Da staunten nicht nur Serienfans, als Netflix unlängst eine Neuauflage der Serie „Unsere kleine Farm“ (zwei Staffeln gratis auf Joyn) ankündigte. Wir schreiben das Jahr 1974, das Internet war eine Utopie, aber die Serie trotzdem schon ein alter Hut: In der Buchvorlage „Little House on the Prairie“ erzählt Laura Ingalls Wilder vom Leben einer Farmerfamilie im ausgehenden 19. Jahrhundert. Eine Westernserie mit Familienanschluss, die die klassischen Tugenden beschwört. Das Wort Patchworkfamilie war noch nicht geboren, aber am Abend saßen die Frauen des Hauses gerne zusammen, um Patchworkdecken zu sticken.
Zufall war das keiner, dass man eine Serie inszenierte, die der Unbill der Präriewelt – die gnadenlose Natur, ein entbehrungsreiches Leben mit harter Arbeit – Familienglück, ein eigenes Grundstück mit Haus, die Sicherheit der Gemeinschaft entgegenstellte. Die 1970er-Jahre, das klingt in der Retrospektive nach Disco, Hippies und weiten Schlaghosen. Die Realität war aber auch: Eine Ölkrise, die den Wirtschaftsaufschwung enorm bremste, Vietnam-Krieg, Kalter Krieg, aber auch ein aufkommendes Umweltbewusstsein, die Anti-Atomkraftbewegung nahm Fahrt auf, wie auch der Feminismus. Der lange ruhige Fluss, der war um ein paar flotte Stromschnellen reicher.
Der Ausgleich in turbulenten Zeiten, den lieferte die Serienwelt: Der „Western“ als überschaubarer Mikrokosmos, endlos in der Weite, aber begrenzt in der Problemstellung. Nicht zu vergessen, die Abhängigkeiten sind überschaubar, jeder hat seine Rolle, alles folgt den ausgetretenen Pfaden. Nicht zu vergessen, die Individualität wird zugunsten des Kollektivs zurückgeschraubt und die Kargheit lässt schnell mal eine Kleinigkeit als Überfluss erscheinen. Unterhaltung in einer ihrer beliebtesten Rollen – raus aus dem Alltag und rein in die überschaubare Gegenwelt.
Es ist kein Wunder, dass zur gleichen Zeit eine andere Familie im ländlichen Amerika die Wohnzimmer füllte: „Die Waltons“ (gratis auf Joyn), das waren ein baptistisches Ehepaar, ihre sieben Kinder, die Großeltern, ein Sägewerk und ihr Gottvertrauen. Am Ende des Tages folgte das Happy End mit „Gute Nacht, John-Boy“ in homöopathischer Dosis. Der Fiebertraum von der heilen Welt, er hat wieder Hochkonjunktur. Wobei die zweite Serien-Ankündigung dieser Tage eher die Hölle beschwört: Geht es nach dem US-Sender „Hulu“ soll Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao die 1990er-Jahre-Serie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ (Disney+) wieder aufleben lassen. Sarah Michelle Gellar hatte als Teenagerin nicht nur mit den Dämonen der Jugend, sondern auch mit diversen Höllengestalten zu kämpfen.
Das Smartphone war noch nicht erfunden, dafür war die Titelheldin standardmäßig mit dem Pflock ausgerüstet. Eine kluge Wahl, wenn deine Stadt direkt über dem Höllenschlund liegt. Nachdem jede Zeit ihre eigenen Dämonen hat, ist die Serie wohl auch heute am Puls der Zeit. Für damals war sie es auch aufgrund ihrer Hauptfigur, die als Vampirjägerin resolut dem Bösen begegnete. Da klopfte selbst den abgebrühtesten Vampiren das Herz bis zum Hals.