Deutscher Altkanzler empörtInklusive Currywurst: VW-Kantine wird fleischfrei

Der Automobilhersteller Volkswagen will nachhaltiger werden, daher streicht der Konzern alle Fleischgerichte vom Speiseplan in der Kantine. Im Zuge dessen muss auch die Currywurst dran glauben, Altkanzler Schröder zeigt sich empört.

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Currywürste von Volkswagen
Currywürste von Volkswagen © (c) APA/dpa/Julian Stratenschulte (Julian Stratenschulte)
 

Wieder Aufregung um den Automobilhersteller Volkswagen. Nach Manipulation, Untreue oder Uiguren im VW-Werk in China wird nun die Currywurst zum Politikum. Denn: Volkswagen will nachhaltiger werden und stellt nach und nach die Werkskantinen auf vegetarische Küche um.

"Currywurst mit Pommes ist einer der Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion. Das soll so bleiben", wettert Deutschlands Altkanzler Gerhard Schröder auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn. Eigentlich dient die Plattform für Karriere-Zwecke, beispielsweise zum Pflegen und Knüpfen von Geschäftskontakten. Der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland in der Zeit von 1998 bis 2005 nutzt seine Reichweite anderweitig und bekennt sich als eingefleischter Currywurst-Liebhaber. In einem längeren Post stellt er die Entscheidung der Konzernführung der Volkswagen AG in Frage und schreibt gleichzeitig ein brennendes Plädoyer für das traditionell-deutsche Gericht.

Vorangegangen war eine Meldung des Volkswagen-Konzerns, in der man mitteilte, alle Fleischgerichte vom Menüplan in einer Kantine im Wolfsburger Markenhochhaus zu streichen. Nach der Kantine in Hannover ist somit eine weitere von der Maßnahme 'betroffen'. Mit allen anderen Fleischgerichten verschwindet damit auch der Kantinen-Klassiker Currywurst. Dabei lag die Currywurst-Produktion schon des Öfteren über dem Absatz der Kernmarke. Ein No-Go für Schröder: "Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben." Vegetarische Ernährung sei zwar gut, er selbst mache das phasenweise auch. "Aber grundsätzlich keine Currywurst? Nein!"

SCHROEDER
Schon während seiner Amtszeit eines der Leibgerichte Schröders: Die Wurst. Foto © (c) EPA (Oliver Berg)

Und tatsächlich lieben die Deutschen die Brühwürste mit Tomatensauce und Currypulver: 28 Jahre lang war die Currywurst das beliebteste Essen der Deutschen am Arbeitsplatz. Erst dieses Jahr konnte die Spaghetti Bolognese ihr den Rang ablaufen - vielleicht auch bedingt durch Corona und Homeoffice. Neben Schröder gäbe es also eine Vielzahl weiterer Fans, die wohl nur ungern auf die Currywurst verzichten: "Ob die Beschäftigten bei VW das wirklich wollen?" Er selbst wolle jedenfalls nicht darauf verzichten - obwohl er 1999 schon einmal von seiner Frau Doris zu einer Wurstdiät gezwungen wurde - und schließt seinen Post mit dem Hashtag #rettetdieCurrywurst.

Espresso: Kontroverse um die Volkswurst

Es geht um die Wurst. Vor allem beim dahinsiechenden Klima – im engeren Sinne aber auch bei Volkswagen: In einer der Werkskantinen des großen Wolfsburger Autobauers soll die berühmte VW-Currywurst abgeschafft werden. Man wolle weg von der kulinarischen Absonderlichkeit – eine in einer Lache aus Ketchup und Currypulver watende Brühwurst (mit oder ohne Darm) – und vegetarisch(er) werden. Viele Arbeitnehmer sind empört, andere erfreut. Auch Altkanzler und Lobbyist Gerhard Schröder grätscht rein: Er ist ob des Endes dieses "Kraftriegels der Facharbeiter", vulgo Volkswurst, empört. Mit ihm im Aufsichtsrat hätte es das nicht gegeben. Mit "#rettetdie Currywurst" möge man Solidarität zeigen. Ernährungspsychologe Christoph Klotter hält im "Welt"-Interview dagegen: "Es gibt einen Trend zum qualitätsbewussten Essen. VW muss an die Zukunft denken, die Verdammung der Currywurst passt perfekt zum E-Auto. Die Currywurst steht für den alten weißen Mann." Man wird sehen. Alles hat ja sein Ende – nur die Wurst hat zwei.

Thomas Golser

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