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Kärntner des TagesStefan Dörfler fiebert mit den Börsen und dem KAC

Tennistitel und Finanzkrise haben Stefan Dörfler für den Topjob als CEO der Erste Bank gestählt. Heute trägt er Rot-Weiß-Rot – bei KAC gegen Vienna Capitals.

Stefan Dörfler: Sein Job als CEO der Erste Bank
Stefan Dörfler: Sein Job als CEO der Erste Bank © Müller
 

Souveräne Entschlossenheit, freundlich, gelassen. Man spürt, warum Stefan Dörfler es hier herauf geschafft hat, in den 11. Stock des futuristischen Erste-Bank-Campus. „Ich bin sehr diszipliniert.“ Und Erster wollte er auch am Tennisplatz immer schon sein. X-mal Kärntner Jugendmeister, Staatsligaspieler für die Union Klagenfurt. „Als ich bei den Erste Bank Open 2016 dem Sieger Andy Murrey den Pokal übergab, war das ein Höhepunkt für mich: Ich hatte es nicht im Tennis, aber beruflich dahin erreicht.“

Ruhig blickt Dörfler von der Management Lounge über den Wiener Hauptbahnhof hinweg, als käme ihm aus Studentenzeiten die Südbahn ins heimatliche Krumpendorf in den Sinn. „Ich durfte in einer traumhaften Umgebung aufwachsen. Wörthersee, Tennisplatz und Bachmann Gymnasium – alles in fünf Minuten mit dem Rad.“

Im Elternhaus war Bildung präsent, Vater Willibald Dörfler damals Rektor der Uni Klagenfurt, Mutter Maria Pädagogin. „Aufschlag und Rückhand hätten gereicht, aber ich spürte, dass ich für eine internationale Tenniskarriere einen Tic zu wenig gut war.“ So ging es vom Präsenzdienst in der Windischkaserne an die Technische Uni Wien.

„Das war eine gute Entscheidung, an Bank hätte ich nie gedacht.“ Im Studium der Technischen Mathematik tauchten indes alsbald Anwendungen in Betriebswirtschaft auf. 1995 Berufseinstieg bei der GiroCredit, programmieren im Zinsdervivate-Handel. Zockergeschäft? „Es war immer was los, ich bin aber keine Spielernatur“, sagt Dörfler. „Den Tag, an die Lehman Brothers an der WallStreet zusammenbrachen, vergesse ich nie.“

Jetzt erzählt er von der Finanzkrise 2007 und Nachbeben bis 2009, von „Abenden, an denen man das Gefühl hatte: Wie geht das morgen weiter? Jeden zweiten Tag gab es neue Gerüchte, welche Bank umfällt. Es herrschte das große Misstrauen.“ Dörfler legt die Hände auf den Tisch, verschränkt unbewusst die Finger: „Wir in unserem Haus hatten die Dinge im Griff.“ Der graue Business-Anzug passt jetzt wie eine elegante Rüstung. „Die Erfahrungen haben mich gestählt und helfen mir jeden Tag.“

Zum Beispiel „mit Verlässlichkeit für Dinge, die man ausgemacht hat“. Im Oktober 2016 hievte Andreas Treichl ihn vom Bereichsleiter Group Markets an die Spitze der Erste Bank Österreich, mit Verantwortung auch für die Sparkassen.

Welcher Typ ist Vorstandschef Stefan Dörfler im Match und kann ein Tennisspieler überhaupt Teamplay? „Vom Spielstil gefällt mir Roger Federer, vom Typ Rafael Nadal“, vereint Dörfler Virtuosität und Kampfgeist. Im direkten Duell hält er zum Kämpfer Nadal. „Ich sehe aber auch bei einer tollen Fußball- oder Eishockeypartie mit Begeisterung, wie ein Team funktioniert.“ Auf dem Fußballplatz funktioniert sein Team derzeit allerdings grottenschlecht: „Ich bin“, gesteht er mit Leidensmiene, „Rapid-Fan.“ Fast entschuldigend sagt Dörfler: „Das geschah irgendwie von Klein auf.“

Zur Person

Stefan Dörfler (46) stammt aus Krumpendorf, absolvierte in Klagenfurt das Ingeborg Bachmann Gymnasium und studierte Technische Mathematik an der Technischen Universität Wien. Seine Berufskarriere begann er in der Giro Credit und durchlief in der Erste Group eine steile Karriere. Im Oktober 2016 wurde er zum CEO der Erste Bank bestellt, mit Verantwortung auch für die Sparkassen. Er ist Aufsichtsrat der Wiener Börse.

Heute ist Nervenstärke angesagt, denn sticht man in Dörflers Adern, quillt nicht grünes, sondern tiefrotes KAC-Blut hervor und am Nachmittag steigt der zweite Final-Schlager gegen Hans Schmids Vienna Capitals. Obwohl Sponsor-Schutzherr der gesamten Erste Bank Eishockey Liga, vergisst Dörfler nicht erst jetzt gnadenlos jede Neutralität. „Meinen zweienhalb Meter langen KAC-Schal trage ich immer, wenn ich zu den Vienna Capitals gehe, egal welches Spiel.“ Schon im Halbfinale gegen Salzburg sah man Dörfler in der KAC-Eishalle an der Seite von Kärntner- Sparkasse-Chefin Gabriele Semmelrock-Werzer für die Rotjacken mitfiebern.

Mit noch mehr Stolz erzählt Dörfler nur über seine Familie, Gattin Petra („begeisterte Lehrerin“) und die Kinder Katharina (16) und Philip (12), die alle Wörthersee und Adria lieben.

Nur gegenüber seinen Geschwistern „gesteht“ der Bankmanager einen tiefen kulturellen Riss: „Musikalisch bin ich das schwarze Schaf der Familie.“ Bruder und Schwester haben beide Musikstudien absolviert, „Monika ist Jazzmusikerin, Martin ist Cellist. Alle Kinder der Familie spielen Instrumente. Ich konsumiere Musik in der Großfamilie.“ Auch mit den Gipfelsiegen des Vaters hat Stefan Dörfler es nicht. Ein KAC-Sieg heute reicht schon.

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