Nach der vorübergehenden Absetzung von Jimmy Kimmels Late Night Show durch den Sender ABC, der zum Walt Disney-Konzern gehört, gibt es den nächsten Boykott-Aufruf gegen einen US-Unterhaltungsriesen. Kein geringerer als Elon Musk schreibt auf seiner Plattform „X“: „Kündigt Netflix für die Gesundheit eurer Kinder.“ Dabei bezieht er sich auf eine Serie, die bereits vor fast drei Jahren abgesetzt wurde und der bisher eher wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden war.

Seit mehreren Tagen ist die zweiteilige Zeichentrickserie „Dead End: Paranormal Park“ aus dem Jahr 2022 im Fokus rechter Kreise in sozialen Medien. Die Erzählung dreht sich um zwei amerikanische Teenager, die in einem verfluchten Vergnügungspark Dämonen bekämpfen. Einer der Protagonisten ist Barney Guttmann, der sich als transgender outet.

„Trans Agenda“ als trojanisches Pferd

Ein Posting des Accounts „Libs of TikTok“ vom Montag ließ die Wogen hochgehen - er gehört der ultrarechten und LGBT-feindlichen Aktivistin Chaya Raichik. „Eine Show auf Netflix propagiert Transgender-Themen gegenüber KINDERN“, heißt es im Beitrag, der die Outing-Szene zeigt. Die Serie sei auf Netflix Kids für 7-Jährige beworben worden. Die tatsächliche Altersempfehlung auf Netflix ist 7+, also auch für Ältere.

Tesla-Chef Musk teilte den Beitrag am Dienstag und tobte: „Das ist nicht in Ordnung.“ Im Laufe der Woche bezog sich Musk auf „X“ immer wieder auf Netflix und die Serie, wie das queere Magazin „Them“ dokumentiert. So teilte Musk etwa mit, sein Netflix-Abo deswegen gekündigt zu haben, und rief schließlich am Mittwoch öffentlich zum Boykott gegen die Streamingplattform auf. Verbündete nutzen den Hashtag #CancelNetflix und zeigten etwa in einem Meme Netflix als trojanisches Pferd, das die „Transgender Woke Agenda“ versteckt zu „euren Kindern“ bringen würde.

Barneys Sprecher ist selbst trans

Musk hat mit seinen Postings eine neuerliche Hasswelle gegen queere Personen ausgelöst. „Dead End: Paranormal Park“ stammt aus der Feder des britischen Cartoonisten Hamish Steele, der laut Medienberichten in einem mittlerweile gelöschten Posting über „extrem böse, seltsame, homophobe und antisemitische E-Mails“ klagte. Nach Musks erstem „X“-Beitrag zur Netflix-Serie hatte Steele auf Bluesky geschrieben: „Das wird wahrscheinlich ein sehr seltsamer Tag.“

Die Stimme des Cartoon-Charakters Barney stammt vom US-Schauspieler Zach Barack, der selbst seit Jahren offen als Transmann lebt. „Wenn jemand mir dieses Fernsehprogramm als Kind gezeigt hätte, wären mir Jahre von Hass auf mich selbst erspart geblieben“, schreibt Barack auf „X“. Der Streamingdienst Netflix hat laut „Guardian“ bisher nicht Stellung zu Musks Aufruf bezogen. Vor zwei Jahren hatte ein non-binärer Bison in der Kinderserie „Ridley Jones“ für viel Aufregung gesorgt.

„Ich war noch nie glücklicher“

Im Ausschnitt aus der Serie sagt Barney zu seiner Freundin: „Ich bin trans, Norma. Und jeder in der Schule weiß das und jeder zuhause weiß das“, so der Protagonist der Netflix-Serie. „Ich kann einfach Barney sein und entscheiden, ob und wann ich das Menschen sage. Ich war noch nie glücklicher.“

Elon Musk fällt seit Jahren mit transkritischen Äußerungen auf. Für ihn gehören LGBT-Inhalte zum „Woke Mind Virus“, vor dem Kinder und Jugendliche geschützt werden müssten. Nach dem Outing seiner Tochter Vivian Wilson als Transfrau kam es zum Bruch mit ihrem superreichen Vater.