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HTL FerlachLehrer hält an Unterlassungsklage gegen Schüler fest

Gespräch vor der Matura an der HTL Ferlach beschäftigt das Gericht. Lehrer klagt Ex-Schüler auf Unterlassung. Eine Annäherung ist nicht in Sicht.

© KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Gleich zu Beginn versucht Bezirksrichter Johann Kogelnig die Beteiligten zur Räson zu bringen und regt einen Vergleich an. Auch während der Verhandlung hält er fest: „Mich wundert wirklich, dass ich damit befasst bin.“ Doch „der Karren ist schon so verfahren“, wie Kogelnig sagt. „Wenn es nicht anders geht, dann müssen wir das abhandeln.“ Also sitzen sie sich am Donnerstagvormittag im historisch sanierten Verhandlungssaal im K&K-Stil am Bezirksgericht Ferlach gegenüber.

Auf der einen Seite der Kläger: Ein Lehrer an der HTL Ferlach. Auf der anderen Seite der Beklagte: Einer seiner ehemaligen Schüler, mittlerweile Präsenzdiener. Der Lehrer klagt seinen früheren Schützling auf Unterlassung und Widerruf. Es geht um ein Gespräch, das am Tag der mündlichen Matura an der HTL Ferlach im Juni 2018 zwischen den beiden stattfand. Über den Inhalt dieser Unterhaltung sind sie sich uneinig.

Mich wundert, dass ich überhaupt mit diesem Fall beschäftigt bin. Es wäre gut gewesen, das anders zu lösen.

Johann Kogelnig, Bezirksrichter

20 Minuten vor der Prüfung habe der Lehrer mit ihm reden wolle, erzählt der Beklagte. „Wir sind zum WC gegangen, er hat zu Urinieren begonnen und nebenbei gesagt, dass er nicht weiß, ob er mich prüfen kann, weil er einen Zwist mit der Direktorin hat. Er meinte, ich soll seinen Fragepool nicht wählen.“ Er sei nervös geworden, bekam aber andere Fragen und schaffte die Matura.

Bei der Feier wenige Stunden später erzählte er Mitschülern von dem Vorfall, was auch die anwesende Direktorin Silke Bergmoser mitbekam. Sie bat den Schüler um eine schriftliche Stellungnahme und konfrontierte einige Tage danach den Lehrer ebenfalls in schriftlicher Form mit den Vorwürfen. Später schaltete sie den Landesschulrat ein, weil sie der Lehrer in weiterer Folge der „Diskreditierung“ beschuldigte.

Lehrer erzählt andere Version

Der Lehrer, der von „gesundheitlichen Problemen“ wegen dieser Causa spricht, hat das Treffen mit dem Schüler anders in Erinnerung. „Es gab schon vorher ein Gespräch mit ihm. Ich wollte danach noch einmal festhalten, dass es bei mir keine Stoffeinschränkungen, wie bei manchen Kollegen, gibt“, betont der Lehrer. Den Konflikt mit der Direktorin gab es laut ihm, weil er an jenem Tag Jeans getragen habe. Er sei deshalb heimgefahren, um sich umzuziehen. „Und da sind Sie mit Frack und Zylinder zurückgekommen?“, fragt der Richter. Lachen bei den (Ex)-Schülern, die im Gerichtssaal zuhören.

Dienstrechtliche Konsequenzen hatte das alles bis dato nicht. „Mein Mandant wollte anfangs nur, dass der Schüler das Schreiben zurückzieht. Er hätte auch die Kosten übernommen“, betont der Anwalt des Lehrers. In einem Anwaltsbrief, den der Schüler wenige Wochen nach der Matura erhielt, klang das freilich anders. Darin wurde er zu einem Widerruf und einer Zahlung von 700 Euro aufgefordert. „Von einer Aussprache kann da also keine Rede sein“, sagt der Anwalt des Schülers.

Danach kam es zu der Zivilklage. Ein Streitwert von 10.000 Euro steht im Raum. Eine außergerichtliche Einigung der beiden scheint trotz abschließender Appelle von Richter Kogelnig weiterhin nicht in Sicht. Ende Februar wird deshalb weiterverhandelt.

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