Dass am Dienstag viele dunkelrote Leiberln die Grazer Innenstadt prägten, kam nicht von ungefähr: Hunderte Fans aus Schottland begleiteten ihren Fußballverein „Heart of Midlothian“ zum Match gegen den SK Sturm – und fühlten sich in den Gastgärten der steirischen Murmetropole offenbar pudelwohl. „Kein Wunder: angenehm warm, leichter Nieselregen, eigentlich perfekt“, schmunzelte Dieter Hardt-Stremayr. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Chef von Graz-Tourismus gut und erleichtert lachen, zeigten doch die ganz frischen Bilanzzahlen, dass selbst die enorme Hitze im Juni den Zustrom der Besucher nicht bremste. „Davor hatten wir Federn“, so der oberste Touristiker. Es kam aber ganz anders – im Juni und überhaupt.

Plus 8,6 Prozent

Denn im ersten Halbjahr 2026 wurden in Graz insgesamt 667.462 Nächtigungen verzeichnet, also um 8,6 Prozent mehr als im selben Zeitraum im bisherigen Rekordjahr 2025. Dabei haben gerade Steigerungen bei den Betthupferln für Gäste aus Österreich, Deutschland und Italien geholfen. Dass also öfter ein Handy mit dem Ausruf „Che bello!“ auf die Grazer Altstadt gerichtet wurde, führt Hardt-Stremayr auch auf die Koralmbahn zurück: Diese lasse nicht nur Händler und Gastronomen in Graz längst jubeln (wir berichteten), sondern eben auch Hoteliers.

Dieter Hardt-Stremayr (im Vordergrund): „Die Reisebranche ist trotz globaler Krisen sehr stabil“
Dieter Hardt-Stremayr (im Vordergrund): „Die Reisebranche ist trotz globaler Krisen sehr stabil“ © Klz / Ripix

Marketing und Kulinarik

Doch von nichts kommt nichts, unterstreichen auch Sylvia Loidolt und Susanne Haubenhofer als Geschäftsführerinnen der Erlebnisregion Graz: „Intensive Marketingkampagnen“ in zehn Herkunftsmärkten, von Österreich eben über Italien bis nach Großbritannien, „sowie der konsequente Fokus auf aktiven Städtetourismus und Kulinarik tragen Schritt für Schritt dazu bei, die Sichtbarkeit unserer Region weiter zu stärken“.

Sylvia Loidolt (links) und Susanne Haubenhofer führen die „Erlebnisregion Graz“
Sylvia Loidolt (links) und Susanne Haubenhofer führen die „Erlebnisregion Graz“ © Mias Photoart / Michaela Pfleger

Dieter Hardt-Stremayr betont zudem, dass ein Teil des Halbjahreserfolgs auf Airbnb-Unterkünfte zurückzuführen sei: Lag das Vermieten vieler solcher Wohnungen jahrelang im Dunkeln, findet nun ein Austausch der Plattform mit der Stadt Graz statt – mit der positiven Folge, dass viele dieser „Ferienwohnungen“ nun auch statistisch aufscheinen, „weil sich das mit der Privatzimmervermietung nicht mehr ausgeht“.

Vor allem Österreicher, Deutsche und Italiener trugen zum Hoch im ersten Halbjahr 2026 bei
Vor allem Österreicher, Deutsche und Italiener trugen zum Hoch im ersten Halbjahr 2026 bei © KLZ/Jürgen Fuchs

Schwierige „Sandwichfunktion“

Was ebenfalls auffällt: Während bei den Hotels sowohl der Vier-Stern-Bereich zulegen konnte (+8 Prozent bei den Nächtigungen) als auch der 1- und 2-Stern-Sektor (+5,6 Prozent) und eben vor allem das Segment „Privatzimmer“ (+21,4 Prozent), musste der Drei-Stern-Bereich ein Minus von 2,6 Prozentpunkten hinnehmen. Ähnlich wie in der Gastronomie tut sich der Mittelbau offenbar zunehmend schwer. „Diese Sandwichfunktion ist tatsächlich nicht einfach“, so Hardt-Stremayr. Was ihn im Sinne der Wirtschaft freut: Bedingt durch internationale Krisen und wirtschaftliche Herausforderungen „sind die Preise 2025 ja förmlich weggebrochen. Wir hatten Angst, dass das auch heuer passiert. Aber zum Glück haben sich die Preise generell stabilisiert.“

Stadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) ortet Auftrag für „aktive Standortpolitik“
Stadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) ortet Auftrag für „aktive Standortpolitik“ © Klz/Manuel Hanschitz

Und schließlich sieht Wirtschaftsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) die positive Bilanz auch als Auftrag: „Nur wenn wir Graz konsequent als attraktiven Wirtschafts-, Kongress-, Tourismus- und Sportstandort positionieren, können wir diesen positiven Trend langfristig absichern und weiter ausbauen.“