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Europäer werden ausgeflogen Erstes Kind in Deutschland mit Coronavirus infiziert

Die chinesische Gesundheitsbehörde teilte mit, in der Volksrepublik sei bis einschließlich Donnerstag die Zahl der Toten auf 213 gestiegen. Unterdessen holen immer mehr Länder ihre Bürger aus der Provinz Hubei zurück.

Insgesamt gibt es im Freistaat nun sechs bestätigte Coronavirus-Fälle.
Insgesamt gibt es im Freistaat nun sechs bestätigte Coronavirus-Fälle. © APA/AFP/YANN SCHREIBER
 

Rund einen Monat nach Bekanntwerden der ersten Infektionen mit dem Coronavirus in China ist die Zahl der Toten dort auf 213 gestiegen. Knapp 9.700 Menschen haben sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde in Peking mit dem neuartigen Virus angesteckt, das eine Lungenkrankheit auslösen kann.

In Bayern ist ein weiterer Mensch nachweislich an dem neuartigen Coronavirus infiziert. Es handelt sich um das Kind eines infizierten Mannes aus dem Landkreis Traunstein, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitag in München mitteilte. Somit ist zum ersten Mal in Deutschland ein Familienmitglied eines schon Infizierten erkrankt.

Insgesamt gibt es im Freistaat nun sechs bestätigte Coronavirus-Fälle. Bis auf das Kind sind alle Mitarbeiter des oberbayerischen Autozulieferers Webasto. Dort war vergangene Woche eine infizierte Kollegin aus China zu Gast, die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte.

Österreicher werden ausgeflogen

Unterdessen holen immer mehr Länder ihre Bürger aus der hauptbetroffenen Provinz Hubei zurück. Am kommenden Wochenende sollen auch die sieben Österreicher aus der Provinz zurückgeholt werden. Der Plan ist demnach, dass sie in der Nacht auf Sonntag mit einem Airbus A380 nach Frankreich ausgeflogen werden. Das Bundesheer schickt dann eine C130 nach Frankreich, die die Staatsbürger abholen soll.

Am Freitag ließ die britische Regierung 83 Briten und 27 Nicht-Briten aus Wuhan ausfliegen. Dem deutschen Außenminister Heiko Maas zufolge sollte am Freitag eine Bundeswehrmaschine starten, um über 100 Deutsche zu holen. Unter ihnen gebe es keinen Verdachtsfall. Das Auswärtige Amt warnte vor Reisen nach Hubei und riet dazu, nach Möglichkeit nicht notwendige Reisen nach China zu verschieben. Dort wirkt sich die Epidemie bereits auf die Konjunktur aus.

Die chinesische Gesundheitsbehörde teilte mit, in der Volksrepublik sei bis einschließlich Donnerstag die Zahl der Toten auf 213 gestiegen. Die Zahl der bestätigten Erkrankungen liege mittlerweile bei 9.692. Die Regierung sei aber zuversichtlich, "den Krieg" gegen das neue Coronavirus zu gewinnen, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Peking.

Obwohl die Regierung in Peking rasch reagiert und mehrere Millionenstädte in Hubei abgeriegelt hatte, überquerten dort zahlreiche Menschen eine Brücke über den Jangtse, die Huanggang in Hubei mit Jiujiang in der Nachbarprovinz Jiangxi verbindet. Ein Polizist sagte, wenn es "besondere Umstände" gebe, könnten Menschen die Brücke passieren. Huanggang ist eine der am stärksten von dem Virus-Ausbruch betroffenen Städte.

Todesfälle außerhalb Chinas wurden bisher nicht registriert, allerdings wurden aus vielen Ländern Infektionen gemeldet. In Wien wurde Freitagfrüh Entwarnung bezüglich des siebenten Verdachtsfalls gegeben, der in der Bundeshauptstadt aufgetreten war. Bei einem chinesischen Touristen aus Shanghai wurde eine Influenza diagnostiziert. Laut Sozialministerium waren je ein Verdachtsfall in Kärnten und Salzburg offen.

In Deutschland wurde am Donnerstagabend ein fünfter Coronavirus-Fall bestätigt. Wie Deutschland verschärften auch andere Länder ihre Reisehinweise für China. So riet unter anderem Japan seinen Bürgern, auf nicht notwendige Reisen nach China zu verzichten.

"Reisen Sie nicht nach China wegen des neuartigen Coronavirus, der erstmals in Wuhan, China, identifiziert wurde", heißt es auf der Website des US-Außenministeriums. Der verschärfte Hinweis liegt damit gleichauf mit den Warnungen, die die Regierung in Washington für den Irak und Afghanistan ausgibt. Am Donnerstag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm geschlagen. Die UN-Behörde rief nach einer Expertensitzung einen internationalen Gesundheitsnotstand aus.

Die britische Regierung ist bereit, notfalls eine zweite Maschine nach China zu schicken, um Bürger zurückzuholen. Indonesien erhielt nach eigenen Angaben von China die Erlaubnis, nach Hubei zu fliegen, um rund 250 Bürger herauszuholen.

Fast 400 Südkoreaner, die bereits aus China ausgeflogen wurden, brachten die Behörden in der Nähe von Seoul unter, wo sie unter Quarantäne gestellt wurden. Japan hat bereits mehr als 560 seiner Bürger zurückgeholt. Auch die USA, Kanada und andere Länder bringen ihre Bürger in die Heimat zurück.

Chinas Industrie bekommt erste Auswirkungen der Epidemie zu spüren; sie tritt auf der Stelle, wie Daten der Statistikbehörde zeigen. Zwar gingen die Exportbestellungen im Jänner vor allem wegen des Handelsstreits mit den USA zurück. Doch der Ausbruch des Coronavirus ist als Risikofaktor hinzugekommen, und Experten sind der Meinung, dass sich das in der Statistik noch nicht voll abbildet. In der Dienstleistungsbranche beschleunigte sich das Wachstum. Doch die Behörde warnte, die Daten bildeten den Virus-Ausbruch noch nicht vollständig ab. Experten rechnen damit, dass die Branche den Ausbruch des Virus deutlich zu spüren bekommen dürfte, da viele Chinesen Menschenansammlungen in Geschäften, Restaurants und Kinos vermeiden.

Auch etliche Firmen, die mehrere Tage über das Neujahrsfest am vergangenen Wochenende geschlossen hatten, verlängerten ihre Betriebsferien. Die Provinz Shandong an der chinesischen Ostküste hat Unternehmen laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua darum gebeten, ihren Betrieb nicht vor dem 10. Februar wieder aufzunehmen. So solle dabei geholfen werden, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Hongkongs Schulen bleiben bis März geschlossen

Aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus sollen die Schulen in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong erst Anfang März wieder öffnen. Regierungschefin Carrie Lam kündigte am Freitag an, dass Schulen mindestens bis zum 2. März geschlossen bleiben.

Damit haben die Behörden die Ferien auf einen Schlag um einen ganzen Monat verlängert. Ursprünglich hätte der Unterricht nach dem chinesischen Neujahr am kommenden Montag wieder beginnen sollen.

Bisher wurden zwölf Infektionen mit der neuen Lungenkrankheit in Hongkong nachgewiesen. Die Stadt hatte diese Woche seine Grenze für Chinesen aus der Volksrepublik weitgehend dichtgemacht. Zug- und Fährverbindungen wurden gekappt. Nachdem bereits keine Pauschalreisen mehr erlaubt waren, wurden auch alle Individualreisen ausgesetzt, so dass Reisende aus der Volksrepublik praktisch nicht mehr einreisen können.

EU stellt zehn Mio. Euro für Forschung zur Verfügung

Die EU-Kommission stellt zehn Millionen Euro für die Erforschung des Ausbruchs des Coronavirus zur Verfügung. Die Gelder stammen aus den Mitteln des EU-Forschungs- und Innovationsprogrammes Horizon 2020, wie die EU-Behörde in Brüssel am Freitag mitteilte. Es gebe einen dringenden Aufruf zur Einreichung von Forschungsprojekten, die das "Verständnis der neuartigen Coronavirus-Epidemie erweitern".

Auch zu einer "effizienteren klinischen Behandlung von mit dem Virus infizierten Patienten sowie zu einer Verbesserung der Vorsorge und Reaktivität der öffentlichen Gesundheitssysteme" sollen diese den Vorstellungen der EU-Kommission zufolge beitragen. Mit der Förderung sollen zwei bis vier Forschungsprojekte unterstützt werden, die Frist für die Antragstellung laufe bis 12. Februar.

Die EU-Kommission arbeite auch eng mit der Weltgesundheitsorganisation und anderen internationalen Akteuren zusammen, um eine "effiziente und koordinierte Reaktion auf den Ausbruch des Coronavirus" zu gewährleisten, hieß es am Freitag.

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