Der ehemalige Südtirolaktivist Heinrich Oberleiter ist tot. Er erlag am Mittwoch seinen schweren Verletzungen infolge eines Verkehrsunfalls in Deutschland, berichteten die italienische Nachrichtenagentur ANSA sowie Südtiroler Medien. Der im Dezember 2021 vom italienischen Präsidenten Sergio Mattarella begnadigte Oberleiter wäre am 13. Jänner 82 Jahre alt geworden.

Im vergangenen Juli war Oberleiter nach 60 Jahren im Exil erstmals in seine Heimat Sand in Taufers gereist. Dort sprach der zuletzt in Bayern Lebende bei einem Medientermin von damals "schwierigen und rechtlosen Zeiten". Er war einer von vier "Pusterer Buam", die in den 1960er-Jahren für mehrere Anschläge in Südtirol verantwortlich waren.

Keine Todesopfer

Die drei Kinder Oberleiters hatten sich 2018 an Mattarella gewandt und die Begnadigung beantragt. Er war wegen verschiedener Sprengstoffanschläge in den 1960er-Jahren von den Schwurgerichten Bologna und Florenz zu lebenslanger Haft verurteilt worden. 1968 flüchtete er ins Ausland, wo er seither laut seinem Anwalt ein vorbildliches Leben führte. Bei der Annahme des Begnadigungsantrags berücksichtigte der italienische Präsident, dass Oberleiters Handlungen keine Todesopfer zur Folge hatten und er seine Taten bedauerte.

Oberleiter war der erste der "Pusterer Buam", der in seine Heimat zurückkehren durfte. Eine Begnadigung für einige Südtirolaktivisten ist schwierig, da sie oftmals keinen Tag im Gefängnis verbracht haben. Zudem muss ein Gnadengesuch eingereicht werden, im Fall von Oberleiter geschah dies durch seine drei Kinder. Für eine Begnadigung der Südtirolaktivisten hatten sich seit Jahren zahlreiche Politiker aus Südtirol und Österreich eingesetzt. Zuletzt, wie bereits seine Vorgänger, auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

"Freiheitskämpfer"

Betroffen reagierte die Oppositionspartei "Süd-Tiroler Freiheit" über den Tod des "Freiheitskämpfers" Oberleiter. "Danke Heinrich für alles, was du für unsere Heimat getan hast", hieß es in einer Aussendung. Als Jugendlicher habe Oberleiter die "täglichen Demütigungen durch Italien" erlebt. Der Staat habe auch nach dem Ende des Faschismus das Ziel verfolgt, "aus den Süd-Tirolern Italiener zu machen und das Land zu majorisieren." Nachdem Jahre des Verhandelns keine Lösung brachten, habe sich Oberleiter zum "Freiheitskampf" entschlossen, blickte die Oppositionspartei zurück. Haft und Folter sei der Verstorbene durch Flucht entgangen.