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Leiharbeitsfirma als AuslöserCorona-Infektionswelle in Wien: Heer muss bei der Post aushelfen

Die hohe Anzahl an Neuinfektionen ist bei der Post, im Flüchtlingsheim Erdberg und in einem Kindergarten aufgetreten.

++THEMENBILD ++ POST AG: WEIHNACHTSPOST PAKETZENTRUM
Bei der Post muss nun das Bundesheer eingesetzt werden © APA/HANS PUNZ
 

In Wien hat zuletzt immer wieder die relativ hohe Anzahl an täglichen Corona-Neuinfektionen für Aufsehen gesorgt. Wie sich nun herausstellt, dürfte das Gros der neuen Fälle zu einem großen Cluster gehören, der Verbindungen zwischen den Post-Verteilungszentren, dem Flüchtlingsheim Erdberg und einem derzeit geschlossenen Kindergarten aufweist. Dabei gibt es stets einen Konnex zu Leiharbeitsfirmen.

Am Samstag meldeten "Krone" und "oe24.at", dass die zuletzt entdeckten vielen Fälle von Corona-Infektionen im Post-Logistikzentrum Hagenbrunn sowie im Verteilerzentrum Inzersdorf in Wien-Liesing auf Arbeitskräfte von Leiharbeitsfirmen zurückgehen. Die Leiharbeitsfirma soll Asylberechtigte aus einem Flüchtlingswohnheim in Wien-Erdberg vermittelt und in Bussen zur Arbeit gebracht haben, so die beiden Blätter.

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) bestätigte am Samstagnachmittag den Konnex. Erdberg sei aber höchstwahrscheinlich nicht der Ursprung der Infektionskette. "Dass wir dort als erstes fündig geworden sind, ist reiner Zufall. Wo der rote Faden beginnt, wissen wir nicht. Aber fast alle neuen Fälle in Wien hängen an diesem roten Faden und wir wollen ihn in seiner gesamten Länge erkennen und analysieren."

Sie sind bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt

Ein Sprecher Hackers erklärte die Chronologie der entdeckten Infektionen so: Nach positiven Testungen in Erdberg und der Evakuierung aller Bewohner in die Messe Wien Anfang Mai habe die Kontaktrückverfolgung (Contact Tracing) ergeben, dass fünf Bewohner in Post-Verteilerzentren arbeiten und in Kontakt mit ehemaligen Bewohnern sind, die ebenfalls dort beschäftigt sind. Also habe man gezielt bei den Post-Standorten durchgetestet und Fälle entdeckt. Ihre Gemeinsamkeit: Sie sind bei Leiharbeitsfirmen beschäftigt.

Hacker erklärte, die Stadt habe ihre Teststrategie so geändert, dass man sich gezielt größere Einrichtungen anschaue, anstatt zu warten, bis Betroffene selbst bei 1450 anrufen: "Die Konsequenz ist, dass man mehr sieht als wenn man nur wartet." Das Thema Leiharbeit sieht er in dem Zusammenhang als gröberes Problem: "Die Leute gehen nicht in den Krankenstand, weil sie dann kein Geld mehr bekommen. Sie melden sich nicht, wenn sie krank sind. Da ist es dann natürlich fatal, wenn sie gemeinsam im Firmenbus sitzen oder im Sozialraum." Man wolle sich das Thema Leiharbeit und prekäre Beschäftigung nun in Wien genauer anschauen bzw. durchtesten.

Im diesem Cluster liegt übrigens auch der derzeit wegen eines Corona-Falls geschlossene Kindergarten in Wien-Liesing. Die dort positiv getestete Mitarbeiterin ist mit einem der infizierten Leiharbeiter verheiratet, hieß es aus Hackers Büro.

Was die zwei größten Logistik- und Verteilzentren der Post in Ostösterreich betrifft, so seien diese "seit Freitag völlig lahmgelegt", hieß es auf "oe24.at". Es türmten sich "bereits 250.000 Pakete, die nicht mehr ausgeliefert werden können".

Markus Leitgeb, Sprecher der Post AG, bestätigte auf APA-Anfrage, dass die Post zur Deckung von Spitzen im Paketaufkommen "punktuell auch Leiharbeiter" einsetze. Grundsätzlich versuche man aber, den Bedarf möglichst mit eigenem Personal zu decken. Über den Background der eingesetzten Leiharbeiter könne er nichts sagen, weil er ihn nicht kenne. "Es gelten aber für alle die gleichen Sicherheitsregeln", auch in Sachen Corona, betonte er.

Das Heer tut alles

In Hagenbrunn traten Samstag um 18.00 Uhr 280 Bedienstete des Österreichischen Bundesheeres ihren Dienst im Rahmen der von der Österreichischen Post AG angeforderten Unterstützungsleistung an. Soldaten sowie Zivilbedienstete vom Kommando Streitkräftebasis aus Salzburg, Steiermark, Niederösterreich, Oberösterreich und Wien ersetzen für zwei Wochen die komplette Mannschaft der Post in der Logistikhalle, teilte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) mit. Unter Einhaltung höchster Sicherheitsmaßnahmen sollen sie u.a. Pakete sortieren und Lkw beladen.

Das Heer tut jedenfalls alles, um weitere Ansteckungen zuverhindern: Am Freitag hatte ein Erkundungsteam, bestehend aus ABC-Abwehr und Kommando Streitkräftebasis, mit einem Amtsarzt der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg die Lage beurteilt. Am Samstag rückte eine Kompanie des ABC-Abwehrzentrums aus Korneuburg zur Unterstützung bei der Desinfektion des rund 20.000 Quadratmeter großen Gebäudes an. Die ABC-Experten werden auch zwischen den Dienstschichten immer wieder alle Oberflächen mit Desinfektionsmittel putzen. Alle Soldaten und Bediensteten sind mit einem Mund-Nasen-Schutz ausgestattet. Pro Schicht sind rund 90 Soldaten und Bedienstete eingeteilt, die immer in den gleichen Diensträdern und Kleingruppen eingesetzt werden.

In Inzersdorf ist das Heer bisher nicht aktiv - was allerdings keineswegs eine Entscheidung der Stadt gewesen sei, betonte Stadtrat Hacker. "Der Generaldirektor der Post hat mir persönlich gesagt, dass er die Unterstützung des Bundesheeres nur in Niederösterreich braucht. Wenn das auch in Wien so sein sollte, werde ich dem mit Vergnügen nachkommen."


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (15)

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selbstdenker70
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..

Naja... Die anderen Zeitungen gehen bei diesem Skandal mehr ins Detail, und da dreht sich einem der Magen um...

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freeman666
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Die Post als andauernder Problemfall?

Mit was fällt die Post in den letzten Jahren auf?

Rigorose Preiserhöhungen bei allen Tarifen!
Datenskandal der Sonderklasse!
Leiharbeiterverträge die offenbar katastrophal sind!
Unverantwortliche Handeln in der COVID 19 Krise!

Da muss mal im Management der POST ordentlich aufgeräumt werden.

Die POST bringt allen was, in erster Linie Probleme und Leid!

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VH7F
8
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Die Post bringt allen was

Und wenn es Corona durch Billigarbeitskräfte ist? Was sagen da die Verantwortlichen und Eigentümer (z. B Staat) dazu? Warum müssen jetzt Soldaten aushelfen und nicht ein paar von den 100.000en Arbeitslosen?

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HerbertRinnhofer
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Leiharbeiter

Die Aussage, dass Leiharbeiter bei Krankheit nichts verdienen ist arbeitsrechtlicher Unsinn. Wenn das im konkreten Fall so ist, müssen sich die Behörden einmal diese Leiharbeitsfirma genauer ansehen.

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altbayer
0
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Post

Nein, der Geschäftsführer der Post trägt die Verantwortung - er muss gesetzlich die ordnungsgemässe Anmeldung der Leiharbeiter kontrollieren.

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stadtkater
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Stimmt leider doch:

Die Arbeitskräfte sind als Scheinselbständige tätig.

Skandalös, welchen Firmen die Post Aufträge erteilt. Immerhin ist die Post AG zu 52,9% im Staatsbesitz!

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hermannsteinacher
1
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Der eigentliche Skandal ist schon seit einiger Zeit in Österreich wirtschaftspolitisch zugelassene Sklavenarbeit

und deren Zunahme.

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sirasaulo
0
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Richtig

Und das seit über 20 Jahren. Eingeführt unter Rot.

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hfg
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Die Aussage es ist reiner Zufall

Das wir das gefunden haben. Wenn speziell in einer Großstadt keine technischen Hilfsmittel zwingend eingesetzt werden, werden immer wieder, so wie jetzt in Wien steigende Infektionszahlen das Eindämmen verhindern. Je mehr Maßnahmen zurück genommen werden, desto mehr Infektionen. Man stelle sich vor eine Veranstaltung mit 100 oder sogar 500 Personen und ein einziger infizierter Postler hätte diese besucht und unbewusst mehrer Personen angesteckt und diese wieder mehrere und schon wäre die Situation außer Kontrolle, wenn man die Kette nicht mehr zurück verfolgen kann. Dieses Problem wird uns jahrelang bedrohen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer zweiten Welle. Jetzt ist die Sache vermutlich noch kontrollierbar - aber Wien hat schon mehr als die Hälfte aller Infizierten von Österreich.

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55plus
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Die Frage ist was ist das Ziel der Regierung

"Null Infizierte" , 10 , 100 , 1000 ? Auch die derzeitige Corona Virus Art ist nächstes Jahr nicht mehr neu, und reiht sich wieder in die Lister der Erkältungsviren. Wissen sie wieviele Menschen in Österreich grade an anderen ansteckenden Viren dieser Art erkrankt sind ?
Wollen wir das ab sofort immer genau nachverfolgen ? Und uns immer vor einer uns bedrohenden Ansteckung mit diversen Krankheiten schützen ? Ist das die neue Normalität ?

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hfg
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Dem kann man leicht entgegnen

Der Unterschied zu einem grippalen Infekt unabhängig vom medizinischen Aspekt ist ganz einfach:
Corona ist weltweit
Corona produziert den totalen Stillstand in vielen Branchen weltweit.
Weltweit sind Millionen Existenzen bedroht oder bereits vernichtet.
Corona kostet 100 Billionen
Und den Unterschied merkt jede Person durch die Maßnahmen und die Einschränkungen der persönlichen Freiheit.
Wie gesagt über den medizinischen Aspekt kann man diskutieren und durchaus verschiedener Meinung sein, nur ändern tut das nichts.

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tubaman58
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Corona-APP

Mit einer vernünftigen Corona-APP könnte man dieses Problem deutlich entschärfen - und das ohne gesellschaftliche und soziale Einschränkungen erdulden zu müssen.

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hfg
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Wir leben in einer digitalisierten Welt

Ob wir das wollen oder nicht es ist so. Es muss um das Problem Corona kontrollieren zu können und Reisen, Veranstaltungen, Einschränkungen zurücknehmen, Grenzen öffnen usw. durchführen zu können - eine zumindest Europaweit einheitliche digitale Kontrolle entwickelt und vorgeschrieben werden. Natürlich mit bestmöglichen Datenschutzbestimmungen und sogar zeitlich befristet. Dadurch könnte man die Entstehung von Ansteckungscluster leicht, effizient und schnell feststellen und durch entsprechende Maßnahmen sofort das Virus wieder eindämmen. Andere Lösungen gibt es nicht, aber durch das öffnen der Grenzen und der Lockerung der Maßnahmen ist eine neue Bedrohung und die damit verbundene 2 Welle sehr wahrscheinlich. Nur wirtschaftlich ist das nicht zu verkraften. Hierbei habe ich den medizinischen Aspekt mit den Folgen außer acht gelassen. Darüber kann man diskutieren und durchaus verschiedene Meinungen haben.

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tomtitan
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Ja, da haben Sie sicher recht - aber das ist gegen die Aluhutträger nicht durchzusetzen.

Und wenn die App nur wenige haben nützt sie nix.

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freeman666
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@tomtitan Ist definitiv so!

Diese AluhutträgerInnen sind sicher die gleichen armen Seelen, die dafür aber jedes durchschnittliche Mittagessen dreimal fotografieren und in Facebook und Co. online stellen.
Aber bei sinnvollen Maßnahmen ihre vollkommen uninteressante und ohnehin ignorierte Privatsphäre bedroht sehen.

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