Bruno Le Maire"Wenn wir Italien allein lassen, ist das Europas Ende"

Der französische Finanzminister Bruno Le Maire drängt auf eine gemeinsame Schuldenaufnahme für Wiederaufbaufonds. Andernfalls stehe die Existenz der Europäischen Union auf dem Spiel.

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Bruno Le Maire appelliert an die Union
Bruno Le Maire appelliert an die Union © (c) APA/AFP/POOL/THOMAS COEX (THOMAS COEX)
 

Frankreich sieht im Ringen um die EU-Coronahilfen die Existenz der Europäischen Union auf dem Spiel. "Wenn wir Italien allein lassen, ist das Europas Ende", sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire der Tageszeitung "Die Presse". "Wir wollen nicht, dass das europäische Projekt verschwindet. Wir wollen nicht, dass die Eurozone explodiert."

Le Maire sagte in Richtung von skeptischen Staaten wie Österreich, dass man die Kosten des Wiederaufbaus nicht unterschätzen dürfe. "Ich habe den Eindruck, dass in manchen Mitgliedstaaten nicht erfasst wird, was gerade passiert. In Frankreich erwarten wir acht Prozent Rezession: Das ist die schlimmste Situation seit 1945. Und sie ist dieselbe in Italien, Spanien, Deutschland, überall. Bitte öffnen Sie die Augen."

"Was wir hier vorschlagen, sind keine Eurobonds", warb Le Maire für den französischen Vorschlag eines Wiederaufbaufonds, der durch gemeinsame Schuldenaufnahme der EU-Staaten finanziert wird. Dabei gehe es aber nicht um eine Vergemeinschaftung alter Schulden, sondern von Schulden für künftige Ausgaben und für eine begrenzte Zeit, "fünf Jahre etwa". Dies sei auch kostengünstiger als eine Finanzierung über das EU-Budget, weil die Rückzahlung der Schulden über einen längeren Zeitraum gestreckt werden könne.

"Ich sage es ganz einfach: Wir brauchen Geld - sehr viel Geld", sagte Le Maire. Andernfalls laufe man Gefahr, jahrelang in einer tiefen Rezession festzustecken, "die eine Gegenreaktion mit heftigen politischen Folgen verursachen wird". "Ist es wirklich im Interesse der Niederlande und anderer, dass Italien für die nächsten Jahre in eine riesige Depression stürzt? Ich denke nicht", so Le Maire. "Ich sage nicht: Zahlen wir für die anderen. Das ist nicht die französische Position. Sondern: Wir stehen vor dieser riesigen Krise, es geht um Europas Zukunft, alle Staaten sind gefährdet - auch jene mit soliden Finanzen."

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Danke für Ihr Verständnis.

duerni
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Wenn es zum Ende der AKTUELLEN EU führt .....

sollten wir es drauf ankommen lassen. Die derzeitige Firma "EU" mit ihren derzeitigen "Manager/innen" soll insolvent gehen. Verkaufen wir die Glaspaläste in Brüssel, um etwas Geld zu lukrieren für eine Neugründung dieser Institution. Aber dann mit neuen Verträgen, denn die alten waren schlichtweg falsch.
Und bitte den Euro auch sanieren, indem man ihn endlich an die Wirtschaftskraft der Mitgliedsländer anpasst. Dann gibt es eben mehrere Euros - Euro-A und Euro-B. Na und - dann stellt sich die Frage nach "Eurobonds" nicht mehr.

Mezgolits
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... das Europas Ende"

Ich meine: Und immer mit absichtlicher
Falsch-Bezeichnung: Europa für die EU.
Erfinder Stefan Mezgolits Draßburg

kairos55
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Italien muss sich selbst retten

Italien, ein Staat außer Kontrolle.
Humanitäre Hilfe, und auch diese kostet was, ist das Gebot der Stunde, das ist klar.
Aber schon die Stabilisierung des unsäglich schlecht verwalteten Staates mit inakzeptablen, nicht durchschaubaren Strukturen, ist ein Fass ohne Boden, und würde die EU Finanzkraft aufs äußerste belasten.
Ganz zu Schweigen von einer "annähernden" Sanierung des italienischen Staatshaushaltes.
Die Hilfe der EU muss "Endlich" sein, sonst droht "Unendlich", ein Schrecken ohne Ende, was letztendlich die EU sprengt.

hermannsteinacher
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Frankreich kann für sich

Staatsschulden machen/"aufnehmen", soviel es nur will!

der alte M.
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Aber

auf Urlaub nach Italien fahrma schon gern, gell?

jg4186
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Solidarität

Wenn wir als EU eine große Gemeinschaft sind, gehört Solidarität dazu, keine Frage.
Aber Solidarität kann nie einseitig sein. Italien hat sich mehrfach nicht an EU-Regeln gehalten. Wenn es EU-Hilfe geben soll in Zukunft, dann muss aber die EU auch die Regeln in Italien bestimmen dürfen.

CWM61
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Hausgemacht

Italien ist nicht erst durch die Corona-Krise in der Wirtschaftlichen Schieflage gerutscht! Wirtschaftlich steht Italien schon länger vor einem Desaster, da ist Corona gerade recht gekommen um der Europäischen Union zu erpressen wie mit Aussagen von Austritt....
Wenn Frankreich Italien unter die Arme greifen will und möchte steht es Frankreich frei das zu tun!! Es ist schon klar das die Europäische Union ein ganzes sein soll, nur dann müssen sich auch alle an die Vorgsben halten und nicht so handeln das man in eine Wirtschaftliche Schieflage kommt und dann um Hilfe schreien!! Wenn das der Sinn der Union ist läuft aber etwas gewaltig schief!!

Vordersdorf
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Keine Erpressung


Italien hat sich bewusst in diese Wirtschaftliche Lage gebracht. Sie haben Gelder ausgegeben die sie nie erwirtschaftet haben .Es war immer ihr Plan bei den nächsten Wirtschaftskreisen sich retten zu lassen.
Sie haben sich selbst in den Fuß geschossen, jetzt lastet sie Bluten.

Landbomeranze
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Eh klar

Die Franzosen, also die 30 Stunden Worker, hoffen ja auch, dass andere Länder, also die 40 Stunden Arbeiter, ihre Probleme bezahlen.

FranzWinkler75
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40 Urlaubstage nicht vergessen

40 Urlaubstage pro Jahr gibts in Frankreich oben drauf.

hermannsteinacher
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Und das

ist gut!