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Virtuelle Störfeuer zu BuschbrändenAustralien: Hier sind Trolle und Bots am Werk

Eine Untersuchung der Technischen Universität Queensland hat ergeben, dass zahlreiche Bots und Trolle im Internet Kriminellen die Schuld an den heftigen Bränden zuweisen, um von den katastrophalen Folgen der Erderwärmung abzulenken.

© AP
 

Die Bilder der riesigen Busch- und Waldbrände in Australien gehen seit Monaten um die Welt. Außer dem Kampf gegen die Flammen wird inzwischen aber auch ein Kampf um die Deutungshoheit geführt: Sind die Brände eine Folge des Klimawandels oder lediglich das Werk krimineller Brandstifter?

Eine Untersuchung der Technischen Universität Queensland hat ergeben, dass zahlreiche Bots und Trolle im Internet Kriminellen die Schuld an den heftigen Bränden zuweisen, um von den katastrophalen Folgen der Erderwärmung abzulenken.

Trolle und Bots am Werk

Unter dem Hashtag #arsonemergency (Branstiftungsnotfall) verbreitet sich in Online-Netzwerken die Theorie, dass die Busch-und Waldbrände in Australien in den meisten Fällen gelegt wurden. Konservative Zeitungen, Onlineportale und Politiker in aller Welt berufen sich auf diese Einträge.

Timothy Graham, ein Experte für digitale Medien an der Technischen Universität des nordostaustralischen Bundesstaates Queensland, hat herausgefunden, dass die Hälfte der Twitter-Nutzer, die unter diesem Hashtag Einträge veröffentlichen, ein für Bots oder Trolle typisches Verhalten zeigen.

Bots sind Computerprogramme, die in sozialen Medien wie echte Nutzer agieren und automatisiert Botschaften verbreiten. So können sie Themen setzen und Debatten verfälschen. Internet-Trolle sind reale Nutzer, die bewusst Online-Diskussionen stören, etwa durch das Streuen von Falschinformationen.

Ein Hinweis auf Bots und Trolle sind Nutzernamen, die aus wahllosen Buchstaben- und Zahlenkombinationen bestehen. Ihre Einträge in sozialen Netzwerken wiederholen sich oft, einige dieser Nutzerkonten interagieren nur untereinander. "Unsere Ergebnisse zeigen abgestimmte Bemühungen, die Öffentlichkeit über den Grund für die Buschbrände falsch zu informieren", resümiert Graham gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Nur Hälfte reale Nutzer

Diese Desinformationskampagene sei zwar nicht vergleichbar mit Kampagnen in anderen Ländern wie etwa während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016. Für Australien habe sie aber ein nie da gewesenes Ausmaß. Von den 300 Twitter-Nutzerkonten und mehr als 1.200 Einträgen, die Graham und seine Mitarbeiter analysierten, ordneten sie nur die Hälfte real existierenden Nutzern zu, die aufrichtig konservative Positionen zu den Buschbränden vertreten.

Und auch diese Einträge dürften nicht frei von Falschinformationen sein. So kursierte im Internet die erwiesenermaßen falsche Behauptung, dass in Australien 180 Menschen wegen Brandstiftung angeklagt worden seien. Auch Donald Trump Junior, der Sohn des US-Präsidenten, verbreitete sie weiter: "Wirklich abstoßend, dass Menschen so etwas tun!", schrieb er auf Twitter. "Mehr als 180 mutmaßliche Brandstifter wurden seit Beginn der Buschbrand-Saison festgenommen."

Weiterverbreitung

Die Falschbehauptung geht offenbar zurück auf eine Mitteilung der Polizei des australischen Bundesstaates New South Wales, wonach Ermittlungen gegen 183 Verdächtige wegen Vergehen im Zusammenhang mit den Bränden eingeleitet wurden. Allerdings wurde nur 24 von ihnen absichtliche Brandstiftung zur Last gelegt. Die meisten kamen wegen gedankenlosen Umgangs mit Zigaretten oder der Missachtung von Verboten, wegen der Hitze zu grillen oder zu schleifen, ins Visier der Behörden.

Die Behörden wiesen Darstellungen zurück, wonach einige der schlimmsten Brände im Land durch Brandstiftung verursacht werden. Auch die Statistiken früherer Buschbrände sprechen dagegen. Zwar gibt es mitunter Brandstiftungen, vor allem aber zählen Blitze, Funkenflug oder Unglücke zu den Ursachen.

Wissenschafter führen die besonders frühen und heftigen Feuer der aktuellen Buschbrandsaison auf eine lang anhaltende Dürre zurück. Zudem brachten die klimatischen Verhältnisse in der Antarktis und im Indischen Ozean dem Fünften Kontinent heißes, trockenes sowie windiges Wetter. Diese Faktoren werden von Forschern wiederum ebenfalls auf den globalen Klimawandel zurückgeführt.

Graham meint, hinter den Falschinformationen über die Brände in Australien verberge sich "eine globale Kampagne mit dem Ziel, wissenschaftliche Beweise für den Klimawandel zu diskreditieren". Nach Ansicht des Internet-Experten wollen interessierte Kreise zeigen, "dass der Klimawandel nicht real ist". Die Buschbrände hätten ihnen die Gelegenheit geboten, "Australien auf die Weltbühne der globalen Desinformation zu zerren".

Australien brennt: Die Wochen des Feuers in Bildern

Seit Beginn der großen Brände im Oktober sind landesweit 26  Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2.000 Häuser wurden zerstört. Etwa 10,6 Millionen Hektar brannten nieder.

(c) APA/AFP/STATE GOVERNMENT OF VICTORIA/HANDOUT (HANDOUT)

Die Bilder, die uns tagtäglich von den Buschfeuern erreichen, sprechen Bände.

(c) APA/AFP/SAEED KHAN (SAEED KHAN)

Rottöne in allen Schattierungen bestimmen das Land.

(c) APA/AFP/SAEED KHAN (SAEED KHAN)

Beinahe unheimlich mutet die Stimmung mitten am Tage an.

(c) APA/AFP/SEAN DAVEY (SEAN DAVEY)

Hunderte Millionen Tiere kamen in den Flammen um. Dieser Koala hat es geschafft, er hat überlebt. Für rund 25.000 seiner Artgenossen bedeuteten die Buschfeuer den sicheren Tod.

(c) AP

Fauna und Flora sind unumkehrbar zerstört.

(c) AP (Dan Himbrechts)

Der Rauch ist nicht aufzuhalten. Über den Pazifik erreichte er nun auch Südamerika.

(c) APA/AFP/PETER PARKS (PETER PARKS)

Die Einsatzkräfte geraten immer mehr an ihre Grenzen.

(c) AP (Rick Rycroft)

Klicken Sie sich durch die beeindruckenden Bilder vom brennenden Kontinent.

(c) APA/AFP/PETER PARKS (PETER PARKS)
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Kommentare (2)

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ck2107
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Lesenswert?

Ablenkung von berechtigten Kritikpunkten?

Es wird auch gezielt von berechtigter und sachlicher Kritik an Themen abgelenkt, indem man sie Bots und Trollen in die Schuhe schiebt. Darüber habe ich in der Kleinen Zeitung noch nichts gelesen... Wäre aber mal an der Zeit. Jede Medaille hat zwei Seiten. Wenn man sich nur die Seite herauspickt, die in ein gewisses Narrativ passt, muss man sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen, so leid mir das auch tut. Es gibt auch genügend Trolle und Bots die Desinformation in die andere Richtung verbreiten. Wäre sinnvoll, auch dazu entsprechende Zahlen zu veröffentlichen.

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ichbindermeinung
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7
Lesenswert?

statt Milliarden für klimaschädl. Kriegswaffen und fürs Militär lieber in die Feuerwehren investieren

anstatt, dass die ganzen Länder Milliarden ohne Ende vom Steuergeld der Bürger für die klimaschädlichen Kriegswaffen (Kampfflieger/Abfangjäger/Panzer/Kanonen/Raketen etc.) u. fürs Militär ausgeben, sollten sie das Geld aufkommensneutral lieber fürs gute Klima verwenden

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