Die Vorgehensweise der mutmaßlichen Organisation wirkt inzwischen recht klar umrissen. Im Umfeld des Mailänder Nachtlebens soll eine Eventagentur systematisch exklusive Abende organisiert haben, bei denen wohlhabende Kunden Zugang zu hochpreisigen Escort-Diensten erhielten. Zu den Kundenkreisen zählten laut Ermittlungen Unternehmer, Prominente und mehrere Profifußballer aus der Serie A, insbesondere aus dem Raum Mailand. Einige Gäste sollen sogar eigens aus anderen Städten oder Ländern angereist sein, um an den Veranstaltungen teilzunehmen.
Die Untersuchungen wurden von der stellvertretenden Staatsanwältin Bruna Albertini koordiniert und von der Guardia di Finanza durchgeführt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft konnten umfangreiche Beweise gesichert werden, die auf ein strukturiertes Netzwerk hindeuten. Dieses bestand mutmaßlich nicht nur aus Organisatoren, sondern auch aus Escort-Damen, PR-Verantwortlichen und weiteren Helfern, die gemeinsam die exklusiven Events planten und durchführten.
„All-inclusive“-Pakete
Das Geschäftsmodell soll auf sogenannten „All-inclusive“-Paketen basiert haben: luxuriöse Abende in angesagten Clubs, kombiniert mit Übernachtungen in gehobenen Hotels und der Vermittlung von Begleitpersonen. Für diese Dienstleistungen wurden offenbar mehrere tausend Euro pro Nacht verlangt. Insgesamt soll die Organisation einen Umsatz von über 1,2 Millionen Euro erzielt haben.
Die Ermittlungsakten sprechen von mindestens 50 identifizierten Kunden, deren Namen jedoch in gerichtlichen Dokumenten geschwärzt wurden. Neben Fußballspielern sollen auch andere Sportler sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Unterhaltung beteiligt gewesen sein. In abgehörten Gesprächen wird sogar ein Formel-1-Fahrer erwähnt, der kurzfristig eine Begleitung gesucht habe. Wortlaut: „Da ist ein Freund von mir, ein Formel-1-Fahrer … der heute Abend nach Mailand kommt, er sucht eine Begleitung“, so ein abgehörtes Gespräch laut „Gazetta dello sport“.
Missbrauch von „Ballondroge“
Ein weiterer Aspekt der Ermittlungen betrifft den Konsum von Lachgas, auch bekannt als „Ballondroge“. Diese Substanz kann kurzfristige Euphorie auslösen und ist schwer nachweisbar, weshalb sie in bestimmten Kreisen als unauffällig gilt. Zwar ist Lachgas in vielen Ländern legal erhältlich, sein Missbrauch, insbesondere auf Partys, wird jedoch zunehmend kritisch gesehen, da gesundheitliche Risiken wie Nervenschäden oder Sauerstoffmangel bestehen.
Im Zuge der Ermittlungen wurden vier mutmaßliche Hauptverantwortliche festgenommen. Gegen sie stehen schwere Vorwürfe im Raum, darunter Förderung und Ausbeutung der Prostitution sowie Geldwäsche. Die Behörden gehen davon aus, dass die Einnahmen aus illegalen Aktivitäten systematisch verschleiert wurden.
Junge Frauen gezielt angeworben
Die Ermittler stellten fest, dass die Agentur nicht ausschließlich mit professionellen Escort-Damen arbeitete, sondern gezielt auch junge Frauen aus wohlhabenden gesellschaftlichen Kreisen anwarb. Insgesamt sollen etwa zehn Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren beteiligt gewesen sein, sowohl aus Italien als auch aus dem Ausland. Sie erhielten Berichten zufolge rund 50 Prozent der Einnahmen.
Ein Teil der Aktivitäten konzentrierte sich auf einen Firmensitz in Cinisello Balsamo. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass das Geschäftsmodell auch international ausgeweitet wurde, unter anderem auf die Insel Mykonos, die für ihr exklusives Nachtleben bekannt ist.
Unglaubwürdige Geldquellen
Die Finanzermittler rekonstruierten die Vermögensverhältnisse der Verdächtigen und stellten fest, dass diese in keinem plausiblen Verhältnis zu den offiziell angegebenen Einkünften standen. Dies verstärkte den Verdacht, dass die Einnahmen überwiegend aus illegalen Quellen stammten.
Die genauen Orte der Treffen sind bislang nicht vollständig dokumentiert, doch die Unterlagen deuten darauf hin, dass insbesondere die sogenannte „Milano bene“, also die wohlhabende Mailänder Oberschicht, zu den Hauptkunden gehörte. Ihnen wurde ein diskretes und luxuriöses Gesamtpaket geboten, das Unterhaltung, Unterkunft und Begleitung kombinierte.