ALTERNATIVE ANTRIEBEWarum der Diesel-Erdgas-Motor die Zukunft sein könnte

Kann Erdgas den Dieselantrieb ersetzen? Techniker sagen Nein - und arbeiten am Diesel-Erdgas-Motor. Denn Erdgas soll zum Zukunfts-Treibstoff werden.

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Der Dieselskandal war der beste Turbo für den Erdgasantrieb. Der Selbstzünder hat viel vom guten Image verloren - verliert er aber an Boden, haben die Konzerne schon einen Ausweg gefunden: Der Erdgasantrieb ist die einfachste Option, um den ab 2020 geltenden Grenzwert von 95 Gramm CO2 pro Kilometer einhalten zu können. Schaffen sie das nicht, drohen Milliardenstrafzahlungen. Das wollen sie vermeiden und versuchen ihre Erdgasflotte auszubauen oder in Schwung zu bringen.

Wie fährt ein Erdgasauto?

CNG-Fahrzeuge werden standardmäßig mit Erdgas betrieben und können ohne Umschalten mit dem in einen anderen Tank gefüllten Benzin gefahren werden (hohe Reichweiten). Fahrgefühl? Wie bei einem herkömmlichen Auto.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Von Erdgas (CNG) angetriebene Autos werden von Kunden nur zögerlich angenommen, viele bemängeln auch die Infrastruktur. Dabei ist der Erdgasantrieb erprobt sowie sicher und watscheneinfach zu bedienen. Man kann mit Benzin und Erdgas fahren, ein Seat Leon kommt so auf Reichweiten von 1300 km. Erdgas ist außerdem umweltfreundlicher: mit bis zu 25 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß als ein Benziner und mit bis zu 75 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen als ein Diesel. Dazu kann man Geld sparen, weil Erdgas als umweltfreundlicher Kraftstoff gilt und steuerlich bevorzugt wird.

Wie viel spart man?

Andrew Shepherd, Leiter der Abteilung für Erdgasprodukte von Seat, rechnet vor: „Bis zu 35 Prozent Ersparnis sind im Vergleich zu den Treibstoffkosten eines Diesels, bis zu 50 Prozent Ersparnis im Vergleich zu einem Benziner drin.“

Andrew Shepherd, Leiter der Abteilung Erdgasprodukte bei Seat, sagt: „Bis zu 35 Prozent Ersparnis sind im Vergleich zu den Treibstoffkosten eines Diesels, bis zu 50 Prozent Ersparnis sind im Vergleich zu einem Benziner drin.“ Und in Ländern mit Fahrbeschränkungen kann man mit Erdgasautos auch dann noch in die Stadt, wenn die anderen Benziner und Diesel schon längst draußen bleiben müssen.

Neue Spezialtechnik. Trotzdem glaubt kein Techniker, dass der Erdgasantrieb den Diesel über kurz oder lang ersetzen wird. Viel wichtiger schätzen Experten wie Helmut Eichlseder von der TU Graz die Kompatibilität von Erdgas ein. Dieser Kraftstoff kann nicht nur wie bisher abwechselnd mit Benzin in Motoren verbrannt werden. Längst wird an Motoren geforscht, die etwa Diesel und Erdgas kombinieren können. Von diesen sogenannten Dual-Fuel-Systemen verspricht man sich weitere hohe Emissionsreduktionen.

Wo gibt es Tankstellen?

Infrastruktur als Diskussionsthema: Laut der Homepage erdgasautos.at gibt es aktuell 160 Tankstellen mit CNG-Zapfsäulen in Österreich - einen Überblick erhält man auch über diverse Apps. Über 7000 Erdgasautos sind derzeit in Österreich unterwegs.

Beim Erdgas-Diesel geht es zum Beispiel darum, den hohen Wirkungsgrad des Dieselmotors mit dem Kohlendioxid-Einsparungspotenzial von Erdgas zu kombinieren. Der Diesel wird dabei anstatt einer Zündkerze als ein Zündstrahl verwendet, um das (höher verdichtete) Erdgas zu entzünden.

Es gibt bereits gute Erkenntnisse zu dieser innovativen Diesel-Erdgas-Technik, aber auch Problemzonen: Die Abgasnachbehandlung ist schwierig, vor allem hinsichtlich der Methan-Emissionen im Teillastbereich. „Erdgas hat eine hohe Treibhausgas-Relevanz. Die Abgase haben bei dem System eine relativ niedrige Temperatur - damit ein Katalysator für Erdgasmotoren effizient arbeitet, braucht man Abgastemperaturen von 450 Grad.“ Das System funktioniere bei diesen neuen Dual-Fuel-Konzepten derzeit vorwiegend auf Autobahnen, weil man hier auch in einem höheren Lastbereich fährt, aber nicht in Städten mit Stop- and-go-Verkehr. Eichlseder geht davon aus, dass dieses Dual-Fuel-System in fünf bis acht Jahren in der Lkw-Branche verwendet werden könnte. „Bei Personenkraftwagen ist das noch nicht absehbar.“

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