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Amazonas-Regenwald in Flammen''Bolsonaro entlarvte sich als unfähiger Politiker''

Bolsonaros Reaktionen auf die verheerenden Amazonas-Brände sind "tragisch" und "ernüchternd", so Kulturhistorikerin Ursula Prutsch vom Amerika-Institut der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität.

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BRAZIL-CRIME-VIOLENCE-PROJECT-BOLSONARO © (c) APA/AFP/EVARISTO SA (EVARISTO SA)
 

Für die Lateinamerikaexpertin Regine Schönenberg gehen die Waldbrände im Amazonas auch auf die Zerschlagung der brasilianischen Umweltinstitutionen durch Präsident Jair Bolsonaro zurück. "Diese Institutionen sind wegen des finanziellen und personellen Kahlschlags nicht mehr funktionsfähig", sagte sie im APA-Telefoninterview am Donnerstag. Bolsonaro gerate nun innenpolitisch zunehmend unter Druck.

Feuerbekämpfungsprogramm ausgehebelt

Seit 30 Jahren habe man im Amazonasgebiet, das ungefähr der Fläche Europas entspreche, mit vielen Organisationen und Partnern großes Know-How aufgebaut. Dazu gehört laut Schöneberg ein umfassendes Feuerbekämpfungsprogramm, das auf die Kooperation vieler Behörden und Ebenen setzt. "Deswegen ist es jetzt auch so lächerlich, dass Soldaten geschickt werden. Davor wurden alle ausgebildeten Leute rausgeworfen", beklagte die Forscherin der Freien Universität Berlin.

Für jede Brandrodung und jeden gefällten Baum im Amazonas sei bisher eine Genehmigung nötig gewesen, die Umweltinstitutionen ausstellten und kontrollierten. Die jüngst von Bolsonaro verkündeten Verbote weiterer Brandrodungen sind für die Politologin darum "reiner Populismus". "Man kann das nicht verbieten, denn das müssen ja Umweltbehörden kontrollieren, die aber mittlerweile lahmgelegt sind. Stellen Sie sich vor, es gäbe für ganz Europa ein Verbot, das niemand kontrolliert", erklärte sie.

Brände im Amazonasgebiet: Kampf gegen das Flammenmeer

So sieht Regenwald aus, nachdem eine Feuerwalze durch ihn zog.

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Die Bevölkerung sowie Zehntausende Soldaten versuchen, die verheerenden Waldbrände im Amazonasbecken einzudämmen.

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Es bleibt beim Versuch: In Brasilien wüten die schwersten Waldbrände seit Jahren.

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Die Auswirkungen sind weitreichend - nicht nur für die örtliche Bevölkerung, sondern für den ganzen Planeten.

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Seit Jänner stieg die Zahl der Feuer und Brandrodungen im größten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE um 78 Prozent auf mehr als 80.000 Brände.

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Betroffen waren meist Flächen in Privatbesitz, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus.

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Neben der großflächig zerstörten Flora sind natürlich auch unzählige Tierspezies betroffen.

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Umweltschützer und indigene Gruppen werfen Brasiliens rechtem Präsidenten Jair Bolsonaro vor, ein Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern, Holzfäller und Goldgräber zu immer weiteren Rodungen ermutigt fühlen.

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So sollen Medienberichten zufolge Bauern im Bundesstaat Para sich zu einem "Tag des Feuers" verabredet und große Waldflächen in Brand gesteckt haben.

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"Es besteht der Verdacht auf eine orchestrierte Aktion. Es gibt den Verdacht, dass das von langer Hand geplant wurde", sagte Generalstaatsanwältin Raquel Dodge.

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Die Feuer zu löschen ist geradezu unmöglich, zu entlegen, zu zahlreich, zu weit verstreut sind die Brandnester.

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"Wenn es so etwas gegeben hat, war es ein Einzelfall. Wir wissen nichts von einer orchestrierten Aktion", behauptet der Präsident des Verbands in Novo Progresso, Agamenon da Silva Menezes, der Nachrichtenagentur Agencia Brasil.

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Klicken Sie sich durch weitere Bilder aus dem Katastrophengebiet...

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Die Kulturhistorikerin Ursula Prutsch vom Amerika-Institut der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität hielt fest, dass sich in Brasilien der Widerstand gegen Bolsonaros Politik mehre. Sie berichtete, dass die Großgrundbesitzer im Amazonasraum den Umweltminister Ricardo Salles dazu aufgefordert haben, die Lage ernst zu nehmen. Viele Menschen unterstützten die Politik des Präsidenten jedoch noch immer.

Seit dem Amtsantritt Bolsonaros hat eigentlich nichts funktioniert

Kulturhistorikerin Ursula Prutsch

"Das ist eine richtige trotzige Realitätsverweigerung", bemerkte sie. Gerade die Aussage von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der Amazonas sei aufgrund seiner Bedeutung für das globale Klima ein Gemeingut, beurteilte Schönenberg als "kontraproduktiv", denn diese schüre das gegenstandslose rechtspopulistische Narrativ, der Westen wolle Amazonien internationalisieren.

Bolsonaros Reaktionen auf die Brände sind für Prutsch "tragisch" und "ernüchternd". Er verbreite Falschmeldungen, lenke mit Ankündigungen großer Infrastrukturprojekte ab und beschuldige politische Gegner. "Er hat es binnen kurzer Zeit geschafft, sich als unfähiger Politiker zu entlarven, sodass innen- und außenpolitisch enormer Druck auf ihm lastet. Jetzt versucht er alles Mögliche, um abzulenken", erklärte die Historikerin. Auch seine Unterstützer habe er vor den Kopf gestoßen: Als er zu Aufklärungszwecken einen Softporno in sozialen Netzwerken geteilt habe, habe er damit besonders evangelikale Wähler, die ihn bisher unterstützten, "unglaublich getroffen".

Diese Institutionen sind wegen des finanziellen und personellen Kahlschlags nicht mehr funktionsfähig.

Lateinamerikaexpertin Regine Schönenberg

"Das Land ist seit der Wahl gespalten und die Polarisierung nimmt offenbar weiter zu. Die Brände bringen viele Punkte, allen voran die Umweltpolitik, zum Hochkochen", erläuterte Schönenberg. "Die Waldbewohner, rund 700.000 Indigene, sind die großen Verlierer der Situation, weil sie die von ihnen erkämpften Rechte langsam verlieren", fuhr sie fort. Dazu gehöre der Zugang zur Gesundheitsversorgung und zu Universitäten. "Abgesehen von den Bränden gibt es einen Kahlschlag an Rechten für Minderheiten. Das wirkt sich negativ auf den sozialen Zusammenhalt aus, denn Brasilien ist sehr heterogen und eigentlich ein tolles Beispiel dafür, wie Diversität funktioniert", sagte die Politologin.

"Seit dem Amtsantritt Bolsonaros hat eigentlich nichts funktioniert", sagte auch Prutsch. So sei eine Pensionsreform geplant, die die Unterschicht "gewaltig treffen" werde. Für die Bundesuniversitäten seien Budgetkürzungen von rund 30 Prozent durchgesetzt worden, mit neoliberaler Logik wolle man Soziologie und Philosophie an den Universitäten abschaffen, denn dies rechne sich nicht. "Bolsonaros Regierung hat bislang keine einzige sinnvolle politische Entscheidung getroffen", schlussfolgerte sie.

"Das kann er nicht ignorieren"

"Umfragen sehen Bolsonaro bei rund 30 Prozent", sagte die Historikerin. Der Widerstand vieler Gouverneure könnte für den Präsidenten zum Problem werden. "Das kann er nicht ignorieren", unterstrich Schönenberg. "Die Länderebene des föderalen Staates Brasilien ist in vielen Belangen sehr unabhängig. Bei vielen Fragen der internationalen Kooperation (...) wenden sich die NGOs und andere Organisationen an die Länderebene, weil es dort mehr Verständnis und Zugänglichkeit gibt", erklärte sie.

"Wenn es triftige Gründe gibt, könnte Bolsonaro zurücktreten und sein Vize übernimmt", spekulierte Prutsch. Vizepräsident Hamilton Mourao ist General, seine Eltern haben indigene Wurzeln. Das Militär sei gegenüber Bolsonaro gespalten. "Es ist zwar finanziell privilegiert, aber das Militär gehört zu den Institutionen, die besonders für den Amazonasschutz eintreten", fuhr sie fort. "Da gibt es im Hintergrund sicher schon Machtkonflikte zwischen einzelnen Militärs. Die sehen, dass Bolsonaro außenpolitisch nur Imageschäden bringt", sagte sie.

Kommentare (20)

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Kippi
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Amazonas-Regenwald in Flammen''Bolsonaro entlarvte sich als unfähiger Politiker''

Da hätte ich mehr Politikerinnen/Politiker anzubieten die nicht Bolsonaro heißen und noch dazu aus allen Farbrichtungen, Rot, Schwarz, Blau, die Pinkfarbenen und natürlich die Grünen.

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EinFreundderRepublik
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6
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Goldene Pflaume

Wär lustig ne goldene Pflaume als Auszeichnung für Vollpfosten in hohen Regierungspositionen zu vergeben..

heuer geht die Goldene Pflaume mit großem Vorsprung an... Donald Trump!

Nächstes Jahr wenn er sich weiter anstrengt schafft er’s vielleicht dieser Bolsonaro..

Goldene Pflaume Nominierung an Strache und Gudenus fragt ihr? Na geh, wegen dem kleinen Ausrutscher an Korruption.. in Brasilien brennt jedes Jahr die Fläche von Österreich weg.. International kleine Fische die beiden Korrupties.. dennoch lästig unserlandes..

Wär doch ne lustige Idee so ne Goldene Pflaume.. :D

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mapem
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Na ja, andererseits braucht´s allerdings enorm vieler Pflaumen, um solch einer Vollpflaume die Geschicke eines Staates in die Hände zu legen …

was gerade in vielen Demokratien offenbar sowas wie ein Volkssport zu sein scheint.

Bin gespannt, ob wir im September diesen Trend weiter fortsetzen werden …

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Geerdeter Steirer
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ne Goldene Pflaume .....?

wenn schon sollte es dazupassend zu den Handlungen eine "Rostige Pflaume" sein .
Für jene Personen ist Gold doch viel zu wertschätzend und wertvoll.............nur so ein Vorschlag......... ;-)

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tomtitan
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''Bolsonaro entlarvte sich als unfähiger Politiker'' - nicht nur er, sondern

mindestens 95% seiner Spezies...

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Kunierer
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Solange der in Brasilien das Sagen hat

wird sich nicht viel ändern. Leider gibt es in jedem Land das hirnlose einfache Stimmvieh die eigentlich nicht davon profitieren und die Günstlinge die daraus ordentlich Kasse machen. Man kann nur hoffen daß irgendwann der Umkehrschwenk erfolgt und kein korrupter Präsident mehr das Land beherrscht. Ähnlich auch in USA da könnte sich bei den nächsten Wahlen doch was tun?

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helmutmayr
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Unfähige Politiker

Ist mir nicht Fremd.

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andy379
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Die rechtspopulistischen (angeblich ach so patriotischen) Politiker auf der ganzen Welt

entlarven sich überall als Totalversager.
Egal ob in den USA, Großbritannien, Polen, Ungarn, Brasilien, Italien, Türkei usw.
Aber egal was sie auch anstellen: sie werden wieder gewählt.
So wird es auch bei uns werden...
Sehr traurig...

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Mein Graz
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@andy379

Du hast Österreich zu erwähnen vergessen.

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Hieronymus01
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Es gibt auch Linkspopulisten die ihr Land an die Wand fahren.

Maduro od. Chaves z.B.
Jedoch sind bei Weitem nicht so viel.
Sogar Haider hatte den Linkspopulisten Chaves lobend als Vorbild genannt.
Was das in Kärnten ausging wissen wir.

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styrianprawda
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@Hieronymus01

Egal auf welcher Seite des Spektrums angesiedelt:
Populisten sind grundsätzlich gleich gestrickte A.....er.

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Ali68159
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Ach so, alles ist ganz einfach:

"... schüre das gegenstandslose rechtspopulistische Narrativ ..." - am End hat also wieder die pöse, pöse AfD den Urwald angezündet. Und sollten diese Brände irgendwann mal wieder ausgehen oder wenigstens nachlassen, wäre es wohl auch wieder diese pöse, pöse AfD gewesen, die diese gemütlichen Feuerchen ausgetreten hat. Gott sei Dank gibt es keinen Linkspopulismus.

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Mein Graz
0
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@Ali68159

Über User wie dich kann ich nur mehr verzweifelt den Kopf schütteln.

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hbratschi
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lieber ali,...

...du hast in der schule ( zb geschichte) auch oft gefehlt, oder?

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Nixalsverdruss
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Hier sollte man eher hinschauen ...

… ob es um Korruption geht!
Es kann kein Zufall sein, dass Bolsonaro hier etwas "übersehen" hat.

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AloisSteindl
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Unfähig?

Eher zu alllem fähig. War aber für jeden absehbar.
Ich bezweifle, dass seine Wähler zur Vernunft kommen.

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Rick Deckard
5
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sich selbst entlarvende Politiker ...

Ibiza?

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brosinor
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Er entlarvt sich. ????

Boa so a Überraschung!

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hbratschi
3
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richtig brosinor,...

...denn jeder denkende mensch sollte/müsste wissen, was er bekommt, wenn er bolsonaro, trump, erdogan, kickl usw wählt. und das bedenkliche daran ist, sie wissen es und wählen diese typen bewusst. denn nicht trump und co sind das problem, sondern deren wähler...

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Hieronymus01
1
12
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Da ist er aber nicht der einzige auf dem Planeten.

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