Südafrikas ErzbischofAnti-Apartheid-Kämpfer Desmond Tutu ist tot

Der Friedensnobelpreisträger starb im Alter von 90 Jahren - er war eine wichtige Persönlichkeit im Kampf gegen die Apartheid und beim Aufbau eines neuen demokratischen Südafrikas.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Der Anti-Apartheid-Kämpfer Erzbischof Desmond Tutu
Der Anti-Apartheid-Kämpfer Erzbischof Desmond Tutu © (c) AFP (FABRICE COFFRINI)
 

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger und Anti-Apartheid-Kämpfer Erzbischof Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Das teilte die südafrikanische Präsidentschaft am Sonntag mit. Als prominentester Geistlicher war er jahrzehntelang das moralische Gewissen des Landes, für das er nach der Überwindung der Apartheid einst den Begriff der "Regenbogennation" prägte.

Ob Rassentrennung oder andere Ungerechtigkeit: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis. Er sei ein pragmatischer und prinzipienfester Mensch gewesen, schrieb Präsident Cyril Ramaphosa. "Er nahm Gott, Gottes Willen und Gottes Schöpfung todernst", schrieb Kapstadts Erzbischof Thabo Makgoba.

Desmond Tutu mit Nelson Mandela Foto © AP

Das Nobelpreiskomitee sprach in einer Stellungnahme von einer "betrüblichen Nachricht", der britische Premierminister Boris Johnson würdigte Tutu als wichtige Persönlichkeit im Kampf gegen die Apartheid und beim Aufbau eines neuen demokratischen Südafrikas. David Sassoli, der Präsident des Europaparlaments, würdigte ihn als eine echte Inspiration und "einen Giganten im Kampf gegen Südafrikas Apartheid".

"Der Tod des emeritierten Erzbischofs Desmond Tutu ist ein weiteres Kapitel der Trauer im Abschied unseres Landes von einer Generation herausragender Südafrikaner, die uns ein befreites Südafrika hinterlassen haben", betonte Ramaphosa. "Für viele in Südafrika und auch der Welt war sein Leben ein Segen", schrieb seine Stiftung. Er sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen.

Anti-Apartheid-Ikone: Die Welt verneigt sich vor Desmond Tutu

Der Friedensnobelpreisträger und Anti-Apartheid-Kämpfer Erzbischof Desmond Tutu ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

(c) AFP (TREVOR SAMSON)

Er hinterlässt seine Frau Leah und vier Kinder.

(c) AP (Knut Nedrås)

Bereits zu Mittag waren auf TV-Bildern Menschen zu sehen, die Blumen vor Tutus Denkmal in Kapstadt Waterfront niederlegten.

(c) AFP (GIANLUIGI GUERCIA)

Ob Rassentrennung oder andere Ungerechtigkeit: Tutu fand stets klare Worte. Als streitbarer anglikanischer Gottesmann wurde er zur Stimme des Widerstands und erhielt 1984 für seinen gewaltlosen Einsatz gegen das Apartheidregime den Friedensnobelpreis.

(c) AP (Susan Ragan)

Aus der Öffentlichkeit zog sich Tutu nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika immer mehr zurück.

(c) AP

Obwohl er zunehmend zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete er sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort.

(c) AFP (GIANLUIGI GUERCIA)

Er kämpfte auch für die Gleichberechtigung Homosexueller und gegen die Ausbreitung von Aids.

(c) AP (Salvatore Di Nolfi)

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

(c) AFP (HENK KRUGER)

Tutu mit Präsident Nelson Mandela. 1996 ging Tutu nach zehn Jahren als Erzbischof von Kapstadt in den Ruhestand und übernahm im selben Jahr den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeitete.

(c) AP (Guy Tillim)

Desmond Tutu mit Oprah Winfrey im Jahr 2000.

(c) AFP (STR)

Tutu mit dem damaligen Senator Barack Obama 2006.

(c) AFP (RODGER BOSCH)
(c) AP
(c) AP (Dennis Cook)
(c) AP (Hassan Ammar)
1/14

Tutu sei friedlich im Pflegezentrum Oasis Frail in Kapstadt verstorben, teilte Ramphela Mamphele, die Vorsitzende des Erzbischof Desmond Tutu IP Trusts, im Namen der Familie mit. Zur Todesursache machte sie keine Angaben. "Der Erzbischof war ein moralischer Kompass für unsere Gesellschaft", sagte Verne Harris von der Nelson-Mandela-Stiftung im TV-Sender eNCA. Er sei seiner Zeit oft voraus gewesen.

Der am 7. Oktober 1931 in der Bergbaustadt Klerksdorp bei Johannesburg geborene Tutu war nach dem Ende der Apartheid einer der Verfechter der Aussöhnung zwischen Schwarzen und Weißen. Obwohl er sich dem heute regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) seines Freundes Nelson Mandela im Anti-Apartheid-Kampf verbunden fühlte, kritisierte er den ANC später für Missstände oder Fehlentwicklungen.

1996 ging Tutu nach zehn Jahren als Erzbischof von Kapstadt in den Ruhestand und übernahm im selben Jahr den Vorsitz der Wahrheits- und Versöhnungskommission, die Verbrechen der Apartheidzeit aufarbeitete. Er prägte den Begriff Regenbogennation für das südafrikanische Volk. In seinen letzten Jahren bedauerte er es, dass sein Traum von der Regenbogennation noch nicht in Erfüllung gegangen ist. "Manchmal schrill, oft zärtlich, nie ängstlich und selten ohne Humor, wird Desmond Tutus Stimme immer die Stimme der Stimmlosen sein", beschrieb Mandela, der im Dezember 2013 starb, einmal seinen Freund.

Aus der Öffentlichkeit zog sich Tutu nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika immer mehr zurück. Bei ihm war Ende der 90er Jahre Prostatakrebs festgestellt worden. Obwohl er zunehmend zur Behandlung ins Krankenhaus musste, meldete er sich aber bei ihm ungerecht erscheinenden Ereignissen noch immer stets lautstark zu Wort. Er kämpfte auch für die Gleichberechtigung Homosexueller und gegen die Ausbreitung von Aids. Er hinterlässt seine Frau Leah und vier Kinder.

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte er Mitte September 2019, als ihm der britische Prinz Harry bei einer Afrikareise seine kleine Familie vorstellte und der bereits sehr gebrechlich wirkende Tutu dem kleinen Archie einen Kuss auf die Stirn hauchte.

TOPSHOT-SAFRICA-BRITAIN-ROYALS
Baby Archie mit Harry und Meghan bei einem Treffen mit dem Erzbischof im September 2019 in Kapstadt Foto © APA/AFP/POOL/HENK KRUGER

Zu den Auszeichnungen Tutus zählen neben dem Friedensnobelpreis, der Martin-Luther-King-Preis, die Presidential Medal of Freedom der USA, das deutsche Große Bundesverdienstkreuz (1996) sowie rund drei Dutzend Ehrendoktorwürden - unter anderem der Universität Wien. 2016 erschien Tutus Buch "The Book of Joy" (Das Buch der Freude), das er gemeinsam mit dem 14. Dalai Lama verfasste.

Kommentare (4)
future4you
0
4
Lesenswert?

Einfach zum Nachdenken

Da tritt eine Größe der Menschheitsgeschichte ab, der sein Leben lang für Gerechtigkeit und Frieden eintrat. Ein Mensch, den man wie Stecknadeln im Heuhaufen suchen muss. Und die sozialen Kanäle bleiben verwaist.
Wenn irgendwo in Hintertupfing jemand einen P…. lässt, oder eine Negativschlagzeile aufpobbt, glühen oft die Tastaturen, dass es nur so raucht.
Es zeigt, wie sehr der Mensch offenbar schon vom Negativem gefangen ist.

future4you
0
4
Lesenswert?

Welch ein Glück,

dass es unter der Menschheit solche Leuchttürme gibt. RIP

WASGIBTSNEUES
1
5
Lesenswert?

RIP

Menschen wie Desmond Tutu wird die Welt vermissen. Er war eine herausragende Persönlichkeit.
Menschen wie ihn gibt es leider immer weniger
Mr. Archbishop Desmond Tutu Rest In Peace the world will miss you

MuskeTiere4
2
31
Lesenswert?

Eine weitere Stimme des kritischen Dialogs und der Versöhnung ist verstummt!

Gut, dass er ein langes Leben im Dienste des Miteinander hatte! Umso trauriger stimmt mich sein Tod. Wer wird seine wichtigen Aufgaben in Südafrika übernehmen?