AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Kärntner des TagesMichael Kerschbaumer: Der philosophische Käsemeister

Michael Kerschbaumer (38) und seinen Kaslabn-Mitstreitern ist regionale Wertschöpfung ein Anliegen. Jetzt wurden sie vom Netzwerk Zukunftsraum ausgezeichnet.

Michael Kerschbaumer
Michael Kerschbaumer © Rie-Press
 

Was einer nicht kann, schaffen viele! Nach diesem Leitsatz richtet Michael Kerschbaumer (38) sein Leben aus, das ihm in dieser Form nicht in die Wiege gelegt worden war: Der gelernte Einzelhandelskaufmann, der eine pädagogische Ausbildung für verhaltensauffällige Jugendliche absolvierte, hatte mit Landwirtschaft nichts am Hut. „Mit der Zeit reifte der Wunsch in die biologische Landwirtschaft einzusteigen“, erzählt Kerschbaumer, ein gebürtiger Steirer aus Aigen im Ennstal.

Mit Gattin Ulla, einer Wienerin, machte er sich auf die Suche nach einem Bauernhof. Fündig wurde das Paar am Laufenberg in der Stadt Radenthein, wo sie den Hof vulgo Polanig erwarben. „Wir wollten unsere Milchprodukte möglichst vielen zugänglich machen“, erinnert sich Kerschbaumer, der in Franz Glabischnig (Millstatt), Marlies Pötscher (Glanz/Ferndorf) sowie in Angelika und Klaus Kohlweiß (Feld am See) gleichgesinnte Mitstreiter fand. Die Idee einer bäuerlichen Erzeugungsgenossenschaft war geboren. Bei der Finanzierung gingen sie neue Wege: Mithilfe von Bürgerbeteiligung wurde ein Großteil der 2,7 Millionen Euro-Investition finanziert. Die „Zinsen“ werden pünktlich in Käse ausbezahlt.

100 Tonnen Käse pro Jahr

Inzwischen wird von 15 Betrieben Kuh- und Ziegenmilch, alles in Bio-Heumilch-Qualität, angeliefert. „15 Mitarbeiter, davon zwei Lehrlinge, finden bei uns Arbeit“, sagt der Geschäftsführer. Insgesamt werden 100 Tonnen Käse pro Jahr erzeugt, 25 Tonnen sind in der Schaukäserei mit Verkaufsraum in Radenthein auf Lager. Was würde der Käsemeister tun, wenn er mehr Zeit hätte? „Ich würde mich politisch engagieren. Unser Projekt ist hochpolitisch. Wir halten das Bauernhofsterben auf, geben unseren Kindern eine Perspektive, mit Landschaft und Tieren wird in kleinen Kreisläufen gearbeitet, Konsumenten nehmen ein nachhaltig produziertes Lebensmittel zu sich. Diese Philosophie würde ich gerne eindringlicher verbreiten.“

Die Arbeit der Biobauern wurde gerade wieder ausgezeichnet: In der Kategorie „Tourismus, Gewerbe, Handwerk“ wurde die Kaslabn vom Netzwerk Zukunftsraum Land in Göttweig (Niederösterreich) mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Der Gewinn, ein Gutschein für Urlaub am Bauernhof, wird für einen Betriebsausflug genutzt. 

Zur Person

Michael Kerschbaumer (38). Der gebürtige Steirer, kam vor zehn Jahren nach Radenthein, wo er mit Gattin Ulla den Biohof Polanig aufbaute. Er gründete mit gleichgesinnten Biobauern das Gemeinschaftsprojekt „Kaslabn“, welches nun vom Netzwerk Zukunftsraum Land ausgezeichnet wurde.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren