„Ich bin für alle der Harry - mit zwei ‚r‘ und einem ‚y‘“, sagt Harald Geissler, wenn man ihm nach seinem Spitznamen fragt. Der Hans Dampf in allen Gassen, der seit 40 Jahren neben seinen beruflichen Tätigkeiten Dutzende Ehrenämter bekleidet, hat nun ein weiteres unentgeltliches Engagement übernommen: Er folgt Rudolf Schober als Präsident beim Kärntner Zivilschutzverband.

Es gebe durchaus noch Potenzial bei der zivilen Gefahrenabwehr, will Geissler das Verhalten im Krisenfall festigen und Kinder sowie Senioren künftig gezielter ansprechen. „Ich denke da an Alarmpläne für die Haushalte und es gibt auch digitale Möglichkeiten, die man noch besser nutzen kann“, so der 58-Jährige. „Es geht um Eigenvorsorge, um im Krisenfall besser gerüstet zu sein. Wenn Katastrophen passieren, werden plötzlich alle munter. Beim Ukraine-Krieg haben wir das beispielsweise gemerkt. Gibt es aber drei Jahre lang kein Hochwasser oder keinen Stromausfall, fragen sich die Wenigsten, wie das elektrische Garagentor ohne Strom aufgeht.“

Geissler engagiert sich seit seiner Jugend für Einsatzorganisationen. Geboren wurden er und sein Zwillingsbruder Robert am 29. September 1967 auf einem Bauernhof im Klagenfurter Stadtteil Wöfnitz, ehe die Familie nach Finkenstein und später weiter nach Gödersdorf siedelte. „Dort gab es zwei Möglichkeiten: Entweder du gehst zur Dorfgemeinschaft oder zur Feuerwehr. Letzteres hat mir immer schon getaugt und wir wohnten neben dem Feuerwehrhaus“, erzählt Geissler.

ABC-Abwehr

Nach seiner Lehre als Elektroinstallateur absolvierte er beim Heer die Unteroffiziersausbildung mit Schwerpunkt ABC-Abwehr. Diese schützt Menschen vor atomaren, biologischen und chemischen Gefahren. Als junger Wachtmeister bewarb er sich als hauptamtlicher Feuerwehrmann bei der Stadt Villach und ergatterte eine von drei Planstellen, für die 362 Bewerber gekommen waren. Es folgten verschiedene Führungsfunktionen bei der Hauptfeuerwache und im Bezirksfeuerwehrkommando, ehe Geissler zum 15. Kommandanten der Hauptfeuerwache gewählt wurde.

Am zweiten Bildungsweg holte der Villacher die Matura nach und wurde zum Leiter der Magistratsabteilung Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz bestellt. In dieser Zeit traf ihn auch ein schwerer Schicksalsschlag, sein Zwillingsbruder verstarb. „Er sah exakt gleich aus wie ich, war ein bekannter Wirt in Klagenfurt und wir hatten ein besonderes Verhältnis. Er fehlt mir“, zeigt der kräftige Mann seinen weichen Kern.

Zwillingsbruder verstarb früh

Wegen einer Lungenembolie war Robert im Jahr 2016 nach Innsbruck ins Spital gebracht worden. „Als klar war, dass er sterben muss, war es mir wichtig, in diesem Moment bei ihm zu sein. Wir wurden zusammen geboren und zum Glück konnte ihn auch noch begleiten, als er gehen musste.“ Harrys Schwester Barbara ist ebenfalls schon verstorben. „Umso wichtiger ist mir meine Familie: Meine Frau Tanja und Tochter Rafaela, die sie in die Ehe mitgebracht hat.“

„Aufgeben gibt es nicht“

Wichtig ist Geissler auch, dass alle Nominierungsberechtigten im Landtag den Vorschlag seiner Präsidentschaft als Chef des Kärntner Zivilschutzes unterstützt haben. Das sieht der 58-Jährige, der auch seit 20 Jahren als SPÖ-Gemeinderat in Villach tätig ist, als Anerkennung seiner jahrelangen Tätigkeiten im Zivil- und Katastrophenschutz. Wie tickt er als Chef? „Man nennt mich ‚Arbeitsgemeinschaft Sozial‘. Meinen Mitarbeitern lasse ich viel Freiraum. Ein Machtwort spreche ich nur, wenn es absolut nötig ist. Ich kämpfe für die Sache, Aufgeben gibt es bei mir nicht.“

Und bleibt bei den vielen „Amtln“ eigentlich noch Freizeit? Geissler: „Wenig. Ein bisschen Spazieren mit der Familie oder im Garten arbeiten. Zum Glück hat mich meine Frau vor zehn Jahren schon mit all den ehrenamtlichen Tätigkeiten kennengelernt.“