Der Fall ist sehr tief für Spitzenmanager und Führungskräfte in oberer Etage, wenn sie plötzlich gekündigt oder entlassen werden. Nach der Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens kommt für die oft alltagsuntauglichen Workaholics die Selbstzerfleischung mit Selbstzweifeln, Selbstaufgabe oder Aufbäumen, was sogar in eine Art Verrücktheit münden kann. Das Stück „Top Dogs“ von Urs Widmer, geschrieben vor 30 Jahren, ist heute aktueller denn je.
Die Theatergruppe Hashtag im Kellertheater Viktring bringt das Thema auf die Bühne und lässt den Zuschauer mit Gänsehaut zurück. Zehn Darsteller zeigen unterschiedlichste Charaktere, die in ein „Outplacement Center“ geschickt werden, wo sie lernen sollen, mit der neuen Situation umzugehen. Sie reagieren sehr individuell auf die Krise und den Selbstwertentzug, werden aggressiv oder ängstlich, erkennen im Rollentausch ihr eigenes fragwürdiges Verhalten als Chefs, die sich selbst wegrationalisieren. „Es ergeben sich skurrile, groteske Situationen, wenn solche Menschen ins Leere fallen“, erläutert Regisseur Günther Hollauf, Architekt und Theaterpädagoge, der mit zeitgemäßen Themen zum Nachdenken anregen will. „Wir machen keine klassischen Komödien, sondern modernes Theater.“
Seit September hat das Ensemble jede Woche geprobt, Begriffe aus Kärnten oder Österreich wurden in den Text eingebaut. So waren die „Top Dogs“ bei Raiffeisen, Signa oder der Hypo Bank beschäftigt. Nicht im Original vorhanden sind die Putzfrau und ein Trommler, die den Kapitalismus kritisieren, als System, das Armut braucht, um Reichtum zu schaffen. Auch der „Generaldirektor i. R.“ wurde hinzugefügt.
Dargestellt wird er vom ältesten Ensemblemitglied Heinz Schneider (81), für den das Theater „geistiges Training“ ist. Den Text merkt er sich leicht, hat er doch früher in seinem Job alle zwölfstelligen Ersatzteilnummern auswendig gekannt. Der jüngste ist Alexander Khabir, ein 20-jähriger Student, der sich im Stück gerade einen Porsche gekauft hat, als die überraschende Kündigung kommt. Am Ende wird nur eine Person an eine Firma in Korea vermittelt. Für alle anderen bleibt es so, wie es die Verbund-Projektmanagerin ausdrückt: „Eine Entlassung ist wie eine Eisenstange ins Genick.“