MG EHS im TestSo fährt der Plug-in-Hybrid zum China-Preis

Seit vergangenem Jahr ist die Marke MG in Österreich wieder auf dem Markt. Inzwischen in chinesischem Besitz und weitgehend elektrifiziert. Das Plug-in-SUV EHS stellt sich dem Test.

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Über acht Ecken verwandt: Der B war das mit Abstand meistverkaufte Modell der ersten MG-Ära, der Plug-in-Hybrid EHS steht für die Neuzeit © OLIVER WOLF
 

Kennen Sie dieses Gefühl? Wenn man jemanden trifft, den man aus den Augen verloren hatte und mit dem eigentlich nicht mehr gerechnet hätte. Diese Mischung aus dem Überraschungsmoment, der Erinnerung an das gemeinsam Erlebte und die Neugier darauf, was die Zukunft bringt. So fühlt es sich an, wenn man nach Jahren der Abwesenheit aus der hiesigen Autowelt plötzlich wieder den Schlüssel zu einem MG in der Hand hält.

Von 1923 bis 1980 stolzer Bestandteil der englischen Autoindustrie, ging es für die Marke Stück für Stück dem Ende entgegen, bevor MG 2005 ganz aus Europa verschwand – und jetzt mit einem Umweg über China wieder zurückkehrt. Seit vergangenem Jahr kann man die Produkte von SAIC Motors auch wieder in Österreich kaufen.

Das Cockpit ist fesch, praktisch und gut verarbeitet Foto © OLIVER WOLF

Und nein, um das gleich klarzustellen, nach China sieht der MG EHS weder außen noch innen aus. Er trägt das Design eines modernen kompakten SUV, gefällig und keinesfalls fantasielos geklaut. Der Innenraum ist sogar überaus gut gelungen, auch was die Auswahl der Materialien (auch Leder und Alcantara, fein gesteppt), die Verarbeitung und das Platzangebot angeht.

MG EHS PHEV

Preis: Ab 34.990 Euro. Der MG ist förderungsfähig.
Antrieb: 1,5-Liter-Turbobenziner, 119 PS, 250 Newtonmeter maximales Drehmoment, Elektromotor mit 90 kW, 230 Newtonmeter maximales Drehmoment, Systemleistung 258 PS, Batterie mit 16,6 kWh, 3,7 kW Ladeleistung (AC), Zehn-Gang-Automatikgetriebe.
Reichweite: 52 km elektrisch, 37 l Tank.
Verbrauch: 240 Wh/km, 1,8 l/km, 43 g CO2/km.
Maße: 4574/1685/1876 mm L/B/H, 2722 mm Radstand, 463 bis 1287 l Laderaum, ab 1737 kg Leergewicht.

Das Comeback illustriert das sich aus unzähligen Einzelteilen zusammensetzende, achteckige Logo auf den digitalen Armaturen beim Starten dramatisch. Das Infotainment spielt sich auf dem 10,1 Zoll großen Touchscreen ab und es spielt auch alle Stückln, wenn es auch nicht das Schnellste ist.

Ein wenig „Lost in Translation“ sind einige Funktionen des Infotainmentsystems: So prangt auf dem Bildschirm statt „Ein und Aus“, dem üblichen Gegensatzpaar, „Nahe und Aus“. Nichts, was ein Software-Update nicht einrenken würde.

Modellvorstellung: MG Marvel R und MG5

Der Autohändler Frey mit Stammsitz in Wien hat die Marke wieder ins Portfolio aufgenommen, um genau zu sein das vollelektrische Kompakt-SUV ZS EV. Nun haben Marke, Modell und der Vertrieb zur Denzel Gruppe gewechselt.

MG

Zwei weitere Stromer der Marke sind für dieses Jahr angekündigt: Schon im Mai soll das SUV namens MG Marvel R Electric in den Schauräumen stehen. Als Vertreter der Mittelklasse misst er in der Länge 4,67 Meter (Breite: 1,9, Höhe: 1,6 m) und verspricht mit einem Radstand von 2,8 Metern nicht geizig mit Platz für Passagiere zu sein. Und das Gepäck? 357 bis 1396 fasst der Kofferraum. Im Cockpit prangt ein 19,4 Zoll großer, vertikal verbauter Touchscreen, die digitalen Armaturen bringen es auf ein Format von 12,3 Zoll. 

MG

In der Version mit Allradantrieb hat das SUV drei Elektromotoren an Bord: einen an der Vorder- und zwei an der Hinterachse. Die spulen eine maximale Leistung von 212 kW (288 PS) und ein Drehmoment von bis zu 665 Newtonmetern ab. Es wird auch eine Variante mit Heckantrieb geben, die mit 150 Liter größerem Gepäckraum aufwartet.

MG

Die Reichweite soll bei mehr als 400 Kilometern liegen, die beim Schnellladen in 30 Minuten wieder um 80 Prozent aufgeladen werden können, wenn die Batterie leer ist. Zudem kann der Lithium-Ionen-Akku auch als Energiequelle für externe Verbraucher wie einen Elektroroller oder einen Laptop dienen.

MG

Als erster Elektro-Kombi der Welt tritt der MG5 Electric im Oktober seinen Dienst an. 4,5 Meter misst der Lademeister mit einem Laderaum von 578 bis 1456 Litern in der Länge (Breite: 1,8, Höhe: 1,5 m).

MG

Die Lithium-Ionen-Batterie findet bei einem Radstand von 2,7 Metern zwischen den Achsen Platz.

MG

Der Elektromotor liefert eine maximale Leistung von 135 kW (184 PS) und ein Drehmoment von bis zu 280 Newtonmetern. Die Reichweite soll bei mehr als 400 Kilometern liegen.

MG
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Die drei Hauptprotagonisten des Antriebsstrangs – 1,5-Liter-Turbobenziner, 10-Gang-Automatik (sechs Stufen für den Verbrenner, vier für den Stromer) und Elektromotor – versehen ihren Dienst anstandslos, ohne allerdings als Ausbund an Spritzigkeit in die Annalen der Firmengeschichte einzugehen.

Dennoch ist man mit der Systemleistung von 258 PS keineswegs untermotorisiert, den Antritt eines Sportwagens darf man von dem SUV allerdings nicht erwarten. Nicht erwarten würde man wiederum, wie laut der Elektromotor surrt, wobei auch der Vierzylinder kein Leisetreter ist.

Das SUV ist geräumig und optisch gefällig Foto © OLIVER WOLF

Rund 50 Kilometer schafft man mit vollem Akku rein elektrisch. Laden lässt man ihn am besten über Nacht, denn die 16,6-kW-Batterie zuzelt nur mit 3,7 kW. Also nicht gerade flott.

Über den Wendekreis breitet das technische Datenblatt nicht umsonst den Mantel des Schweigens. Wie auch immer: Für enge Manöver ist er zu groß, da heißt es ordentlich rangieren und kurbeln. Dafür kann das Fahrwerk überzeugen und auch die Lenkung hat Handschlagqualität.

Firmengeschichte von MG

  • Die Marke MG (Morris Garages) wird 1923 im englischen Oxford gegründet.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich MG mit den Modellen der T-Baureihen, aber vor allem MGA und MGB zum gefragten Sportwagenhersteller.
  • 1980 endet die Produktion am Stammsitz in Abingdon und bis 1991 heißen nur noch die Topversionen von Austins Modellen Metro, Maestro und Montego MG.
  • Nachdem es drei Jahre lang keinen MG auf dem Markt gegeben hatte, legt man 1993 den RV8 auf.
  • 1994 übernimmt BMW die Rover Group, zu der auch MG gehört, präsentiert 1995 den MG F.
  • 2000 wechselt die Marke in den Besitz der britischen Phoenix-Venture Group, die 2005 in Konkurs geht.
  • Die chinesische Nanjing Automobile Group übernimmt die Marke und wird wiederum 2007/2008 von SAIC Motors gekauft.
  • Seit 2020 wird die Marke MG in Österreich wieder verkauft. Die Palette besteht aus dem elektrischen SUV ZS, dem Plug-in-Hybrid EHS, dem Elektro-Crossover Marvel R und dem elektrischen Kombi MG5.

Ein bisschen weniger flott also, ein Alzerl weniger leise. Aber man muss das in Relation zum Preis setzen und wie viel Auto – von den Assistenzsystemen an Bord haben wir noch gar nicht gesprochen – man dafür bekommt. Unterm Strich lautet die Rechnung: schön, dich wieder zu sehen, MG.

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