Die Schweizer Garde steht stramm, als der Konvoi schließlich in den Damasus-Hof einfährt: Mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich hoher Besuch angekündigt. Es ist das erste Aufeinandertreffen zwischen Österreichs Staatsoberhaupt und Papst Leo XIV. „Es war ein Gespräch unter vier Augen und es hat länger gedauert als geplant, so etwas ist ja bekanntlich ein gutes Zeichen“, wird Van der Bellen später erzählen.
Leo XIV. sei ein Papst des Friedens und des friedlichen Zusammenlebens. „Das wird ihm nicht nur Freunde einbringen“, sagt Van der Bellen. Er selbst setze in ihn die Hoffnung, die Botschaft des Friedens, der Hoffnung und der Zuversicht den Menschen nahezubringen, so der Bundespräsident weiter. „Dafür bin ich persönlich sehr dankbar.“
Gefreut habe sich der neue Pontifex auch über die Geschenke, vor allem über eine Spende für soziale Arbeit im peruanischen Chiclayo, in jener Diözese, in der Leo XIV. acht Jahre als Bischof tätig war, und eine Replik der Mariazeller Muttergottes. Auch eine „herzliche Einladung“ nach Österreich sprach Van der Bellen beim Besuch in Rom aus.
Die Kriege, insbesondere die dramatische aktuelle Lage am Arabischen Golf, die soziologischen Entwicklungen und die Religionslandschaft in Österreich sind im Anschluss Punkte, die die österreichische Delegation mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Außenminister Paul Gallagher thematisieren.
Bei Pilgern kommt er gut an
Erwartungsvoll auf Papst Leo blicken auch mehrere Tausend Pilger bei der Generalaudienz auf den Petersplatz – darunter eine Gruppe aus dem Seelsorgeraum Voitsberg. „Bei jedem Papst ist die Stimmung anders“, erzählt Pfarrer Martin Trummler. „Heute war sie positiv, freudig.“ Leo XIV. sei ruhiger als sein Vorgänger Franziskus, trotzdem herzlich und sympathisch. Für Trummler ist es die achte Audienz. „Das erste Mal war ich 1980 da, bei Johannes Paul II.“
Anders ist auch die Art und Weise der Audienz: Während Papst Franziskus das Manuskript immer wieder zur Seite legte, hält sich Papst Leo daran. Er hebt hervor, dass die Kirche die menschliche und die göttliche Dimension in sich vereine, und dass gerade in der Nächstenliebe die Gegenwart Christi erfahrbar sei. Seine Botschaft wird neben Italienisch auch in Französisch, Deutsch, Spanisch, Arabisch, Chinesisch, Portugiesisch und Polnisch vorgetragen. Pfarrer Trummler: „Diese Vielsprachigkeit ist ein Zeichen der Wertschätzung anderen gegenüber. Das ist für einen US-Amerikaner (Papst Leo kam im Jahr 1955 in Chicago zur Welt, Anmerkung) schon besonders.“
Mit der Gruppe ist auch Simone Kevric-Frühwirth unterwegs. Sie ist zum ersten Mal in Rom. „Die Audienz heute mit Papst Leo ist für mich der Höhepunkt der Reise.“ Sie habe das neue Oberhaupt der katholischen Kirche zwar schon öfters im TV gesehen, das sei jedoch nicht vergleichbar mit einer Audienz: „Als er mit den Papamobil durch die Reihen gefahren ist, hat er direkt vor uns gehalten, ein Kind auf den Arm genommen und ihm ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.“ Man habe gesehen, wie nah er den Menschen, den Kindern, den Kranken, den alten Menschen sei. „Das war wirklich faszinierend“, sagt die Pilgerin.