KärntenHakenkreuz auf Burgruine überstrahlt alle Verbotsgesetze

Schandmal auf Burgruine Hochkraig: P.E.N.-Club wartet nach Anzeige seit Monaten auf Reaktion der BH St. Veit.

Mahnmal für ein multiples moralisches Versagen: Hakenkreuz auf der Burgruine Hochkraig © Weichselbraun
 

Normalerweise gibt es bei Verstößen gegen das Verbotsgesetz kein Pardon. „Erst dieser Tage“, erinnert Günter Schmidauer, der Präsident des Kärntner P.E.N.-Club, „fasste ein Kärntner 20 Monate Haft aus, der seine Tätowierungen ins Netz stellte. Architektonische Tattoos hingegen werden von der Behörde ignoriert.“

Schmidauer spricht das seit 1934 auf der Bugruine Kraig prangende Hakenkreuz sowie die darunter aufgepinselte Parole „Heil Hitler“ an, die seit Jahrzehnten ins Land strahlen, als hätte es nie eine Ächtung der NS-Täter und Verbotsgesetze gegeben. Schmidauer kämpft seit langem gegen das Schandmal an, das 1934 kurz vor dem Juliputsch aufgebracht wurde. „Meine Wut richtet sich gegen die Täter sowie gegen jene, die ihren Ruf bewahren wollen und durch ihre Passivität politischen Untoten eine Rückkehr ermöglichen.“

Günter Schmidauer sieht es als Pflicht der Künstler, Stellung zu beziehen: „Es ist notwendig, einem merkbaren Rechtsruck in Österreich entgegenzusteuern.“

Im Namen des P.E.N.-Clubs hat er Stellung bezogen – mit einem, vom Klagenfurter Anwalt Bernhard Fink verfassten, Antrag auf Einleitung eines Verwaltungsstrafverfahrens gegen den Ruinenbesitzer, den Adeligen Peter Goëss. Zuständig: die Bezirkshauptmannschaft St. Veit. Das Hakenkreuz, seit Rodungsarbeiten 2011 besonders gut sichtbar, stelle durch die Darstellung bzw. das Nichtentfernen einen Verstoß gegen das Abzeichengesetz 1960 dar. Der Schriftzug „Heil Hitler“ wiederum komme dem Tatbestand des Paragraphen 3d des Verbotsgesetzes 1947 nahe.

Die Anzeige datiert vom 6. September 2017, eine Reaktion oder gar Entscheidung der Behörde liegt Anwalt Fink bislang nicht vor.

"Kein öffentliches Interesse"

Bezirkshauptfrau Claudia Egger-Grillitsch berief sich, erstmals am 26. Februar kontaktiert, auf die Amtsverschwiegenheit. Ein öffentliches Interesse an der Bekanntgabe von Daten aus einem Verwaltungsstrafverfahren sei zu verneinen. Eine neuerliche Anfrage am 10. April ließ sie von Strafrechtsleiter Siegfried Mock – erneut wegen Datenverschutzes – abschmettern. Dessen Zusatz „auch wenn im konkreten Fall ein öffentliches Interesse vorliegt“ lässt aber schmunzeln.

Burgherr Goëss, gleichzeitig mit der BH-Chefin kontaktiert, wusste nichts von einem Strafverfahren, das er auch als „vollkommen unsinnig“ sehen würde. Die Entfernung scheitere nach wie vor an den Kosten von 120.000 Euro aufwärts. Zudem wäre die Frage zu stellen, ob das historisch überhaupt die richtige Maßnahme wäre.

Kommentare (9)

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erfolg_reich
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Was kostet eine Sprengung?

Sprengen!

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felunt
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einfach abreißen!

der Abriß eines Einfamilienhauses kostet "nur" ca. 25.000Euro

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hespie
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Natürlich ist die "Rechts(Nazi)- Keule in Österreich

noch immer der beste Weg sich in Erinnerung zu rufen. Bei sachlicher Überlegung müsste einleuchten, dass diese Farbe die seit Jahrzehnten jeder Witterung standgehalten hat nur schwer zu entfernen ist. Die Kosten dem Besitzer aufzurechnen ist nicht ganz nachvollziehbar, zumal er ja sicher nicht der Auftragggeber dieser Schmiererei war. Man kann ja auch nicht dem Besitzer eines Wohnhauses auf dem eine Fliegerbombe gefunden wird alle Kosten zur Beseitigung aufzurechnen.

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koko03
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Kann mir bitte jemand sagen..

was da €120.000,-- kosten soll ???

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amse84ik
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@ koko03

Wissen Sie überhaupt wo dieses Objekt steht ??Zuerst informieren und dann etwas Gescheites schreiben wenn man die Zufahrt ect.kennt.Ich sehe direkt drauf und weiss wovon ich schreibe !!!

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earlofcarinthia
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Typisch österreichisch

Die Furchtbaren Zeiten der Geschichte einfach
ausradieren.
Ich sehe es eher als ein Mahnmal und Erinnerung
an die dunkle Vergangenheit.

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CuiBono
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@earlofcarinthia

Ich auch, na ja fast.

Also - ich halte das für eine Erinnerung an die dunkle Vergangenheit, an furchtbare Zeiten der Geschichte, die man nicht ausradieren kann, die aber kein Mahnmal dieser Art zur Erinnerung rechtfertigen.

Also weg damit.

Versuche die Farbe abzukratzen oder sonst wie zu entfernen sind mWn bereits vor längerem unternommen worden. Wie intensiv, seriös und professionell wurde nicht berichtet, auf jeden Fall offensichtlich erfolglos.

Wegsprengen wird auch nicht gehen, da wohl unter Denkmalschutz. Falls nicht - Bumm und Ende der Diskussion.

ICH kann mir nicht vorstellen, dass es nicht möglich ist, diese SAUEREI zu definitivem Verschwinden zu bringen.
Sofern man es wirklich will.

Und genau da liegt der Haken begraben!

Frau Bezirkshauptfrau Claudia Egger-Grillitsch und Eigentümer Herr Peter Goëss - werden Sie sich ENDLICH Ihrer Verantwortung bewusst.

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GordonKelz
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DIE AMTSVERSCHWIEGENHEIT....

....dient in erster Linie, die UNFÄHIGKEIT der Behörden zu Kaschieren !
Gordon Kelz

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calcit
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Plakativer Schwachsinn...

...mal sehen was sie sagen wenn ihre Finanzamtsbescheide, Strafregisterauszug, Verkehrsstrafen, etc... für alle öffentlich einsehbar sind...

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