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Thomas Koschat

Valåssn, aber nicht vergessen

Am 19. Mai jährt sich der Todestag von Thomas Koschat zum 100. Mal. Sein Werk setzt seiner Heimat ein Denkmal.

© KLZ/Markus Traussnig
 

"Hier im Parterre befindet sich unser Proberaum", sagt Urban Sussitz, Obmann des Männerchores Koschatbund, der das Koschatmuseum in Klagenfurt betreut. An den Wänden Bilder von Chorleitern und -mitgliedern. Notenblätter, ein Klavier. Der erste Stock des ehemaligen Bauernhauses am Viktringer Ring 7, das der Koschatbund vor 80 Jahren erwarb, nachdem ihm Thomas Koschats Witwe den Nachlass übergeben hatte, ist ganz dem Kärntner Liederfürsten gewidmet: Fotos, Gemälde, Büsten, Briefe, ein Schreibtisch, die originalen Möbel aus dem Sterbezimmer. Heuer gibt es einen besonderen Anlass, das Museum bis zur Eröffnung am 19. Mai gehörig durchzuputzen. An diesem Tag jährt sich Koschats Todestag zum 100. Mal.

Thomas Koschat wurde am 8. August 1845 in Viktring geboren. Der Vater Thomas, ein Färbermeister, hatte in zweiter Ehe die Wollklauberin Ursula Tokar geheiratet. Beruflich waren die Eltern eng mit der Tuchfabrik der Familie Moro verbunden. In diesem illustren, allem Schöngeistigen zugewandten Kreis, in dem viel musiziert wurde, tat "Thomale" seine ersten Schritte in Richtung Gesang. "Die Moros förderten den Buben", erzählt Sussitz. Sie unterstützten ihn als Schüler des Benediktinergymnasiums in Klagenfurt ebenso wie als Studenten der Chemie in Wien. Koschat sollte in die Fabrik einsteigen.

Die Neigung zum Singen machte den Plänen der Gönner einen Strich durch die Rechnung. „Er hat nur ein paar Semester Chemie studiert“, sagt Sussitz. Koschat wurde Mitglied dreier Gesangsvereine und mit 22 Jahren als Chorbassist an die Hofoper engagiert. 45 Jahre blieb er im Hofopernchor, später als Leiter, gründete Quintette und Quartette, reiste mit diesen Ensembles sogar bis Amerika, sang in Bayreuth bei Richard Wagner, begeisterte Franz Liszt, wurde von Kaiser Franz Joseph ebenso geschätzt wie vom deutschen Kaiser Wilhelm II.

Heimat im Lied

Irgendwann begann Koschat zu komponieren – vorerst mit wenig Erfolg. Sein "Valåssn", angeblich nach dem frühen Tod einer großen Liebe entstanden, heute der Inbegriff des Koschat-Liedes schlechthin und in 18 Sprachen übersetzt, wollte zuerst niemand verlegen. Erst 1871 war es so weit. Es folgte ein reicher kompositorischer Schatz, der – so Sussitz – "recht schwer zu singen ist. Es gibt viel in Moll. Und es gibt vieles, das vier- oder fünfstimmig ist". Seiner Heimat blieb der Wahlwiener Koschat ein Leben lang treu, und zwar nicht nur in seinen Kompositionen. Seine Ferien verbrachte er regelmäßig in Kärnten, erfreute sich zahlreicher Ehrenbürgerschaften.

Umschwärmt

Privat wollte sich Koschat lange nicht binden. "Er war ein stattlicher Mann, wurde von Verehrerinnen umschwärmt", schmunzelt Sussitz. Koschat fand Gefallen an der Weiblichkeit, wie ein Fotoalbum im Museum beweist, das dutzende Bilder schöner Frauen vereint. Geheiratet hat Koschat spät. 1904 gab er der 30 Jahre jüngeren Paula Massek das Jawort. Die Ehe blieb kinderlos. Über die Frau, die zehn Jahre sein Leben teilte, wissen wir wenig. Sussitz meint, sie sei Balletttänzerin gewesen. Sie muss aber auch gesungen haben, denn Programmzettel der Wiener Oper aus den Jahren 1916 und 1917 weisen sie als Altistin aus. Dass die Welt ihren berühmten Mann in Erinnerung behält, war ihr so sehr Anliegen, dass sie den Nachlass dem Koschatbund übergab. Koschat ist nach seinem Tod endgültig nach Kärnten zurückgekehrt. Er liegt in einem Ehrengrab auf dem Friedhof Klagenfurt-Annabichl. Zehntausend Menschen säumten seinen letzten Weg.

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