KärntenKritik lässt Benger kalt: Landesrat veranstaltet "Bewegungsjagd"

"Bewegungsjagden" sorgen derzeit für heftige Diskussionen - sogar unter Jägern. Am Wochenende werden 75 Jäger in Griffen gegen die Überpopulation von Rehwild vorgehen. Landesrat Benger lädt als Jagdausübungsberechtigter dazu ein.

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Sujetfoto © APA/EPA
 

16 Stück Geweihträger, sechs Stück Kahlwild und vier Stück Rehwild - Bilder und Videos, die die Bilanz einer "Bewegungsjagd" (das ist ein Sammelbegriff für Treib-, Drück- oder Stöberjagd) in Oberkärnten zeigen, haben eine Debatte rund um Jagdethik entfacht. Sogar viele Jäger kritisieren diese - legale - Methode, bei der neben dutzenden Teilnehmern auch Hunde zum Einsatz kommen. Die Befürworter verweisen hingegen auf wissenschaftliche Studien, wonach eine "Bewegungsjagd" für Wild "am stressfreiesten" sei.

Der Debatte zum Trotz lädt Landesrat Christian Benger (ÖVP) am  Wochenende in Griffen zu einer "Bewegungsjagd" mit 75 Teilnehmern. "Mit der Bewegungsjagd kommt man der von der Behörde geforderten Erfüllung der Abschusspläne nach", heißt es aus dem Büro Benger. "Nur so viel, wie der Abschussplan vorsieht, darf entnommen werden."

Wildbestand reguliert

Der Wildbestand werde reguliert, damit man einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung nachkommen kann und Schäden wie Verbiss in Jungkulturen minimiert werden. "Bei dieser Bewegungsjagd ist Rehwild wegen Überpopulation und Wildschwein freigegeben. Für Wildschweine gibt es keinen Abschussplan, sie sind aber bekannt für die großen Schäden, die sie anrichten."

Drei Stunden lang wird am Samstag gejagt. Für diese Zeit besteht ein Betretungsverbot im Jagdgebiet: "Das ist aus Sicherheitsgründen von der Behörde so vorgegeben."

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Landbomeranze
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Der Unterschied zur Bundesforstetreibjagd ist,

dass sich Benger an den Abschussplan hält und damit an den wildökologischen Raumplan für Kärnten, der auch auf die notwendige Sozialstruktur (Alterverteilung, Geschlechterverteilng usw.) von Wildpopulationen Rücksicht nimmt. Die Bundesforste dagegen haben gegen jegliche Vorgaben des wildökologischen Raumplanes, jegliche Abschussrichtlinien und auch gegen das Leitbild der Kärntner Jägerschaft verstoßen. Tragatschnig und sein Team sind ein Fall für den Ehrensenat der Kärntner Jägerschaft.

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CuiBono
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Bewegungsjagd

- was für ein hübsches Wort.
Früher hiess das wohl TREIBJAGD und ich finde, das ist ehrlicher und passender.

Außerdem:
"Die Befürworter verweisen hingegen auf wissenschaftliche Studien, wonach eine Bewegungsjagd für Wild "am stressfreiesten" sei."
Seltsame Wissenschaft, dass die Hetzerei für's Wild "am stressfreiesten" sei.
ICH glaub das nicht, weil stressfrei wäre wohl ein plötzlicher und guter Schuss aus dem Hinterh- äh, Ansitz/Hochsitz.

Stressfrei sind die Treibjagden übrigens auch nicht für die daran beteiligten Menschen, wo es doch immer wieder zu Unfällen kommt. So mancher Hund, Treiber, Jagdkollege oder auch nicht direkt Beteiligter kann darüber ein Lied singen. Sofern er es überlebt hat.

Die Jagd ist ja dem Vernehmen nach ein erhaltenswertes Kulturgut. ICH zweifle sehr daran wenn ich mir anschaue, wie sie heute von Gelegenheits-/Freizeit-/SPORTjägern ausgeübt wird.
Es geht - wie so oft - ums Geschäft für ein paar wenige und die vermeintliche Befriedigung teilweiser nur schussgeiler "Sportler".

Wenn wir schon die Jagd in akzeptierbarer Form entsprechend den aktuellen und sich zukünftig weiter ändernden Bedingungen erhalten wollen, sollte auf Fütterungen verzichtet werden und die Anzahl der Jäger auf Berufsjäger oder zumindest Nebenerwerbsjäger reduziert werden, deren Erfahrung (und damit Ruhe und Überlegtheit) eine halbwegs sichere Ausübung garantieren.

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Volnar
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Bewegungsjagd

Treibjagdten und Bewegungsjagdten sind unterschiedlich. Eine Bewegungsjagd ist jedenfalls stressfreier als ne Treibjagd. Wild wird bei einer Bewegungsjagd nicht gehetzt.

Fütterungen sind im neuen Jagdgesetz zwar vorgesehen, aber nicht um das Wild über den Winter zu bekommen, sondern um das Wild in bestimmten Höhenlagen zu halten und damit Schäden im Wirtschaftswald zu vermindern.

Die Idee, dass nur noch Berufsjäger oder Rancher jagen dürfen, funktioniert nur leider nicht, wie die Praxis beweist. In Genf gibt es keine privaten Jäger mehr, sondern nur noch Berufsjäger. Die Kosten sind extrem hoch und die Rancher kommen mit der Jagd kaum mehr nach, der Wildstand wächst. Und die Schäden in der Landwirtschaft steigen.

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