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JAGUAR-DESIGNER IAN CALLUM IM INTERVIEW„Wir wollen nicht anonym am Ziel ankommen“

Jaguar-Chefdesigner Ian Callum hat den in Graz gebauten Elektro-SUV I-Pace kreiert: ein Gespräch über die Zukunft des Autodesigns - und warum Autos schön bleiben müssen.

Jaguar-Designer Ian Callum © JLR
 

Herr Callum, Sie haben schon mit 14 Jahren Ihre ersten Design-Ideen an Jaguar geschickt.
IAN CALLUM: Nein (lacht), ich war erst 13. Ich bekam ein Schreiben als Antwort, das war im März 1968. Und 50 Jahre später, auf den Tag genau, haben wir den I-Pace präsentiert.

Sie sagen, der I-Pace könnte das Auto der Zukunft definieren. Elektroantrieb, mehr Platz im Innenraum aufgrund des Antriebs . . .
IAN CALLUM: . . . diese Art von Auto könnte die klassische Limousine ersetzen. Das Endresultat I-Pace ist viel stärker, als ich dachte - durch die Proportionen, das Cab-forward-Design und die Platzmöglichkeiten, die wir durch den E-Antrieb haben. Jaguar wird weitere E-Autos bauen. Der I-Pace wird alles beeinflussen. Das Design wird bei uns in Zukunft radikaler werden.

Modellvorstellung: Jaguar I-Pace

Der in Graz bei Magna Steyr gebaute Jaguar I-Pace mit einer Reichweite von bis zu 480 Kilometern, die er im neuen und realitätsnäheren Zyklus WLTP eingefahren hat. Dafür verantwortlich zeichnet die Lithium-Ionen-Batterie mit 90 kW Leistung. Sie speist zwei Elektromotoren, von denen je einer in die Vorder- und die Hinterachse dies- und jenseits der Batterie integriert ist.

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Der Allradantrieb bringt die maximale Power von 400 PS und 696 Newtonmetern Drehmoment auf die Straße, was in einem Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden mündet. Zudem stellen die Briten in Aussicht, dass man die Akkus an einer 100-kW-Schnellladesäule in 45 Minuten auf 80 Prozent laden kann. Wer nur 15 Minuten Zeit hat, bringt immerhin noch Strom für 100 Kilometer zusammen.

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Mit einem Radstand von 2990 und einer Länge von 4682 Millimetern beansprucht der Crossover ähnlich viel Verkehrsfläche wie Jaguars SUV F-Pace – und bietet zugleich das Platzangebot eines Modells der nächsthöheren Klasse.

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Möglich macht das die neue Bodengruppe, die ohne Kardanwellentunnel auskommt. Dafür gibt es ein 10,5 Liter großes Staufach und eine Beinfreiheit für Fondpassagiere von 890 Millimetern. Das Kofferraumvolumen liegt bei 656 Litern und lässt sich auf bis zu 1453 erweitern.

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Die bündig in die Türen eingelassenen Griffe fahren wie beim Range Rover Velar erst auf Berührung oder Druck auf die Fernbedienung aus. Sie tragen ebenso zur Windschlüpfigkeit mit einem cw-Wert von 0,29 bei wie die optional angebotene Luftfederung. Bei damit ausgerüsteten Modellen wird die Karosserie um 10 Millimeter abgesenkt, wenn der I-Pace über eine längere Zeit mit 105 km/h fortbewegt wird.

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Einen konventionellen, also mit Unterdruck arbeitenden Bremskraftverstärker haben die Briten durch einen elektrischen „Booster“ ersetzt. Der Fahrer kann über den Touchscreen im Innenraum verschiedene Stufen der Energierückgewinnung (Rekuperation) wählen.

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In der höchsten Stufe ist die Verzögerungswirkung so stark, dass der Fahrer den Jaguar allein mit dem Gaspedal steuern und die Fußbremse dabei fast ganz ignorieren kann. In sehr dichtem Verkehr ist es darüber hinaus möglich, die Kriechfunktion zu deaktivieren. Der Fahrer kann dann allein durch Lupfen des Gaspedals abbremsen.

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Ist es draußen kalt, kümmert sich eine Wärmepumpe um das Beheizen des Innenraums. Sie nutzt die Wärme der Umgebungsluft und die Hitzeabstrahlung der Wechselrichter und weiterer Elektronikkomponenten, es wird also keine Energie aus der Batterie abgezogen.

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Die neue Mensch-Maschine-Schnittstelle namens „Touch Pro Duo“ besteht aus zwei auf der Mittelkonsole angebrachten HD-Touchscreens mit zehn und fünf Zoll. Damit die Augen auf der Fahrbahn bleiben, projiziert ein vollfarbiges Head-up-Display wichtige Informationen in die Windschutzscheibe. Es wird unterstützt durch das zwölf Zoll große, interaktive Instrumentendisplay.

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So genannte Smart Settings passen sich über Algorithmen mit künstlicher Intelligenz an die individuellen Vorlieben des Fahrers an. Das System identifiziert unterschiedliche Fahrer automatisch anhand ihres Autoschlüssels und ihres Telefons und kann somit verschiedene Einstellungen für jedes Fahrerprofil speichern.

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Die Folge: Einstellungen der Klimaautomatik, der Rückspiegel, der Medien oder der Sitze werden bei jedem neuen Einstieg ins Auto automatisch ausgeführt.

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Über den 4G Wi-Fi Hotspot lassen sich bis zu acht Geräte gleichzeitig drahtlos mit dem Internet verbinden. Zudem stehen USB-Ladepunkte für alle fünf Insassen zur Verfügung. Zudem liest einem der Sprachdienst Amazon Alexa die Wünsche von den Lippen ab.

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Andere Hersteller bauen Extra-Marken für ihre E-Autos auf, die anders aussehen als die mit Verbrennungsmotor angetriebenen Modelle. Im Gegensatz zum I-Pace, der klar als Jaguar wieder zu erkennen ist, obwohl er eine neue Ära darstellt.
IAN CALLUM: Es ergibt bei uns keinen Sinn, eine Submarke zu kreieren. Unsere Geschichte gibt uns vor, dass wir schöne High-Performance-Autos machen.

Wie stark wird das autonome Fahren das Design der Zukunft beeinflussen? Werden wir alle in gleichartigen Autos unterwegs sein, so wie sich unsere Handys heute im Design alle ähneln?
IAN CALLUM: Die Idee vom autonomen Auto wird die Innenräume der Fahrzeuge verändern, aber das Auto wird kein Wohnzimmer werden, weil es immer noch ein Objekt sein wird, das sich schnell bewegt. Aber: Menschen werden trotzdem schöne Autos haben wollen, mit denen sie fahren und ankommen. Wir wollen nicht autonom und anonym am Ziel ankommen.

ZUR PERSON

Ian Callum (geboren 1954 in Schottland) gehört zu den einflussreichsten Autodesignern der Welt. Er arbeitete stilprägend für Ford, Aston Martin und hat als Chefdesigner von Jaguar die Marke erfolgreich neu ausgerichtet.

Das autonome Auto wird das Design auch beeinflussen, weil es durch die Technik weniger Unfälle geben soll.
IAN CALLUM: Es wird noch lange dauern, ehe autonome Autos in der Mehrheit sind. Und selbst dann wird es Menschen geben, die mit anderen Autos unterwegs sind. Wir werden uns beim Design eher damit befassen, wie sie genutzt werden, als mit dem Thema, wie sie aussehen. Mein Gefühl sagt mir, dass ein Ein-Box-Auto stilprägend sein wird. Noch einmal: So ein Auto wird auch schön sein müssen.

Die Autowelt verändert sich, viele reden schon vom Ende des klassischen Autos. Wird das letzte Auto, das designt wird, ein Sportauto sein, wie Ferry Porsche einst prophezeite?
IAN CALLUM: Es wird ein Sportauto sein, ja. Egal, wie gut man einen SUV heute machen kann oder ein anderes Auto: Es ist ein Sportauto mit zwei Sitzplätzen und Performance. Darum geht es letztlich.

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