Nie und nimmer würden Banken Fremdwährungskredite zwangsweise umtauschen, versicherte man noch vor einigen Wochen. Doch nun liegt der Kleinen Zeitung ein Fall der Zwangskonvertierung in Kärnten vor. Ein Klagenfurter Unternehmer hat vor zwei Jahren einen Kredit in Schweizer Franken aufgenommen. Die Kreditsumme: umgerechnet sieben Millionen Euro. "Die ersten Monate lief es ganz gut im Franken, dann prognostizierte mir mein Bankberater Probleme beim Franken und empfahl mir mein Geld in einer anderen Währung zu parken", erzählt der Unternehmer.

"Desaster". In der Folge wechselte man in auf tschechische Kronen. "Das entwickelte sich aber zum Desaster. Binnen drei Monaten war der Vorteil aus dem Franken bereits aufgebraucht." Dann kam es wieder zu einem Gespräch mit dem Bankberater. "Ich wollte dann in den Yen wechseln. Über das Risiko war ich mir voll bewusst, aber ich war mir sicher, dass wir das über die Laufzeit des Kredites ausgleichen können." Immerhin läuft letzterer bis ins Jahr 2025.

Erzwungener Wechsel. Vorige Woche wurde der Unternehmer schließlich zu einem neuerlichen Termin bei seiner Bank gebeten. "Ein wild gewordener Banker erklärte mir da, dass ich in den Euro wechseln müsste." Gegen den Willen des Unternehmers wurde sein Kredit auf Euro zwangskonvertiert. "Während des Gesprächs stieg der Kurs von 113 auf 119 - alleine daran hätte der Bankbeamte merken müssen, dass man hier überschnell handelt", sagt der Unternehmer. "Hätte man mir eine Woche Zeit gegeben, hätte ich zusätzliche Absicherungen bringen können." Jetzt fürchtet der Unternehmer um sein Lebenswerk. der Schaden aus der Zwangskonvertierung: 3,4 Millionen Euro.

Stellungnahme der Bank. Für dessen Anwalt, Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer ist klar was hier geschah: "Durch das schlechte Rating der Banken werden die Fremdwährungen für sie immer teurer, deswegen wollen sie die Kunden in den Euro zwingen." Das Banken-Hilfspaket, das neue Fremdwährungskredite verhindern soll, würde in diesem Fall "von den Banken ausgenutzt" ärgert sich Böhmdorfer. Weder die Bank, die den Kärntner Unternehmer aus seinem Kredit drängte, noch deren Anwalt Alexander Klaus wollten zu diesem Fall Stellung nehmen. Selbst Anwalt Böhmdorfer wartet seit einer Woche auf eine Stellungnahme der Bank, "in der man dieses Vorgehen begründet."

Kein Einzelfall. Doch der Kärntner Unternehmer ist kein Einzelfall: Eben erst trat ein Steirer an die Öffentlichkeit der von seiner Bank nach eineinhalb Jahren Laufzeit aus seine Frankenkredit gedrängt wurde. Der Kursverlust: 71.100 Euro die nun der Kunde zu tragen hat. Dem Grazer Rechtsanwalt Georg Muhri liegen zudem fünf ähnliche Fälle mit einem Kreditvolumen von 1,5 Millionen Euro vor. Begründet werden dies Fälle mit einer "stop-loss-Order", wonach bei Überschreiten eines Limits automatisch eine Konvertierung in Euro erfolgt. AK-Konsumentenschützer Peter Kieswetter orten in diesen Fällen der Zwangskonvertierung sogar potentielle Schadenersatzfälle. "Wenn eine Bank ausgerechnet jetzt beim schlechten Wechselkurs den Kredit konvertiert, wird es sicher zu Schadenersatzforderungen kommen."