Ein Ort für konspirative Treffen, gesalzene politische Reden und deftiges Essen. Das alles fand man im Wienerwald. Wohlgemerkt nicht im Naherholungsgebiet der Wiener, sondern beim einst so beliebten Hendl-Griller ums Eck. Denn: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“, war über Generationen hinweg nicht nur ein Firmenmotto, sondern für viele Familien vor allem in Deutschland und Österreich Teil ihrer Realität. Auch wenn diese Zeiten längst vorbei sind, stehen die Wienerwald-Restaurants auch heute noch für ein Stück österreichische und süddeutsche Geschichte. Kaum jemand, der die rustikalen Gaststuben, die Hendl und den bekannten grünen Schriftzug nicht kennt.
Erneute Pleite
2003 musste das Unternehmen mit einer bewegten Firmengeschichte das erste Mal Insolvenz anmelden, nun ist die Restaurantkette erneut pleite. Das Handelsgericht Wien hat am Dienstag auf Antrag eines Gläubigers ein Konkursverfahren gegen die Wienerwald Restaurants-Gesellschaft m.b.H. eröffnet.
Begonnen hat der einstige Familienbetrieb, den manche als erste Fast-Food-Kette in Europa bezeichnen, als der gebürtige Linzer Friedrich Jahn 1955 sein Restaurant in der Amalienstraße in München eröffnete, das anfangs noch als „Linzer Stube“, dann als „Weinstube zum Wienerwald“ firmierte. Es folgten bald weitere Filialen in Süddeutschland. Das Unternehmen wuchs rasch zur erfolgreichsten europäischen Restaurantkette mit rund 700 Restaurants allein in Deutschland und Österreich. Seine Hochzeit hatte das Unternehmen in den 1970er Jahren. Weltweit betrieb die Kette damals rund 1600 Restaurants mit rund 30.000 Beschäftigten – von den USA bis Japan und Südafrika. Laut eigenen Angaben gingen in Spitzenzeiten 700.000 Hendl pro Tag über die Theke. Und auch an g‘schmackigen Geschichten mangelte es dem Wienerwald nie. So wurden konspirative Treffen der RAF in den 1970er anscheinend regelmäßig in Wienerwaldlokalen abgehalten, wie das frühere RAF-Mitglied Silke Maier-Witt in ihrer Autobiografie schreibt. Wo genau bleibt jedoch offen, denn es war immer der Wienerwald – den gibt es damals in jeder größeren Stadt. Berühmt wurde auch die „Wienerwald-Rede 1976 vom damaligen deutschen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß, der in einer deftigen Rede in der Wienerwald-Zentrale seinen Widersacher Helmut Kohl persönlich beleidigte.
Nicht nur ein Restaurant
Der Wienerwald war im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Am Zenit des Unternehmens folgten eigene Hotels, eigene Mastbetriebe und sogar ein Reiseunternehmen. Doch Mitte der 80er folgte der Absturz. Die rasche Expansion war in großen Teilen durch Kredite finanziert. Zudem verkalkulierte Jahn sich mit dem Einstieg bei US-Restaurantketten. 1982 folgten die erste Insolvenz, zahlreiche Verkäufe und geschlossene Lokale. So richtig konnte sich das Unternehmen davon nie erholen und auch die Wiederbelebungsversuche 2010 kamen nicht richtig in Fahrt. Nun könnte der Ofen endgültig aus sein.