Schönheits-OPs um 7000 EuroNeue Nase, Lippen und Kiefer für 20-Jährige

40.000 Schönheitsoperationen werden jedes Jahr durchgeführt. Die 20-jährige Kärntnerin Anna Maria Daniel hat mehrere Eingriffe hinter sich. Ihre Eltern unterstützen sie dabei.

Anna Maria Daniel hat sich bereits mehrfach unters Messer gelegt
Anna Maria Daniel hat sich bereits mehrfach unters Messer gelegt © KLZ/Traussnig
 

Wenn sich junge Frauen auf dem Weg zum Schönheitschirurgen machen, bringen sie meistens ein Foto mit. Darauf zu sehen ist einer jener Hollywood-Stars, die ein – zumindest laut Schönheitsideal – perfektes Gesicht und den perfekten Körper ihr Eigen nennen. „Das wird beeinflusst von Medien und Trends. Ein Chirurg muss sich im Klaren sein, ob diese Wünsche sinnvoll sind oder nicht“, sagt Matthias Rab, Abteilungsvorstand für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie am Klinikum.

Ihr eigener Schönheitschirurg dürfte bei Anna Maria Daniel einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Mit 14 Jahren war sie das erste Mal bei ihm zu Besuch. Damals noch als Begleitung von Mama Margot. Nur zwei Jahre später war sie das erste Mal Patientin dort.

Was mit dem Entfernen von Besenreisern (sichtbare Venen in der Oberhaut) begann, hat erst vor wenigen Wochen mit dem Aufspritzen der Lippen – vorerst – geendet. Dazwischen lagen ein Kieferbruch im Zuge einer Zahnkorrektur für ein rundlicheres Gesicht, die Entfernung der Schweißdrüsen in den Achseln und eine neue Nase. Sie geht damit offen um und teilt Erfahrungen und Bilder auf Facebook. Jährlich werden in Österreich rund 40.000 Schönheitsoperationen durchgeführt.

Anna Maria mit Mutter Margot und Schwester Sarah
Anna Maria mit Mutter Margot und Schwester Sarah Foto © KLZ/Traussnig

Insgesamt sind rund 7000 Euro in den Körper der 20-Jährigen geflossen. „Ich bin damit aufgewachsen und habe mich immer schon dafür interessiert. Meine Mama hat auch immer wieder was machen lassen“, sagt Daniel. Die Besuche beim Schönheitschirurgen gleichen einem kleinen „Familienausflug“. Nicht selten ist die 17-jährige Schwester Sarah mit dabei. Wenn ein Rest von Hyaluronsäure in der Spritze übrig bleibt, wird es familiär aufgeteilt. „Wir haben zum Arzt ein sehr gutes Verhältnis und vertrauen ihm“, sagt Daniel. Schwester Sarah habe bereits ihre ersten Wünsche angemeldet und wartet schon auf die nötige Volljährigkeit für die größeren Eingriffe. 

Papa Adolf könne den Enthusiasmus von Frau und Töchtern in dieser Form zwar nicht ganz teilen, er stehe aber hinter dem „Hobby“ seiner Familie und unterstützt es natürlich auch finanziell. „Er bremst uns aber manchmal ein und achtet darauf, dass wir nicht übertreiben“, erzählt Daniel.

Die junge Kärntnerin maturiert heuer und arbeitet als freiwillige Helferin beim Roten Kreuz. Später möchte sie Medizin studieren und in der Forschung tätig werden. Ihre Freunde und Mitschüler würden positiv auf die Veränderungen reagieren. Selbst in den sozialen Netzwerken blieb der erwartbare Sturm der Entrüstung bisher aus. „Das hat mich selber überrascht. Zwischendurch ist eine blöde Meldung dabei. Das war’s dann aber auch“, sagt Daniel, die – wie man meinen könnte – unglücklich mit ihrem Körper war und ist. „Nein. Das kann man so nicht sagen. Unzufrieden mit meinem Aussehen war ich nie“, sagt Daniel. Mittlerweile sei ihr von ärztlicher Seite eine „Pause“ von drei Jahren angeraten worden. „Das halte ich sicher durch. Das Hyaluron haltet ja auch eine Zeit lang“, sagt die Schülerin.

Doch was kommt danach? Konkrete Pläne gebe es keine. Vielleicht Falten reduzieren im Alter. Das Wichtigste: „Es muss natürlich bleiben. Das sagt auch meine Mama immer.“

"Menschen werden von Trends beeinflusst"

Vor allem junge Menschen würden schnell in einen Sog von nicht mehr machbaren Veränderungen geraten, den man als Facharzt unterbinden müsse und nicht fördern dürfe. „Oft wird das gewünschte Resultat nach mehrfachen Eingriffen nicht besser, sondern schlechter“, weiß Rab. Dem zugrunde kann eine Dysmorphophobie – eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers – liegen.

Nicht ausschließen kann Rab, dass Patienten, die von ihm abgewiesen wurden, einen anderen Chirurgen suchen und auch finden. „Das ist eine Frage der fachlichen Kompetenz und des Berufsethos.“ Man könne nicht verheimlichen, dass bei vielen die wirtschaftlichen und nicht die medizinischen Gründe den Ausschlag geben.

Konfrontiert sind plastische Chirurgen auch weiterhin mit dem Paradoxon des Wunsches nach Natürlichkeit. „Wenn eine schlanke Frau Körbchengröße D will, dann muss ihr auch klar sein, dass das nicht mehr natürlich, sondern gemacht aussieht“, sagt Rab.

Hintergrund

Gesetz. Ästhetische Behandlungen und Operationen sind laut dem Ästhetischen Operationsgesetz bis zum Erreichen des 16 Lebensjahres in Österreich nicht zulässig. Ab 16 Jahren sind solche Eingriffe im Beisein der Eltern und unter Zuziehen eines Psychologen oder Psychiaters erlaubt.

Nachfrage. Laut Statistik gibt es in Österreich rund 40.000 Schönheitsoperationen im Jahr. Am beliebtesten sind Brustvergrößerungen, Botoxbehandlungen und Fettabsaugungen.

Kommentare (2)

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AWVGB
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30
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Eher ein Fall für den Psychologen!

Dieser Wahnsinn muss ein Ende haben. Diese Mädels wissen anscheinend wirklich nicht, dass diese OPs mehr verändern, als sie glauben - aber psychisch.
Sind ja nette Mädels - wozu also dieser Wahnsinn????

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KarlZoech
1
31
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Mir tun Menschen leid, deren Selbstwertgefühl so unterentwickelt ist,

sodass sie sich nur über ihre Äußerlichkeit definieren.
Und wenn ich mir das Bild ganz oben ansehe, so kann ich mir gut vorstellen, dass die junge Dame vor diesen zig Eingriffen hübscher aussah.

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