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CoronavirusAntikörper-Medikament gegen SARS-CoV-2 aus Wien

Takeda entwickelt ein Hyperimmunglobulin von Covid-19-Genesenen als Therapie. Entscheidende Beiträge kommen vom Konzernstandort in Wien.

WIEN: CORONAVIRUS - AGES-LABOR
© (c) APA/HANS KLAUS TECHT
 

In Wien sollen mit einem der beteiligten Entwicklungszentren des Pharmakonzerns Takeda wesentliche Arbeiten für ein schnelles Gegenmittel gegen schwere Covid-19-Erkrankungen entwickelt werden: Hyperimmunglobulin-Präparate mit konzentriertem Inhalt von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 aus Plasma von Patienten, welche die Covid-19-Erkrankung überstanden haben. Früher hieß dieses Prinzip "Passivimpfung".

"Wir sind der führende Anbieter von aus Spenderplasma gewonnen Therapien. Wir haben seit 15 Jahren eine Plattform mit zugelassenen polyklonalen Antikörperpräparaten. Antikörper-basierte Präparate haben gegen die "Vogelgrippe" (A/H5N1; Anm.) oder gegen die Influenza-Pandemie ("Schweinegrippe"; A/H1N1 der Jahre 2009/2010) klinische Erfolge gezeigt. Wir können das jetzt für unser Projekt zur Entwicklung eines solchen Antikörper-basierten Arzneimittels gegen SARS-CoV-2-Infektionen bzw. Covid-19-Erkrankungen nützen", sagte Thomas Kreil, Virologe und beim aus Japan stammenden international tätigen Pharmakonzern Takeda weltweit für die Sicherheit bezüglich Viren und anderer Pathogene zuständig. Es gibt auch einzelne Berichte über die erfolgreiche Behandlung von SARS-Patienten (2002/2003) mit Hyperimmunglobulin aus Spenderplasma.

Uraltes Prinzip

Bei dem Projekt handelt es sich um die Entwicklung eines Anti-SARS-CoV-2-H-IG-Präparats (Humane IgG-Antikörper gegen SARS-CoV-2). Das Prinzip ist uralt: Der Mensch übersteht eine Infektionskrankheit vor allem dadurch, dass bald nach Ansteckung mit einem Keim, ob Viren oder Bakterien, eine Immunantwort in Gang kommt. Sie wird durch Antikörper vermittelt, anfänglich durch Immunglobulin M. Etwas später - nach etwa einer Woche - setzt die Produktion von spezifischen Immungloblulin G-Antikörpern durch B-Zellen ein (IgG). Dadurch wird die Infektion besiegt. Wieder Genesene ("Konvaleszente") tragen dann diese Antikörper im Blutplasma,diese schützen mehr oder weniger anhaltend vor weiteren Infektionen.

Entwickelt wurde die erste "Blutserum-Therapie" von dem deutschen Wissenschafter Emil von Behring, der 1891 erstmals zwei Diphtherie-kranke Kinder mit Antikörpern behandelte. Die Quelle waren damals vorgeimpfte Schafe. 1901 erhielt er dafür den ersten Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Bei Takeda soll das so ablaufen: "Wir wollen Covid-19-Patienten, welche die Infektion vollständig überstanden haben und gesundet sind, bitten, Plasma zu spenden. Aus diesem Plasma werden dann die Antikörper durch "Fraktionierung" konzentriert und haltbar gemacht. Kranke Patienten sollen schließlich die Antikörper aus dem Plasma (der wieder Gesunden; Anm.) in konzentrierter Form erhalten", sagte Kreil.

Benötigte Mengen unklar

Noch nicht bekannt ist, wie viel an Antikörpern man aus dem Plasma von ehemaligen Covid-19-Patienten gewinnen kann bzw. wie viel man für die Therapie eines Patienten mit dem "konvaleszenten" Antikörperpräparat in Form einer passiven Impfung benötigt. "Das können pro Spender einer oder einige wenige Patienten sein. Das können pro Patient aber auch Antikörperpräparate von mehreren Spendern sein", sagte Kreil.

Der Pharmakonzern ist mit seinen Plasmaaktivitäten Nachfolger der ehemaligen Immuno AG in Wien, die später vom US-Konzern Baxter übernommen wurde und nun ein Teil von Takeda ist. Damit ist Wien seit Jahrzehnten Standort eines der weltweit größten Verarbeitungszentren für Spenderplasma. Daraus werden unter anderem Blutgerinnungsfaktoren, Fibrinkleber für die Chirurgie und verschiedene Antikörperprodukte – zum Beispiel für Patienten mit angeborener Immunschwäche – gewonnen bzw. hergestellt. Basis dafür sind die unter anderem in den darauf spezialisierten Zentren von BioLife, einem Tochterunternehmen, gesammelten Plasmaspenden.


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