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Klimaabkommen von ParisDie Emissionen sind auf Rekordniveau gestiegen

Fünf Jahre nach dem historischen Klimavertrag von Paris ist die Welt noch weit davon entfernt, den damaligen Versprechungen Rechnung zu tragen. Doch es gibt Signale der Hoffnung.

Industrieschlot mit Abgasen
Die CO2-Emissionen stiegen zuletzt weiter an © Gina Sanders - Fotolia
 

Es mangelte an diesem Samstagnachmittag nicht an Pathos. Von einer „Jahrhundertchance“ sprachen Konferenzteilnehmer und von neuer Hoffnung, die Paris der Welt gebe. Eben hatten sich am Rande der französischen Hauptstadt die Vertreter von 195 Staaten einstimmig auf jenes 25-Seiten-Papier geeinigt, dessen 29 Artikel als Klimaabkommen von Paris berühmt werden sollten. Minutenlanger Applaus brandete im Sitzungssaal auf, nachdem der damalige französische Außenminister Laurent Fabius nach nächtelangen Detailverhandlungen die Einstimmigkeit festgestellt und den Hammer auf den Konferenztisch hatte niedersausen lassen. Fixiert war damit der erste große Erfolg nach Jahren voller UN-Klimakonferenzen am Rande des Scheiterns. Es sollte für Jahre auch der einzige bleiben.

Fünf Jahre später ist an die Stelle der Euphorie Ernüchterung getreten. Zwar haben inzwischen fast alle Staaten das damals beschlossene Abkommen ratifiziert und stehen damit formal in der Pflicht, Beiträge zu leisten, um die Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad Celsius“ zu beschränken. Doch eben an diesen Beiträgen spießt es sich. In den meisten Staaten fehlt es nach wie vor an politischer Bereitschaft, die nationalen Klimaziele mit ausreichend Maßnahmen zu unterfüttern. Und selbst wenn das geschehen würde, genügen die bisher eingereichten CO2-Reduktionspläne nicht, die Zwei-Grad-Vorgabe zu erreichen. Aus diesem Grund hätten die Staaten beim heurigen 26. Klimagipfel in Glasgow noch einmal ordentlich nachlegen sollen, bevor das Abkommen mit 1. Jänner 2021 wie geplant offiziell wirksam wird. Corona machte diesem Plan einen Strich durch die Rechnung, die Konferenz wurde auf das nächste Jahr vertagt. Als unmittelbarer Ersatz findet heute nur ein symbolisches Online-Treffen statt.

Das Klimaabkommen

Auf Basis der Klimarahmenkonvention, die beim UN-Gipfel von Rio de Janeiro 1992 verabschiedet wurde, hält die UNO seit 1995 jedes Jahr eine Weltklimakonferenz ab. Berühmt wurde etwa die 3. Konferenz in Kyoto 1997, in der sich die Industriestaaten erstmals zu CO2-Einsparungen verpflichteten. 2015 fand in Paris die 21. Klimakonferenz statt. Beschlossen wurde dort unter anderem, dass die globale Temperaturzunahme auf deutlich weniger als zwei Grad im Vergleich zu vorindustriellem Niveau eingebremst werden soll und dass Anstrengungen unternommen werden, die Erwärmung sogar auf unter 1,5 Grad zu halten.

Auch von wissenschaftlicher Seite gibt es wenig erbauliche Nachrichten. Bisher sind die weltweiten Treibhausgasemissionen von Jahr zu Jahr weiter gestiegen, statt zu sinken. Im Vorjahr erreichte der globale Ausstoß laut UN-Umweltprogramm 59,1 Milliarden Tonnen an CO2-Äquivalenten. Ein neuer Rekordwert, der auch auf die zahlreichen Waldbrände 2019 zurückgehen dürfte. Rechnet man nur die reinen CO2-Emissionen aus der Öl-, Kohle- und Gasverbrennung ein, hält die Welt bei einem jährlichen Ausstoß von 37 Milliarden Tonnen – ebenfalls neuer Höchststand (siehe auch Grafik unten). Eine Konsequenz daraus: Die Jahre zwischen 2015 und 2020 waren die sechs heißesten, die jemals gemessen wurden.

Grafik: Weltweite CO2-Emissionen Foto © Günter Pichler

Doch es gibt auch Lichtblicke, und diese wurden zuletzt zahlreicher. Der Ausbau erneuerbarer Energiesysteme wächst weltweit immer schneller, weshalb Forscher bereits ein Abflachen der Emissionskurve beobachtet haben. Mit der bevorstehenden Rückkehr der USA ins Pariser Abkommen und den Plänen des künftigen Präsidenten Joe Biden, sein Land bis 2050 klimaneutral zu machen, kehrt auch die Bewegung in die internationalen Verhandlungen zurück. Etliche weitere Staaten taten heuer kund, ihren Klimakurs zu verschärfen. China kündigte im September an, bis 2060 CO2-neutral sein zu wollen, noch vor dem Jahr 2030 sollen die Emissionen zu sinken beginnen. Großbritannien zog vergangene Woche nach und will nun bis 2030 um 68 Prozent weniger Emissionen als 1990 verursachen. Russland und Norwegen haben ihre 2030-Ziele heuer auf minus 70 Prozent erhöht. Die Skandinavier haben zudem angekündigt, ihre Gas- und Ölförderung bis 2050 einzustellen. Und gestern verschärfte auch die EU per Ratsbeschluss ihr 2030-Ziel von minus 40 auf minus 55 Prozent.

Zukunftsfrage für die Zivilisation

Was nach einem fröhlichen Klimabasar klingt, hat einen handfesten Hintergrund. In den Staaten wächst die Sorge, ohne ambitionierte politische Ziele beim erforderlichen Umbau den Anschluss zu verlieren. „Auch in der Finanzwirtschaft steigt der Druck, aus Investitionen in fossile Energieträger auszusteigen“, konstatiert die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. Dabei gehe es nicht nur um den Wirtschaftsstandort. „Es geht schlicht um die Frage, wie es mit uns als Zivilisation weitergehen soll.“


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Kommentare (10)
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schadstoffarm
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Es ist zu hoffen

Dass nicht das Klima kippt sondern durch reduktion der Investitionen in fossile der Verbrauch kippt.

future4you
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@ „Aussackeln“

Es zeigt wieder einmal sehr deutlich, in welch engen Kasterln so manches Denken steckengeblieben ist. Umweltschutz ist keine Parteisache, sondern ein elementares Bedürfnis, zu dem alle Menschen beizutragen haben.
Und wenn der Mensch glaubt, so weitermachen zu können, so wird das Leiden der Menschheit ins Unermessliche steigen, denn wenn die Natur einmal zurückzuschlagen beginnen wird, kann dagegen nicht mehr „geimpft“ werden.

scionescio
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Die Grafik zeigt es sehr deutlich: ohne das China und die USA anfangen gewaltig einzusparen, wird das nichts werden ...

... aber anstatt dass unsere Politiker da Druck aufbauen, sackeln sie lieber die eigene Bevölkerung aus, weil das viel einfacher ist - auch wenn es dem Klima kaum was bringt!

schadstoffarm
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Sag deinem antitesla tschüss

Der prokopf Verbrauch in China ist gering, ich hab dort schon einige Winter gefroren. Als Werkbank der Welt müssten deren Emissionen teilw. Uns zugerechnet werden.

huckg
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Ich mach mir meine Welt, so wie sie mir gefällt ...

Wenn ich für mich entschieden habe, dass mir die nächsten Generationen nicht so wichtig sind und ich meine Komfortzone deswegen nicht verlassen will ist das zwar recht egoistisch aber verständlich.
Der einfachste Weg sein eigenes Gewissen zu beruhigen ist die Fakten einfach zurechtzubiegen. Eine beliebte Möglichkeit ist den eigenen Anteil an der globalen Umweltverschmutzung auf z.b. Österreich oder Europa hochzurechnen und plötzlich ist China oder Afrika der große Verschmutzter. Auch wenn ich persönlich 3- 5 Mal soviel CO2 verursache wie der Weltdurchnittsbürger. Aber Hauptsache das Gewissen ist beruhigt ...

huckg
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"Es geht schlicht um die Frage,wie es mit uns als Zivilisation weitergehen soll"

Vordergründig geht es wohl um die Frage: "Reicht der Verstand von uns Menschen überhaupt aus diesen Satz zu verstehen?"
Den erst dann kann jeder für sich selbst entscheiden ob er sein umweltschädliches Verhalten ändern will oder nicht.
Ohne diese Verständnis wird es nicht gehen.
Wenn ich mir unsere Politiker (einschließlich der aktuellen Bundesregierung) so ansehe, fehlt auch hier das Verständnis zu handeln.
Die Frage stellt sich nicht, ob es sich "rechnet". Die Rechnung wird von der Natur ausgestellt und ist von unseren Kindern und Enkel zu bezahlen.

LaPantera69
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Leonore rettet die Welt

Gott sei Dank haben wir Leonore Gewessler, die Dank ihres unermüdlichen Einsatzes den Bürgern das Geld aus den Taschen zu ziehen, die Welt vor ihren Untergang bewahrt.

schadstoffarm
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Iss dein geld

Bevor wertlos wird.

LaPantera69
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.

Ich habe mir nix vorzuwerfen. Ich nutzte meine Jahreskarte, als ich in Graz lebte, Ich fuhr regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit. Und ich denke ich gehe auch sorgsam mit den Ressourcen um, zumal ich nicht alle 12 Monate das neueste Smartphone kaufe, heize nicht mit fossilen Brennstoffen, etc. Ich kann mir auch nicht vostellen, dass die paar hundert Euro NOVA die Welt retten werden.

Über das Thema BEV wurde auch schon alles gesagt. Es ist wie seinerzeit bei der Atomkraft, die das Heilmittel zur Energiegewinnung darstellte, und keiner an die Entsorgung des Atommülls gedacht hat. Jetzt stürzen sich alle wie die Lemminge auf die BEVs - in einigen Jahren, kommt das große Erwachen. Außerdem von wo soll der Strom kommen? Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke sind tabu, gegen Wasserkraftwerke wird protestiert. Die Landschaft wird mit Windrädern und PV-Anlagen nachhaltig zubetoniert,

Es gehört am Verhalten der Menschheit etwas geändert und diese Änderung kann auch durch höhere und neue Steuern nicht erzwungen werden...

100Hallo
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Wahrheit

und Sie sind auf der Straße und in Öffis gefahren die andere bezahlt haben.