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Asienreise Der Papst zwischen König, Atombomben und Fukushima

Von Dienstag an ist der Pontifex auf einer seiner spannendsten Reisen seiner Amtszeit: erst Thailand, dann Japan.

© AP
 

Papst Franziskus träumte in jungen Jahren davon, Missionar in Japan zu werden. Aber seine Oberen entschieden anders. Mit 82 Jahren erfüllt sich der Argentinier nun den Wunsch. Von Dienstag an ist der Pontifex auf einer seiner spannendsten Reisen seiner Amtszeit: erst Thailand, dann Japan. Nach Johannes Paul II. ist er der zweite Papst, der die beiden asiatischen Länder besucht.

Im Mittelpunkt steht klar der Aufenthalt in Japan: Dort wird er am Sonntag in den Städten Nagasaki und Hiroshima der Opfer der beiden Atombombenabwürfe durch die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg gedenken und ein Ende der atomaren Rüstung verlangen. Schon vor dem Abflug mahnte er: "Der Einsatz von Atomwaffen ist unmoralisch." Das wird gewiss gehört. Doch was können die Papstworte ändern?

Nicht weit von Japan entfernt sitzt in Nordkorea der unberechenbare Kim Jong Un mit seinem Atomwaffen- und Raketenprogramm. Nagasakis Bürgermeister Tomihisa Taue hatte zuletzt die japanische Regierung aufgerufen, dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Doch Ministerpräsident Shinzo Abe ging darauf nicht ein. Japan steht unter dem atomaren Schutzschild der USA.

Nur 0,5 Prozent Katholiken

Katholiken sind im buddhistischen und shintoistischen Japan mit nicht einmal 0,5 Prozent nur ein verschwindend geringer Anteil der Bevölkerung. Aber die moralische Autorität des Papstes und der diplomatische Einfluss des Vatikans werden geachtet. Japans früherer Botschafter am Vatikan, Kagefumi Ueno, nennt den Kirchenstaat eine "Super Soft Power", eine "superweiche Macht". Der Papst sei ein "Super-Diplomat".

Um Atomkraft und deren zerstörerisches Potenzial geht es auch bei einem Treffen mit Überlebenden von Japans jüngster Katastrophe im März 2011: Damals starben bei einem Tsunami und einem Erdbeben 18 500 Menschen. Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kam es zu einem Super-GAU, in dessen Folge Zehntausende fliehen mussten. Anschließend trifft der Papst den neuen japanischen Kaiser Naruhito.

Besuch in Thailand

Die Brisanz dieser Themen mag den Besuch im buddhistischen Thailand in den Hintergrund stellen. In Bangkok trifft der Papst König Maha Vajiralongkorn (Rama X.), der auch in Deutschland bekannt ist. In Tutzing am Starnberger See hat der exzentrische Monarch ein Domizil. Der 67-Jährige wurde in Bayern des Öfteren in knappsten und bauchfreien Tops gesichtet.

Dem Oberhaupt der Katholiken kann es kaum gefallen, dass der König mehrmals geschieden ist und offiziell eine Konkubine präsentierte. Vor kurzem jedoch ließ Rama X. die Geliebte aus ihrem "Amt" entfernen. Seither ist sie spurlos verschwunden. Es gilt als ausgeschlossen, dass sich der Papst dazu öffentlich äußert. Dafür könnte er kritisch über Sextourismus und Menschenhandel sprechen, große Probleme in Thailand.

Dialog der Religionen

Mehr als 35 Stunden wird der Papst bei der einwöchigen Reise im Flugzeug sitzen. Mit der Asienreise zeigt er erneut, dass das westliche Europa für ihn keine Priorität hat. Vielmehr interessieren Franziskus Staaten, die sonst nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, in denen er den Dialog der Religionen voranbringen kann, die Schauplatz von Kriegen und Krisen sind oder waren.

"Er hat es sich sichtlich zum Programm gemacht, den Fokus auf andere Weltgegenden zu legen", erklärt Kirchenkenner Andreas Püttmann. "Die europäische und amerikanische Kirche schrumpfen, in Asien und Afrika boomt die katholische Kirche dagegen. Franziskus lässt den Eurozentrismus hinter sich. Er wendet sich kleineren Ortskirchen zu, vor allem den verfolgten oder sonst wie bedrängten." So standen Länder wie Südkorea, Sri Lanka, Ägypten oder Staaten seiner lateinamerikanischen Heimat - außer Argentinien - auf dem Programm.

Deutschland sei bereits "überbedient" mit Papstbesuchen, sagt Püttmann. Johannes Paul II. war drei Mal da. Auch Benedikt XVI. besuchte drei Mal seine Heimat. Möglich sei schon, dass Franziskus vorbeikomme. "Aber ich halte es für unwahrscheinlich, solange Benedikt XVI. lebt."

Der Buchautor meint: "Franziskus ist ein sehr feiner Mensch mit großem Gespür und Takt gegenüber Empfindungen anderer. Wenn der deutsche emeritierte Papst altersgeschwächt in Rom sitzt, und in seiner Heimat wird der Nachfolger gefeiert, wäre das emotional zwiespältig."

 

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