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Wiener ClubkulturDie Party ist vorbei – zumindest wenn es nach der Regierung geht

Zuletzt gingen viele der neuen Corona-Fälle auf private Feiern und Clubbings zurück, damit soll ab Montag Schluss sein. Szene-Kenner befürchten eine Verschiebung ins Private

© Unsplash
 

Gestern verkündete die Regierung erneut verschärfte Corona-Regeln, diesmal für die Gastronomie und geschlossene Veranstaltungen. Zuletzt gingen viele der neuen Fälle auf private Feiern und Clubbings zurück. Damit soll ab Montag Schluss sein. Die Party ist nach einem kurzen, sommerlichen Aufatmen vorbei, zumindest die offizielle.

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Outdoor-Partyszene entwickelte sich

Es ist ein Samstagnachmittag im Sommer. Ein Bekannter eines Wiener DJ-Labels schickt per SMS die Koordinaten zu einer Auflegerei auf der Donauinsel. Nichts illegales, die Veranstaltung sei angemeldet. Eine öffentliche Facebook-Veranstaltung wie sonst gibt es aber trotzdem nicht, „damit nicht zu viele Leute Bescheid wissen“. Vor Ort tanzen rund 200 Leute in einer abgesenkten Wiese, ein Teil relaxt im Gras. Vom DJ-Pult schallt Techno über den Graben. Es gibt eine improvisierte Bar, dafür keine Babyelefanten und kaum Masken.

Wer glaubt, dass man in Wien diesen Sommer nicht feiern gehen konnte, irrt. Da waren der vieldiskutierte Donaukanal, aber auch der Karlsplatz, die Donauinsel, der Prater und die Brücken-Raves am Stadtrand. Eine regelrechte Outdoor-Partyszene entwickelte sich. Auf öffentlichen Plätzen wurde nach der Sperrstunde weitergefeiert.

Vorschriften mit Privatpartys umgangen

Die meisten Clubs und Veranstalter hielten sich zwar an die gesetzlichen Vorschriften, parallel zu Outdoor-Partys etablierte sich zuletzt aber auch eine risikoreichere Indoor-Partyszene.

Veranstalter organisierten in Clubs private Partys mit „geschlossener Gesellschaft“ von bis zu 200 Personen und umgingen damit die gesetzlichen Regelungen und auch die Sperrstunde um 1 Uhr. So geschehen etwa bei einer Privatparty mit mehreren hundert „Vereinsmitgliedern“ in einer Villa in Döbling oder im Club X von Szenewirt Martin Ho. Rechtlich bewegten sich diese Veranstaltungen bisher in einem Graubereich und waren zuletzt Mitgrund für die steigenden Infektionszahlen.

Party-Schluss durch neue Maßnahmen

Damit soll jetzt Schluss sein. Um einen zweiten Lockdown zu vermeiden, gelten ab Montag strengere Regeln in der Gastronomie und bei privaten Veranstaltungen. So gilt für Lokalbesucherinnen und -besucher abseits des Tisches Maskenpflicht. Auch Speisen und Getränke dürfen nur mehr am Tisch konsumiert werden. Weiters sind bei privaten Indoor-Veranstaltungen und Feiern nur mehr zehn Personen zulässig und die Sperrstunde wird auch bei geschlossenen Veranstaltungen in privat angemieteten Lokalitäten auf 1 Uhr festgelegt. Das gilt auch für Hochzeiten, für Begräbnisse aber nicht. Lediglich private Wohnungen sind von der Zehn-Personen-Regelung und zeitlich limitiertem Beisammensein ausgenommen. Eingriffe in diesem Bereich wären aus grundrechtlicher Sicht wohl auch nicht zulässig. Die genauen Maßnahmen finden Sie hier.

Verbot sinnlos: Szene-Kenner plädieren für "Saver Partying"

Geht es nach der Regierung, ist die Party damit vorbei. Immerhin wurde Clubbetreibern inzwischen ein 100-prozentiger Fixkosten-Zuschuss vom Bund zugesichert und auch die Stadt Wien macht 3 Millionen Euro zur Förderung der Clubkultur locker. Aber es geht hier nicht nur um finanzielle Existenzen. In der Szene ist man sich einig, dass ein Party-Verbot nur bedingt wirksam ist und Probleme schlicht weiter in den Untergrund, ins Private oder Illegale verschiebt. Oder nach Bratislava, auch ein beliebter Party-Hotspot derzeit. „Man kann das Feiern nicht verbieten“, sagt ein Szene-Kenner im Gespräch mit Wien.Memo. „Viele können das nicht verstehen, aber es geht hier um Stressabbau und soziales Wohlbefinden. Tanzen und feiern – das ist ein Ventil“, so der Insider. Es bräuchte ein nachhaltiges Konzept für „Saver Partying“, das der tatsächlichen Lebensrealität von jungen Menschen entspricht. Und das bald, bevor es zu kalt wird für den Donaukanal.

Kommentare (22)

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xandilus
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Durchgreifen erforderlich

Das Wort "Insider" scheint nicht unbedingt für "Vernunft" zu stehen. "Saver Partying" ist ein Widerspruch in sich und sollte gute Chancen auf ein Wort des Jahres bekommen.
Gutes Zureden hilft leider bei Jugendlichen, die Spaß haben wollen, nichts. Hat bei mir damals auch nichts geholfen, und ich hätte die ganze Sache vermutlich heute auch so gehandhabt. Nur damals gab es eben kein Coronavirus, da hat ein Kondom gereicht und gut war.
Auf was ich hinaus will: es helfen hier nur strikte Verbote und auch nur hartes Durchgreifen bei Nichtbefolgung der Maßnahmen. Das ist zwar sehr ärgerlich, aber "sie" werden es in einigen Jahren auch einsehen, daß es nicht anders hatte laufen können (so es so sein wird).

mejer
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Korona Infektionen in Wien.

Mir stellt sich die Frage, ob denn Wien überhaupt noch ohne Lockdown in der Lage sein wird die Korona Pandemie unter Kontrolle zu bringen? Ich glaube, dass dort die Politik, viel zu spät reagiert hat, um Maßnahmen zur Reduzierung der Infektionen in die Wege zu leiten.

Lodengrün
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Ich frage mich

wie und wo sich der Kreis um Edtstadler, Schallenberg,...angesteckt hat. Man wird doch keine Partys besucht, ja schlimmer noch, den NMS unter Umständen nicht getragen haben.

tomtitan
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Ja, ja - das Partyvolk kann es nicht lassen...

Aber für die Behandlung im Krankheitsfall dürfen wir dann alle aufkommen.

kog1
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Der Weihnachtsmann trägt heuer Maske,

aber das HoHoHo klingt bedrohlicher, als sonst...

stprei
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Haltbar

Schon beim ersten Lockdown hat man gesehen, dass man Parties etc. nicht aus dem Leben verbannen kann. Gerade in Wien war ja am Donaukanal wirklich viel los, auch in Graz in der Augartenbucht wurde gefeiert.

Es ist wohl zielführender, kleinere Veranstaltungen zuzulassen und auf die Wirte als Partner zu setzen, die sich Konzepte überlegen und alles tun, was möglich ist, als unkoordiniertes Freiluft-Partying zu fürdern, das nicht nachverfolgbar ist.

Die Unterscheidung zwischen Begräbnis und Hochzeit verstehe ich nicht, das klingt nach VfGH-Aufhebung.

flockse
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Genauso

Ist es auch jetzt. Den Zeitpunkt des Todes kann man sich nicht aussuchen.

fans61
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Die Neid-und Missgunst-Gesellschaft, befeuert von einer unfähigen Bundesregierung

schlägt sich immer mehr in den postings hier nieder.
Glücklicherweise outen sich aber immer mehr Mitbürger, dass sie sich von dieser unfähigen ÖVP/GRÜNEN-Bundesregierung nicht mehr alles gefallen lassen - und das ist gut so.

einmischer
1
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fans61

Die Regierung bittet nicht zu feiern, Masken zu tragen, Abstand zu halten, um Eigenverantwortung….
Aber nachdem die Regierung anscheinen unfähig ist, eh keine Ahnung hat, die Grundrechte mit Füssen tritt, schmeiss ma am Weg zum afterwork clubbing die Maske samt Eigenverantwortung in den Donaukanal, in die Mur, Feistritz, Wörthersee,...…

Solche postings wie Deines sollten für eine verpflichtende Quarantäne reichen. Dann stünden wir besser da

Hausverstand
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Kurz-Freund wird verschont

Sein Spezi Martin Ho bleibt natürlich unbehelligt, dafür lässt Kurz die vielen anderen büssen, die sich am Regeln hielten.

DavidgegenGoliath
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Um hohe Fallzahlen zu lukrieren, hat man die Test nach oben getrieben,

das ist jetzt das Ergebnis davon.
Die Schuldigen sind nicht die Bürger, sondern die Politiker, die durch diese Teststrategie den Panikmodus aufrecht erhalten wollen!

blackpanther
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Grenzen zu Bratislava

gehören dann geschlossen und man muss bei der Rückkehr in Quarantäne - dann würde dieses Ausweichen nach Bratislava bald vergehen. Diese Intelligenzbestien verstehen nicht, dass sie den Ast auf dem sie sitzen, absägen und die Äste sprich Arbeitsplätze vieler ihrer Freunde oder Verwandte.

hfg
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Warum erst ab Montag

Ist eigentlich unverständlich

Bodensee
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ich gehe davon aus.....

......dass die Steuerzahler nicht wieder zur Kasse gebeten werden, um alle Clubs, Bars und Discos aber auch alle anderen Unternehmen in Östereich noch weiter am Leben zu erhalten. Das Virus ist eine Art von "höherer Gewalt" und man kann nicht ganz Österreich finanziell in Geiselhaft nehmen um all diese Betriebe weiter zu erhalten. Es wird zu einer "Auslese" kommen und das ist gut so. Die "Stärkeren" überleben und die "Schwächeren" müssen eben zusperren.

logon 1
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Für etwas schwächer Belichtete..

..,die sich nicht mit sich selbst beschäftigen können,ist Partygetümmel sehr wichtig.

DannyHanny
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Nimm Ihnen die Partys und die Handys weg

Und die Welt hört sich auf zu drehen!
Man kann es sicher nicht verallgemeinern, aber wenn man Abends durch Studentenviertel geht, hat man unweigerlich diesen Eindruck!

logon 1
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Blaise Pascal,Math. und Philosoph(1623-1662):

"Ich habe es oft gesagt: das ganze Unglück der Menschen kommt daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer bleiben können."

Übersetzung für Schwerfällige:
In der Einsamkeit ist der Mensch mit sich selbst konfrontiert,mit seiner Angst,seiner Unzulänglichkeit, seinen Schwächen.Dem sucht er zu entfliehen.

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Welchen Stress wollen diese Party-Tiger denn abbauen?

Weil die hundemüde am Montag zur Arbeit kommen und bis zum Freitag brauchen um sich von der Party am Wochenende zu erholen?

SoundofThunder
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🤔

Die Büroheinis sind in ihrem Bürojob nicht ausgelastet und müssen ihre überschüssigen Kräfte abbauen.Körperliche Arbeit - dann vergeht den meisten Burlis das Saufen!

flockse
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Jogging

bspw. tuts auch

flockse
6
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Party

Sicher schwer für manche nicht mehr feiern zu können. Grundbedürfnis ist es keines, sondern Zeichen des Wohlstandes bei fundierter Wirtschaftsbasis. Wenn diese fällt ist aus mit Partys. Die Leute fahren in die Schweiz zum Schifahren und Tirol wird leer sein. Genauso Wien, für ein paar Szenetrottel. Es geht hier um Millionen Nächtigungen, Gastronomie und Handel! Ca. 1/3 Österreichs. Indirekt auch um alle Systemerhalter und Handwerker. Mami und Papi werden bald kein Geld fürs Taschengeld oder Studiumsfinanzierung haben. Wer dennoch nach Bratislava fährt hat’s nicht kapiert und gehört bestraft!

flockse
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19
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Party

Sicher schwer für manche nicht mehr feiern zu können. Grundbedürfnis ist es keines, sondern Zeichen des Wohlstandes bei fundierter Wirtschaftsbasis. Wenn diese fällt ist aus mit Partys. Die Leute fahren in die Schweiz zum Schifahren und Tirol wird leer sein. Genauso Wien, für ein paar Szenetrottel. Es geht hier um Millionen Nächtigungen, Gastronomie und Handel! Ca. 1/3 Österreichs. Indirekt auch um alle Systemerhalter und Handwerker. Mami und Papi werden bald kein Geld fürs Taschengeld oder Studiumsfinanzierung haben. Wer dennoch nach Bratislava fährt hat’s nicht kapiert und gehört bestraft!