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Klimawandel Tourismus am Scheideweg: Keine Zukunft für Billigtourismus

Die Tourismus-Wirtschaft müsse "aggressiv" damit beginnen, von fossilen Brennstoffen wegzukommen, fordert Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber.

Sujetbild © stockphoto-graf - stock.adobe.co
 

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber sieht den Tourismus im Kampf gegen die Erderwärmung am Scheideweg. Die Herausforderungen für die Reisebranche seien groß, und die entscheidende Frage sei: "Wollen wir so weitermachen wie bisher?" sagte er am Montag der Nachrichtenagentur Reuters beim Tourismusgipfel in Berlin.

Denn Reisen trage zur Erderwärmung bei - etwa durch das Fliegen, die Kreuzschifffahrt oder auch individualen Autoverkehr. "Der Tourismus muss Teil der klimaneutralen Mobilität werden, möglichst sogar Vorreiter", betonte Schellnhuber, der von 1991 bis 2018 das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) leitete. Ein Lösungsansatz sei, den Ansturm auf völlig überlaufene Reiseziele zu begrenzen - auch über Preiserhöhungen. "Der Billigmassentourismus, wie wir ihn heute kennen, wird in dieser Form keine Zukunft haben."

Branche unter Zugzwang

Der Forscher sieht die Branche unter Zugzwang und fordert mehr Engagement für den Klimaschutz. "Denn sonst sägt man an dem Ast, auf dem man sitzt. Wenn man Korallenriffe zerstört, dann kann man auch niemanden mehr dahin schicken." Die Tourismus-Wirtschaft müsse "aggressiv" damit beginnen, von fossilen Brennstoffen wegzukommen. Beliebte Ziele wie Venedig, Amsterdam und Honolulu seien völlig überlaufen. Um gegenzusteuern, müsse man über Begrenzungen, Preiserhöhungen und Steuern nachdenken. "Ein kostbares Gut muss einen Preis haben."

Man zerstört, was man liebt

Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber

Die Tourismusbranche boomt nach Schellnhubers Worten lokal sowie global und sorgt für großen Schaden. "Das ist die innere Widersprüchlichkeit des Tourismus: "Man zerstört, was man liebt." Es gebe für die Reise-Wirtschaft "drei große Paradoxien". Zum einen werde der Klimawandel die Migrationsbewegung verstärken. Offen sei: "Wie reagieren die reichen Länder?" Es könnte sein, dass sich Industriestaaten abschotten und ihre Grenzen verstärken, warnte Schellnhuber. Die Bewegung von arm nach reich wäre dann begrenzt. Der Austausch von reich nach arm dürfte wegen des Tourismus aber weitergehen.

Trotz des wachsenden Verkehrs und steigender Nachfrage müsse sich die Branche zudem auf ein schrumpfendes Angebot einstellen - etwa durch weniger Strände gerade wegen des Klimawandels. Schließlich sieht Schellnhuber "Tendenzen in Richtung exklusivem Tourismus, während die Gesellschaft im Gegensatz dazu auf Inklusion setzt - also gleichberechtigte Teilhabe." Wichtig seien langfristige Geschäftsmodelle statt kurzfristiger Profit. Im Kern gehe es um eine entscheidende Frage: "Kann nachhaltiger Tourismus massenfähig werden?" Für den deutschen Markt seien nur rund ein Prozent der Angebote nachhaltig, erläuterte der studierte Physiker. "Nachhaltigkeit ist Luxus, und Luxus ist exklusiv."

 

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