„Frankreich wir kommen“, hieß die schöne Dokumentation von Michael Glawogger und Johann Skocek zur WM 1998. Diese Weltmeisterschaft wurde tatsächlich ausschließlich in Frankreich ausgetragen. Damals dachten die Menschen noch engstirnig und klein und waren noch nicht bereit für ein grenzüberschreitendes Sportereignis. Die Dinge waren einfacher. Zum Beispiel die österreichische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Man musste nur ein Tor für Österreich in der Gruppenphase der WM schießen und die Kronen Zeitung titelte: „Ivo, jetzt bist du ein echter Österreicher.“
Im selben Jahr wurde ein Schweizer, nämlich Sepp Blatter, FIFA-Präsident und folgte dem Brasilianer Joao Havelange nach. Nach Blatters Übernahme wurde der Ausbau der „Nahrungskette“ weiter betrieben – so nannte man liebevoll die Freunderlwirtschaft in der „Federation Internationale de Football Association“ mit Sitz in Zürich, in der finanzielle Begünstigungen ausgetauscht wurden. Die Beträge wuchsen. Warum auch nicht, alles wächst. Die Lebenserwartung steigt. Die Spieler werden größer. Außer Lionel Messi, bei dem half man nach und legte ihn auf die Streckbank. Man konnte allerdings nur einige Zentimeter rausschinden, er wurde trotzdem einer der größten und die zwei Millionen Euro, die er jetzt wegen Steuerhinterziehung in Spanien zahlen soll, sind für ihn eine Kleinigkeit. Die Haftstrafe wird er ohnehin nicht antreten müssen.
Nach Blatter kam Infantino und unter ihm hat sich der Freundeskreis weltweit ausgedehnt, weil Infantino ein Herz aus Gold hat und niemandem eine Bitte abschlagen kann. Jetzt muss er tricksen, damit die übernächste WM 2034 schon wieder in Asien ausgetragen werden kann, was Infantino seinen Freunden in Saudi-Arabien versprochen hat. Die Bedenken einiger schlecht gelaunter Gutmenschen wegen der Menschenrechtslage dort sind ihm egal. Um die Freunde von all den anderen Kontinenten aber nicht zu vergrämen, wird die nächste WM in Portugal, Marokko und Uruguay stattfinden. Da staunen Ivica Vastic, ich und alle anderen Österreicher*innen. Wir können nicht so groß denken. Wir werden schon unrund, wenn ein Gesundheits- oder Bildungssystem bundesweit gelten und nicht mehr Ländersache sein soll.
Aber zurück zur WM 2030. Hier sehen die Klimabewegten wieder Probleme wegen der vielen Flüge zwischen den Kontinenten. Ja eh, aber es könnten auch richtige Probleme auftauchen. Man stelle sich vor, ein Spieler aus Norwegen kommt im Flieger nach Marokko auf dem Weg zum Spiel gegen den Irak drauf, dass er sein Handy im Hotel in Uruguay vergessen hat, obwohl er seinen Eltern, die gerade Urlaub in Japan machen, versprochen hat, sie nach dem Spiel anzurufen. Keine Ahnung, wie man das lösen soll. Da wäre es doch besser, die WM findet immer in dem Land statt, das den Schas beim Turnier davor gewonnen hat. Ob es 2030 dann nach Argentinien oder Spanien gehen würde, wissen wir am Sonntag.