Doie Gruppe Mangueira wurde am Mittwoch zur Siegerin des spektakulären Schaulaufens gekürt und setzte sich damit gegen 13 andere Sambaschulen durch. Mangueira hatte unter anderem die Sympathie des ultrarechten Staatschefs Jair Bolsonaro für die Militärdiktatur (1964 bis 1985) kritisiert.

Die Sambaschule würdigte außerdem die vor einem Jahr ermordete schwarze Stadträtin Marielle Franco. Die offen homosexuelle Linkspolitikerin hatte unter anderem die Polizeigewalt in den Armenvierteln von Rio de Janeiro, den Favelas, angeprangert. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst. Francos Witwe Monica Benicio lief in der Mangueira-Parade mit.

Mangueira ehrte auch die verborgenen Helden der brasilianischen Geschichte - Schwarze, Indigene, Arme - die in den Schulbüchern unerwähnt bleiben. Die europäische Kolonisation wurde als Friedhof eingeborener Völker dargestellt.

Sambadromo

Bei dem Wettbewerb waren an zwei Tagen 14 Sambaschulen mit jeweils zwischen 2.500 und 4.000 Teilnehmern durch das 700 Meter lange "Sambodromo" gezogen, die Karnevalsarena der brasilianischen Millionenmetropole. Viele Sambaschulen setzten dabei auf Symbole der Toleranz und Offenheit - eine Antwort auf Staatschef Bolsonaro, der immer wieder gegen Minderheiten Stimmung macht.

Mangueira habe mit der Parade "eine politische Botschaft an das ganze Land" entsandt, sagte der künstlerische Leiter der Sambaschule, Leandro Vieira. "Der Karneval ist das Fest des Volkes." Der Karneval sei hingegen nicht, was Bolsonaro denke.

Der Präsident hatte zuvor mit einem Twitter-Video für Aufsehen gesorgt, das vulgäre Szenen beim Straßenkarneval in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo zeigt. Kritiker warfen Bolsonaro vor, das landesweite Karnevalsfest durch die Hervorhebung einer einzelnen Episode schlecht zu machen.