Als Kind war der mittlerweile 19-Jährige Manuel Scherer eigentlich auf dem Snowboard unterwegs. „Mein Cousin war Snowboard-Freestyler. Ich habe aber ein Video von einem Ski-Freestyler gesehen und danach wollte ich unbedingt Skifahren lernen. Was eigentlich kein Problem war, weil meine Mama Skilehrerin war“, erklärt Scherer. Bereits im Alter von neun Jahren hat er sich auf den Freestyle konzentriert.
Ski-Freestyle ist eine Wintersportdisziplin, bei der Athletinnen und Athleten auf Skiern spektakuläre Sprünge, Tricks und akrobatische Elemente – etwa über Schanzen, auf Buckelpisten oder auf Hindernissen – ausführen und dafür von Kampfrichtern bewertet werden.
Und die Rechnung des Gnesauers ging auf. Im Freeski-Slopestyle-Landescup belegte Scherer heuer den zweiten Platz. Die restlichen Wettbewerbe in dieser Saison konnte er alle für sich gewinnen. Bei rund zehn Bewerben ist Scherer pro Saison dabei. In seiner zehnjährigen Karriere wurde er beim Skifahren zum Glück noch nie schwer verletzt. „Ich hatte schon Prellungen und blaue Flecken, diese holte ich mir aber eher beim Training, beim Radfahren oder sogar beim Purzelbaumschlagen“, erklärt Scherer mit einem Lachen.
Kommenden Herbst erfüllt sich für den Athleten ein großer Traum. „Ich bin einer der drei Kandidaten, die in den Landeskader aufgenommen werden. Das hätte ich mir nie gedacht und ich bin wirklich froh, dass ich diese Möglichkeit habe.“ Scherer ist Mitglied des Freestyle Clubs Villach, wo auch wöchentliches Training auf dem Programm steht. Im Sommer trainieren die Mitglieder des Clubs am Föderlacher Baggersee. Hier gibt es eine Wasserschanze und zwei Wettkampftrampoline. „Ich bin unserem Trainer Peter Köchl sehr dankbar, dass er uns so fordert.“ Im Winter findet man den 19-Jährigen zum Trainieren auf der Turrach. „Sehr oft fahre ich auch nach Flachau, da es dort einen Freestyle Park gibt, in dem die Besten trainieren.“
Das Ziel des Athleten ist „natürlich der A-Kader. Das wäre mein Traum.“ Doch zuerst muss er noch seine Lehrabschlussprüfungen zum Metalltechniker und Technischen Zeichner absolvieren. „Dann muss ich meinen Grundwehrdienst leisten und vielleicht besteht die Chance, dass ich in den Heeressportverband aufgenommen werde.“
Der Gnesauer kann sich auch schon über Bekanntheit und einige Sponsoren freuen. „Ich habe mit Blue Tomato, Head Ski, Bandits Apparels und meiner Friseurin Claudia Weiß schon vier Sponsoren gefunden. Dafür bin ich wirklich dankbar.“ Und in den sozialen Netzwerken kann sich der Athlet über rund 203.700 Likes auf TikTok freuen.
Was bei den Freestylern gang und gäbe ist – beim Skifahren und bei den Sprüngen wird Musik gehört. „Bei mir läuft dauernd Musik. Sehr gerne höre ich zum Beispiel amerikanischen Rap, aber auch R&B und Pop wie etwa Rihanna. Ich brauche auch etwas, das mich pusht. Beim letzten Wettbewerb habe ich zum Beispiel durchgehend Katy Perry und ihren Song Bon Appétit gehört.“
Worauf der 19-Jährige sehr stolz ist: „Meine Eltern stehen immer hinter mir. Obwohl meine Mama ab und zu etwas Angst hat, wenn ich springe. Jedoch mache ich nichts Waghalsiges und weiß bei einem Sprung immer, was ich schaffe und was nicht. Auch mein Freundeskreis besteht zum großen Teil aus Freestylern und da können wir uns immer gegenseitig motivieren.“
Angst vor einem Sprung hat der Freestyler nicht (mehr). „Wenn ich an meine allerersten Sprünge denke, war ich schon nervös. Wenn ich jetzt in der Luft bin, fühlt es sich so an, als wäre alles in Zeitlupe“, erklärt Scherer. Die Saison beginnt für den Gnesauer immer im Oktober. „Je nach Schneelage trainiere ich dann bis April oder Mai, danach weiche ich auf den Gletscher aus.“
Sein größtes Vorbild? Der Norweger Tormod Frostad, der bei den Olympischen Spielen in Mailand den ersten Platz im Big Air erzielen konnte. „Er hat einen sehr coolen Fahrstil. Das bewundere ich.“