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70 Millionen UNHCR-Chef: Starker Anstieg von Flüchtlingen im Vorjahr

Grandi spricht von "weit über" 70 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen - Auch Armut in Coronakrise stark gestiegen. Aufnahmestaaten fordern Hilfe, osteuropäsiche Staaten gegen EU-Quoten.

Derzeit gebe es "weit über" 70 Millionen Flüchtlinge und IDPs (Internally Displaced Persons/IDPs)
Derzeit gebe es "weit über" 70 Millionen Flüchtlinge und IDPs (Internally Displaced Persons/IDPs) © AP
 

Die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen (IDPs) weltweit ist im vergangenen Jahr stark angestiegen. 90 Prozent dieser Personen würden sich in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen aufhalten, erklärte der Chef des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), Filippo Grandi, am Dienstag am Rande eines Webinars.

Derzeit gebe es "weit über" 70 Millionen Flüchtlinge und IDPs (Internally Displaced Persons/IDPs), sagte Grandi. Die genaue Zahl werde erst anlässlich des Weltflüchtlingstages kommende Woche (20. Juni) veröffentlicht. "Ich darf Ihnen die genaue Zahl also noch nicht nennen. Aber ich kann Ihnen sagen, dass es einen erheblichen Anstieg gegeben hat", teilte der UNHCR-Chef bei einer von dem Wiener ThinkTank ICMPD (International Centre for Migration Policy Development) und des Antalya Diplomacy Forum organisierten Veranstaltung mit.

Auch im Jahr davor war die Zahl der Menschen, die sich auf der Flucht befinden, um 2,3 Millionen auf 70,8 Millionen angestiegen. 2018 lebten laut dem "Global Trends Report" der UNO 80 Prozent der Geflüchteten in sogenannten Entwicklungsländern.

2020 könnte sich die Situation weiter verschärfen. Zwar gebe es in den Aufnahmeländern noch keinen Gesundheitsnotstand, vielerorts sei man aber schon mit einem "existenziellen Notstand" konfrontiert, warnte Grandi. Unter den Geflüchteten befänden sich viele Tagelöhner und solche, die im informellen Sektor arbeiten bzw. Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen. Diese seien von der Coronakrise besonders betroffen. "Wir sehen schon jetzt, dass die Zahl der in Armut lebenden Menschen während des Lockdowns sehr stark zugenommen hat", so Grandi.

Aufnahmeländer appellieren

Die großen Flüchtlingsaufnahmeländer im Nahen und
Mittleren Osten - die Türkei, Jordanien, der Libanon, Pakistan und
der Irak - haben angesichts der Coronakrise vor sinkender
internationaler finanzieller Unterstützung gewarnt. "Dies ist nicht
die Zeit für Gebermüdigkeit", sagte der türkische Außenminister
Mevlüt Cavusoglu bei einer Online-Diskussion am Dienstag.

Gerade jetzt, während der Pandemie, sei die Unterstützung für
Aufnahmeländer "wichtiger als je zuvor", betonte Cavusoglu bei der
von dem Wiener Zentrum für Migrationspolitik (ICMPD) und des Antalya
Diplomacy Forum organisierten Veranstaltung. Sein Land könne die
Last nicht alleine stemmen, "wir brauchen Solidarität", forderte der
türkische Außenminister.

Osteuropäische Staaten gegen feste Quoten

Acht östliche EU-Staaten haben ihren Widerstand gegen eine verpflichtende Flüchtlingsumverteilung noch einmal bekräftigt. Es sei gelungen, eine "starke Koalition von Staaten" zusammenzubringen, die Quoten ablehnen, betonte der tschechische Innenminister Jan Hamacek am Dienstag als Initiator eines gemeinsamen Schreibens an die EU-Kommission. Man sei aber bereit, in jeder Form beim Schutz der EU-Außengrenzen zu helfen, erklärte der 41 Jahre alte Sozialdemokrat.

Zu den Unterzeichnern zählen auch die Innenminister der übrigen Visegrad-Staaten Polen, Slowakei und Ungarn. Der Erklärung angeschlossen haben sich zudem die drei baltischen Länder sowie Slowenien.

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