema der erneuerbaren Energien bzw. der alternativen Antriebstechniken ist auch bei uns allgegenwärtig. Es gibt laufend Schulungen und wir rüsten immer mehr auf", sagt Oberbrandrat Wolfgang Germ. Je größer die Anlage, "desto mehr Abstand, Kameraden und Löschmittel werden benötigt. Und wenn der Brand nach einem Tag nicht gelöscht wird, dauert der Einsatz eben länger. Der Vorteil von stationären Anlagen ist, dass sie kaum Gewalteinwirkungen von außen ausgesetzt sind. Anders als etwa E-Autos."