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"Na klar - ich habe sie alle umgebracht"Prozessstart gegen Multimillionär Robert Durst

Wie ein bizarres Thriller-Drehbuch liest sich die Geschichte des exzentrischen Angeklagten, Sohn einer der bekanntesten New Yorker Immobilien-Dynastien. Ab heute steht er wegen Mordes an der US-Autorin Susan Berman vor Gericht.

Prozessstart gegen Multimillionär Robert Durst © AP
 

Vor Weihnachten im Jahr 2000 wurde US-Autorin Susan Berman in ihren Haus bei Los Angeles umgebracht. Der Mörder hatte die 55-Jährige von hinten mit einem Kopfschuss getötet. Die Ermittler gingen davon aus, dass das Opfer den Täter kannte. Nun steht Bermans früherer enger Bekannter Robert Durst vor Gericht. Am heutigen Mittwoch soll der Prozess gegen den Multimillionär mit der Geschworenen-Auswahl beginnen.

Wie ein bizarres Thriller-Drehbuch liest sich die Geschichte des exzentrischen Angeklagten, Sohn einer der bekanntesten New Yorker Immobilien-Dynastien. Mit 76 Jahren, gebrechlich und ergraut, ist er der Hauptakteur in einem vermutlich monatelangen Prozess in Los Angeles.

Drei mysteriöse Fälle

Der Millionär wird gleich mit drei Todesfällen in Verbindung gebracht: 1982 verschwand seine Ehefrau Kathleen McCormack spurlos im US-Bundesstaat Vermont. Die Polizei geht davon aus, dass sie tot ist, die Leiche wurde nie gefunden. Durst zählte zum Kreis der Verdächtigen, zu einer Festnahme kam es aber nicht.

Berman wurde im Jahr 2000 in Kalifornien erschossen. Die beiden kannten sich seit Studienzeiten in den 1960er-Jahren und waren eng miteinander befreundet. Die Anklage legt nahe, dass Durst sie verschwinden lassen wollte, als die Polizei die Ermittlungen im Fall der verschwundenen Ehefrau wieder in Gang brachte. Berman hätte als mögliche Zeugin befragt werden können.

2001 wurden Leichenteile von Morris Black gefunden, einem damaligen Nachbarn von Durst in Texas. Im Fall von Blacks Tod kam Durst vor Gericht, wurde jedoch 2003 freigesprochen. Durst verteidigte sich damit, bei einem handgreiflichen Streit in Notwehr gehandelt zu haben.

Was zur Hölle habe ich getan? Na klar - ich habe sie alle umgebracht.

Robert Durst

Ein paar gemurmelte Sätze katapultierten Durst im März 2015 wieder ins Rampenlicht. Bei einem Fernsehinterview für eine TV-Dokumentation über sein Leben fing das Ansteckmikrofon ein Selbstgespräch Dursts auf der Toilette auf, die Kamera war weiter angeschaltet. "Nun ist es soweit. Sie haben dich", murmelt er zu sich. "Was zur Hölle habe ich getan? Na klar - ich habe sie alle umgebracht."

In der Dokumentarserie "The Jinx: The Life and Deaths of Robert Durst" beim TV-Sender HBO waren diese spektakulären Sätze zu hören. War es tatsächlich das unfreiwillige Geständnis eines Mannes, der schon seit Jahren wegen Mordes verdächtigt, aber nie überführt wurde?

Die US-Justizbehörden reagierten prompt und nahmen Durst in New Orleans fest. Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles erhob im Fall von Susan Berman Mord-Anklage, wenig später wurde Durst nach Kalifornien überstellt. Vor dem Haftrichter hat er mehrmals seine Unschuld beteuert.

Dursts Anwalt Dick DeGuerin ist zuversichtlich, die Unschuld seines Mandanten beweisen zu können, ein weiteres Mal. Schon im Fall des getöteten Nachbarn Morris Black hatte er Durst mit Erfolg verteidigt. Er könnte den Verdacht streuen, dass die gemurmelte Audioaufzeichnung auf der Toilette zurechtgeschnitten war.

"Kadaver"-Notiz

Die Anklage hat belastendes Material gegen Durst, etwa einen handgeschriebenen Brief, der im Vorfeld des Prozesses als "Kadaver"-Notiz Schlagzeilen machte. In dem Schreiben eines anonymen Absenders wird die Polizei von Beverly Hills über einen "Kadaver" in Bermans Haus informiert. Erst hatte Durst verneint, Autor des Briefes zu sein, später räumten seine Anwälte ein, dass der Immobilien-Mogul tatsächlich der Verfasser sei.

Durst, das älteste von vier Kindern der New Yorker Immobilien-Dynastie, hat sich von seiner Familie seit Jahrzehnten entfremdet. Seine Mutter starb, als er sieben Jahre alt war. Der jüngere Bruder Douglas Durst (75), der seit den 1990er-Jahren das Familienimperium anführt, hält Robert für schuldig. Dessen Verhaftung sei eine große Erleichterung, sagte der Geschäftsmann 2015 der "New York Times". Er selbst habe Angst vor seinem unberechenbaren Bruder gehabt.

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