Der Heimaturlaub in der Südsteiermark ist erst ein Wochen her. Karl Neuhold (60) sitzt in Mlada Boleslav, dem Stammsitz von Skoda, und schaut auf seine Werke, die die Fertigungshallen von Skoda verlassen. Seit 2006 gibt er als Chef des Exterieur Designs Skoda ein Gesicht. Vor der Südsteiermark war er in München, hat die Zukunft Skodas mit der Vision O gezeigt. Ein Rastloser.
Von knapp 478.000 Autos, die Skoda bei seinem Amtsantritt vor fast 20 Jahren verkauft hat, ist die Marke aus dem VW-Konzern auf über eine Million gestiegen. Aber wenn er erzählt, schimmert seine Bescheidenheit immer wieder durch. „Ich bin nur ein Rädchen im Getriebe. Ich bin so dankbar, in so einem Team zu arbeiten. Ich habe hier meinen Traum erlebt und bin angekommen.“ Das ist authentisch, nicht aufgesetzt, jeder in der Szene weiß, dass Neuhold tatsächlich so empfindet.
Nebenbei erwähnt er, dass er schon „ein Suchender“ war. Neuhold studierte Theologie, Maschinenbau, dann Industriedesign in Linz und am Royal College of Art, wo er den Master machte. Audi, Wolfsburg waren Stationen, ehe er bei Skoda begann. „Ich sehe Automobildesign gesamtheitlich, für mich ist Design kein Selbstzweck, das Gesamtkonzept jedes unserer Modelle muss unsere Kunden überzeugen. Es soll attraktiv und zeitlos modern sein, im täglichen Gebrauch mit viel Raum und hoher Funktionalität überzeugen und vor allem leistbar sein. Wenn alles zutrifft, dann sind alle happy.“
Gibt es ein Weltauto?
Der Superb Kombi war sein erstes Auto, es folgten die großen Namen. Für Indien designte er samt Team eigene Ausgaben, mit Respekt für die Kultur vor Ort. Im Innenraum ließ man Platz für indische Gottheiten, weil das dem indischen Autolenker wichtig ist.
Das Weltauto, das alle Geschmäcker weltweit erfüllt, gibt es für Neuhold nicht. „Ein Weltauto zu kreieren, haben schon viele versucht. Aber wenn ein Auto überall ankommen soll, wird es zu gewöhnlich und inhaltslos. Ein Weltauto setzt sich für mich zum Schluss nur aus Allgemeinplätzen zusammen. Das funktioniert nicht.“ Wichtig ist für ihn eine klare Marken- und Produktidentität. „Die Marke Skoda ist durch ihre Produkte definiert. Das sollte man auch zeigen, unsere Autos sind gleichsam die Botschafter einer tschechischen, unserer europäischen Kultur.“
Er hat Designbegriffe für und mit Skoda geprägt (kristallines Design, Modern Solid), aber er hat kein Lieblingsauto. „Jedes Modell, das wir gemeinsam entworfen haben, hat seine eigene Entwicklungsgeschichte, besitzt seinen eigenen Charakter. Man liebt jedes auf unterschiedliche Weise, wie ein Kind. Aber man liebt sie. Am schönsten ist es, wenn ein Auto nach zehn Jahren auf der Straße noch nicht so schnell gealtert ist.“
Für die E-Mobilität habe man die Formensprache aufgebrochen, für die Transformation zur E-Mobilität die Formensprache Modern Solid entwickelt. „Aber wir dürfen nicht zu destruktiv sein, sonst findet der Kunde sein Bild von Skoda nicht mehr.“ Enyaq, Elroq entsprechen dieser Philosophie.
„Nie“ habe er von so einer Karriere geträumt, wiederholt Neuhold. Ein Abfallkübel für den öffentlichen Raum war eine der ersten Arbeiten im Studium, oder ein Müllwagen, erinnert er sich schmunzelnd.
„Man sollte immer seinen Träumen folgen. Alles was ich gemacht habe, war nicht umsonst. Ich habe auch durch das Theologiestudium gesamtheitliches Denken gelernt, auch das Maschinenbaustudium hat mich weitergebracht“, sagt er. „Wenn man Ideale anstrebt und sich selbst nicht so wichtig nimmt, versteht man, so ein Autodesign ist nicht das Werk eines Einzelnen. Von der ersten Skizze bis zur Serienfertigung geht es durch tausende Hände. Ich habe Respekt für jeden unserer Mitarbeiter.“