Cheftester Walter Röhrl hat den Dacia Bigster so verdichtet: „Der Geruch einer Dumping-Marke hat sich längst verzogen, weil Dacia neben der ausgereiften Renault-Technik auch beim Design punktet.“

Kann man so stehen lassen, Dacia ist am Puls der Zeit unterwegs, und wir im Schlafwagen, Pardon Bigster.

Das mit dem Schlafwagen bezieht sich rein auf das Schlafpaket, wir rechnen einmal durch: 1716 Euro, namentlich für den „dieses Schlafpaket aus dem InNature-Zubehörsortiment“, wie Renault es nennt, plus Matratze (330 Euro), macht ein bissl was über 2000 Euro für die Einlegerwohnung. Baulich schaut‘s auf den ersten Blick filigran aus, ich hätte doch meine Diät durchziehen sollen. Hält das 90+ aus? „Riga Form und Riga Birkensperrholz“ schauen so zierlich aus, ein paar Holzspäne liegen auch schon im Auto, die Vortester waren wohl weniger zimperlich als ich.

Der Bigster kann‘s, nur ich bin unbegabt

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Mein Problem: Ich bin denkbar unbegabt, was Bastelarbeiten betrifft. Fragen Sie meinen Vater, der wird das vollinhaltlich und kopfschüttelnd bestätigen. Also, bevor ich Hand anlege und die Box zu ihrer vollen Größe (190 cm lang, 130 cm breit) ausklappe: Youtube. Nur, das ändert nix an meinem Untalent. Ich erklär‘s einmal so: Hintere Sitze umlegen, Vordersitze nach vorne schieben, die Sperrholzunterkonstruktion ausklappen, und ähnlich einer Ziehharmonika in die Länge ziehen. Die Oberflächenkonstruktion aus der Box ausklappen, auflegen.

Zwei Teile sind mir zuerst übrig geblieben, passiert mir immer beim Basteln, weiß ich von Ikea. Nach den ersten Nächten wusste ich, warum: Man kann die Sperrholzkonstruktion (Oberseite/bei den Vordersitzen) auch verbreitern, dazu dienen zwei Stützstreben, die bei mir nutzlos auf den Vordersitzen übernachtet haben.

Klaustrophobisch sollte man im Bigster nicht sein

Aber wie schläft es sich nach einem langen Fliegenfischertag in der Natur? Es liegt sich nicht unbequem. Ungewohnt ist die niedrige Höhe, klaustrophobisch sollte man nicht sein, sonst wird das nichts mit dem entspannten Schlafen. Die Matratze ist okay, aber unsereins hat auch die perfekte Polsterung mit 90+, da kann nichts schiefgehen. Erstaunlich bleibt, wie robust die Konstruktion ist, samt Abdunkelung (blickdichte Verdunkelungsrollos, 220 Euro), da liegt man in einer richtigen Schlafhöhle.

Honeymoon-Gefühl sollte bei Doppelbelegung verinnerlicht sein

Zu zweit sollte man Honeymoon-Stimmung auf Dauer verinnerlicht haben, sonst wird jedes Umdrehen zur Zerreißprobe für eine Beziehung. Interessant bleibt, wie schlau das Ganze aufgebaut ist, wenn man weiß, wie‘s geht.

Dacia hat ja ein ganzes Camping-Portfolio im Programm, das Heckzelt um 425 Euro misst gleich einmal 5,60 Meter in der Länge (offizielle Daten: „Schlafbereich 210 x 220 cm, Vorraum 70 x 220 cm und Vorzelt 100 cm, Innenhöhe 170 cm, Belüftung durch die Haupttür, die beiden Seitentüren und die Fenster auf beiden Seiten des Schlafbereichs“). Da wird der Camping-Urlaub schon einmal zum Herrschaftsurlaub.

Wer glaubt, dass man es alleine nur für einen One-Night-Stand im Bigster aushält, der irrt. Da geht sich eine längere Beziehung mit dem Bigster aus. Unsereins hat sich rasch an die Schlafhöhle schnell gewöhnt, es bekommt etwas Selbstverständliches, auch wenn das Dach zuerst sehr, sehr nahe erscheint.

Aber das Schlafpaket ist einfach praktisch. Einsteigen, schlafen, mittags im Schatten, des Nächtens am Campingplatz. Und, weil die Sperrholzkonstruktion unter dem Hauptkubus Stauraum besitzt (rund 200 l) und man am Wagenende einen Holztisch fürs Arbeiten, fürs Jausnen, oder einen schnellen Kaffee ausklappen kann. Wir würden uns jetzt auf dieses Tischerl nicht draufsetzen (90+, eh schon wissen), aber Computer, Kaffee – kein Problem. Da hängt man gerne noch eine Nacht dran.