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ELEKTROAUTOSSono Sion: So fährt ein E-Auto um 16.000 Euro

Sono Motors umgeht mit dem Sion zwei Probleme der Elektromobilität. Eine einfache Bauweise drückt den Preis auf 20.000 Euro. Und dank der zum Kraftwerk umfunktionierten Karosserie verlieren lange Ladezeiten ihren Schrecken.

Der Sion des deutschen Start-ups Sono Motors © SONO MOTORS
 

Schattenparken kommt für Sion-Fahrer nicht in Frage. Man hat ja schließlich nichts zu verschenken. „Unser Designer ist mit dieser Idee zehn Jahre lang von Vorstandsetage zu Vorstandsetage gegangen und keiner wollte es machen“, erzählt Julius Zimmer von Sono Motors über eine Eigenschaft des Sion, die ihn von allen anderen Elektroautos abhebt: Seine Karosserie ist zu großen Teilen mit Solarzellen beplankt und könnte damit klassische Pendlerfahrten revolutionieren. „Wir verwenden sehr hochwertige Zellen mit hohem Wirkungsgrad, die sogar diffuses Licht verarbeiten können. Damit schaffen wir es, die Reichweite pro Tag um 30 Kilometer zu steigern.“ Mehr also, als der durchschnittliche Österreicher am Tag mit dem Auto zurücklegt.

Modellvorstellung: Sono Sion

Nein, das Design ist es wahrlich nicht, das uns an dem 4,11 Meter langen Sion des Münchner Start-ups Sion fasziniert, sondern zu allererst der Preis. 16.000 Euro sind für den Sion an sich hinzublättern.

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Die 30-kWh-Batterien, die für eine Reichweite von 250 Kilometern gut sein sollen, kann man entweder gegen einen monatlichen Tarif mieten oder man kauft sie für eine Summe von weniger als 4000 Euro dazu.

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109 PS leistet der Elektromotor maximal, was für autobahntaugliche 140 km/h ausreicht. Auch die 500 Liter Kofferraum klingen alltagstauglich. Der Marktstart ist für 2019 anvisiert: Insgesamt benötigt das Unternehmen 5000 Reservierungen, um rechtzeitig mit der Serienproduktion zu starten. 1500 lagen bereits vor der Präsentation des Solarautos vor.

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Spannend ist die Selbstladefunktion namens „viSono“: Über die insgesamt 7,5 Quadratmeter auf der Karosserie erzeugen an einem wettertechnisch günstigen Tag bis zu 30 Kilometer. Schnellladefähig (50 kW) sind die Lithium-Ionen-Akkus auch.

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Clever ist auch das System namens „biSono“: Es erlaubt es dem Betreiber, den Strom aus der Batterie des Fahrzeugs zu entnehmen und weiteren Nutzern anzubieten. Mit einem Output von 6,6 kW lassen sich auch andere Elektroautos, aber auch Haushaltsgeräte laden.

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Und wenn man sogar den Strom teilen kann, verwundert es nicht, dass Sono Motors die Zukunft der Mobilität im Sharing-Bereich ortet. Der Sion wird deswegen ab Werk mit drei Mobilitätsdiensten ausgestattet sein: PowerSharing, CarSharing und RideSharing. Am 18. August startet der Sion auf eine Probefahrten-Tour durch Europa, die Stationen in mindestens zwölf Städten und sieben Ländern vorsieht.

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Aber wer steckt eigentlich hinter dem Projekt: Der Grundstein für Sono Motors haben Laurin Hahn und Jona Christians mit der Entwicklung eines Prototypen vor vier Jahren gelegt, bevor sie gemeinsam mit Navina Pernsteiner das Unternehmen gegründet haben. Im August 2016 startete die Crowdfunding-Kampagne, bei der statt der angepeilten 250.000 Euro rund 750.000 zusammenkamen. Auch Großinvestoren aus der Industrie sollen dahinter stehen.

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Und nicht nur das: Der Sion kann den Strom aus seinen Akkus auch abgeben. „Die 220-Volt-Steckdose dient zum Beispiel dazu, sein E-Bike aufzuladen, oder am Strand eine Kühlbox anzuschließen. Vor allem Handwerker waren von dieser Idee besonders angetan, da sie ihre Geräte anschließen können, egal wo sie gerade arbeiten.“

Doch wer ist Sono Motors eigentlich? 2012 gegründet von Laurin Hahn und Jonas Christians, diente als erstes Versuchsobjekt ein alter Renault Twingo, dem man einen Elektromotor und Solarpaneele verpasste. Als die Münchner das Potenzial erkannten, begannen sie, die Sache seriös aufzuziehen und starteten im Juni 2017 eine groß angelegte Crowdfunding-Aktion. Der Erfolg war überragend: Die 3900 Vorbestellungen spülten 850.000 Euro in die Kassen. „Damit konnten wir die ersten zwei Prototypen finanzieren.“

Die erste Probefahrt im Sion offenbart Erstaunliches: Alles sitzt und passt erstaunlich gut, die 35-kWh-Batterien liefern genug Leistung für ansprechenden Vortrieb, und die Straßenlage ist das, was man durchaus als erwachsen bezeichnen kann. Betrachtet man die Schalter und Bedienelemente, wird schnell klar, warum: Zwar ist der Spaceframe-Rahmen aus Aluminium eine Eigenkonstruktion, zahlreiche Komponenten – von der Radaufhängung bis zum Wählhebel – stammen aber vom BMW i3. „Teile zuzukaufen, anstatt sie zu entwickeln, spart jede Menge Geld“, ergänzt Zimmer. „Und wir wollen den Sion ja für 16.000 Euro anbieten können.“ Ohne Akkus, wohlgemerkt, denn deren Preise sind noch ein echter Knackpunkt. Vorsichtig setzt man die Kosten mit 4000 Euro an, zu sehr schwanken die Preise.

Die Köpfe hinter dem Sono Sion: Jona Christians, Navina Pernsteiner und Julius Zimmer Foto © SONO MOTORS

Doch bis zum Serienstart Ende 2019 ist noch viel zu tun. Beim Design ist noch nicht das letzte Wort gesprochen und auch der Motor soll vom Heck unter die vordere Haube wandern, damit der Kofferraum – bereits jetzt mit 600 Litern alles andere als bescheiden – noch ein Stückchen größer wird. Beim Gewicht bleibt man bei knapp 1,4 Tonnen, was in Kombination mit dem 80 kW starken Motor nach dem NEFZ-Messprozedere eine Reichweite von 300 Kilometern ergibt. „Aber wir haben diesen Wert freiwillig auf 250 Kilometer herabgesetzt“, so Zimmer. Und damit ein so niedriger Preis sich überhaupt ausgeht, musste auch der Vertrieb neu erfunden werden: Es gibt nämlich keinen mehr. Gebaut wird nur auf Bestellung und ausgeliefert ausschließlich in Bremerhaven – ganz im Sinne der Umwelt. Zimmer: „Schließlich verursacht auch die Produktion von Autos, die sich in Schauräumen die Reifen platt stehen, CO2.“

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Danke für Ihr Verständnis.

Geerdeter Steirer
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Junges dynamisches Projekt,

durch Idealismus geprägt hat dies sicherlich Zukunft, nebenbei ist der Griff in die Schublade von BMW i3 zwecks der Teile sicher von Vorteil geprägt da auf ausgereiftes Material zugegriffen werden kann.

Vom Fernverkehr (Langstrecke) braucht nicht gesprochen werden, für den normalen Alltagsgebrauch beim Hin und Retour sowie den Einkauf des normalen Arbeitervolkes ideal finde ich.

Das Marketing, der Verkauf und die Übernahme des Fahrzeuges scheinen ebenfalls sehr durchdacht und simpel gestaltet zu sein was positiv und zuversichtlich stimmt.

Ohne Vorschußlorbeeren zu verteilen kann ich dem Sono-Team nur gratulieren und hoffen das sie den Erfolg einfahren und für sich verbuchen können.

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scionescio
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Der i3 wird von BMW demnächst eingestellt ...

... weil sich das Konzept wie von Fachleuten als viel zu teuer, wenig haltbar und damit als kaum verkaufbar herausgestellt hat - viel Spaß mit der Wartung und der Ersatzteilversorgung;-)

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scionescio
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Egal, wie ich es rechne, aber 4kWh mit der geringen Fläche in Europa pro Tag zu erzeugen ...

... scheint mir nobelpreisverdächtig - nach dazu, wo die PV Module an den Türe senkrecht stehen.

Oder wird da wieder einmal versucht, naiven Menschen was vorzugaukeln?

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scionescio
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@Neindrücker: Kannst du mir bitte vorrechnen, wie du die 4kWh mit den Solarzellen erzeugst?

Ich würde gern mein Fachwissen ergänzen/erweitern!

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scionescio
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@Neindrücker: Ein einfaches "Ich habe keine Ahnung, aber aber ich klicke aus Prinzip auf "Nein" wenn mir etwas nicht passt" hätte auch gereicht ...

Vielleicht gehörst du ja auch zu den Vorbestellern und möchtest nicht daran erinnert werden, dass Physik und unrealistische Werbeversprechen zwei paar Schuhe sind ...

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