Über Vorgänge wie diese redet man in der FPÖ lieber im Off. Parteiausschlüsse sind schließlich nichts, womit man profitieren kann. Weder bei potenziellen Wählerinnen und Wählern – die würden sich in Vorurteilen bestätigt fühlen. Noch bei den eigenen Parteigängern – denn nicht allen gefällt, wenn die sonst so geschlossenen Reihen brechen.

Entsprechend knapp fiel am Donnerstagabend die Information aus, dass Viktor Erdesz aus der FPÖ ausgeschlossen wurde. Das Gespräch mit ihm habe am 17. Juli stattgefunden, der Ausschluss im Landesparteivorstand einstimmig bestätigt. Vorangegangen sind diesem Schritt Berichte mehrerer Medien über die Verstrickungen des gebürtigen Deutschen in die rechtsextreme Szene in Deutschland und Österreich.

„Erwin Angerer hat gesagt, dass er da nicht anstreifen will und damit war die Sache bald vom Tisch“, erzählt ein Sitzungsteilnehmer.

Ausschluss gilt nur für FPÖ

Wobei: So rasch könnte die Geschichte vielleicht doch nicht vom Tisch sein. Denn: Die Freiheitliche Jugend ist ein eigenständiger Verein. Von außen betrachtet wirkt sie wie der Parteinachwuchs, strukturell gibt es aber keine Überschneidungen. „Weder sind wir als Partei in deren Strukturen abgebildet noch sie bei uns. Es gibt vielleicht Mitglieder, die als Funktionäre bei Ortsparteien eingebunden sind und somit Delegierte am Parteitag. Aber eine Verschränkung gibt es nicht“, erklärt ein Partei-Insider. Erdesz ist also aus der Partei ausgeschlossen, aber immer noch Obmann der Freiheitlichen Jugend. Eine Situation, die an den Wiener Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck erinnert, den zwar keiner mehr in der ÖVP haben will, der aber – gestützt von Getreuen – nicht daran denkt, seinen Platz als Chef des ÖVP-Wirtschaftsbunds zu räumen.

FPÖ-Landesparteiobmann Erwin Angerer
FPÖ-Landesparteiobmann Erwin Angerer © APA / Wolfgang Jannach

Wie gedenkt die Partei nun also mit Erdesz umzugehen? Partei-Chef Erwin Angerer erwartet sich, „dass man auch dort nachdenkt“. Wobei er die Rolle der Freiheitlichen Jugend nicht überbewerten will. „Parteinachwuchs gibt es bei uns in den Ortsparteien. Dort kennt man auch die Leute, da sollen sie Politik lernen.“ Erwartet er sich weitere, ähnlich gelagerte Fälle in der Partei wie jenen von Erdesz? „Wir können nicht für jeden, der in die Partei eintritt einen Detektiv engagieren. Aber wenn wir Dinge erfahren, sieht man, dass wir das rasch lösen, wie in diesem Fall.“