An der Südseite des Ossiacher Sees steht ein Gebäude, das in Villach wohl jeder kennt: das markante Haus Landskron, von vielen einfach nur das „Terrassenhaus“ genannt. Mit seiner pyramidenförmigen Architektur prägt es seit über 50 Jahren das Seeufer. Was viele nicht wissen: Das Apartmenthaus steht auf historischem Boden. Bis 1971 befand sich hier das Grand Hotel Annenheim – einst das größte Hotel Kärntens und über Jahrzehnte einer der bedeutendsten Tourismusbetriebe des Landes.
Als das Grand Hotel 1885 eröffnete, setzte es neue Maßstäbe. 120 Zimmer, elegante Salons, Parkanlagen, Badehäuser, Tennisplätze und ein hoteleigener Dampfer, der die Gäste vom Bahnhof über den See brachte, machten das Haus zur ersten Adresse der Sommerfrische. Über die Jahrzehnte gab sich die Prominenz die Klinke in die Hand – vom Bundespräsidenten Adolf Schärf bis hin zu Pink Floyd.
Mit dem Aufkommen des Massentourismus in den 1960er-Jahren stiegen die Ansprüche an Komfort und Infrastruktur. Eine Modernisierung des Grand Hotels wäre wirtschaftlich kaum zu stemmen gewesen. 1971 wurde das Gebäude gesprengt. An seiner Stelle entstand das heutige Haus Landskron.
Errichtet wurde das zehnstöckige Apartmenthaus von der Eurobau nach Plänen des Villacher Architekten Sepp Bauer. Das Konzept war ungewöhnlich: Im Erdgeschoß und ersten Stock befand sich ein Hotel, darüber wurden Eigentumswohnungen verkauft. Die Idee war, Stammgäste des Grand Hotels langfristig an den Ort zu binden. Das Hotel hielt sich jedoch nur wenige Jahre, die Zimmer wurden später ebenfalls zu Wohnungen umgebaut. An die einstige Hotel-Zeit erinnern heute noch denkmalgeschützte Wappenmalereien und historische Fotografien im Eingangsbereich.
Nur 15 Wohnungen dauerhaft bewohnt
Geblieben ist ein Haus, das bis heute polarisiert. Für die einen ist es ein markanter Betonbau der 1970er-Jahre, für die anderen ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich Architektur in die Landschaft einfügen kann. Die terrassenförmige Pyramide greift die Linie des Jungfernsprungs auf und verlängert den Berghang optisch bis zum See. Jede der 327 Wohnungen verfügt über eine großzügige Terrasse. Die Einheiten sind zwischen 35 und 85 Quadratmeter groß.
Unter den Bewohnerinnen und Bewohner gibt es, wie sie selbst erzählen, zwei Lager: Die einen schwören auf die Ostseite mit Morgensonne und Seeblick, die anderen auf die Westseite mit Blick Richtung Stift Ossiach, Julische Alpen und Sonnenuntergang. Zwei Familien haben sich sogar eine zweite Wohnung gekauft, um beide Ausblicke zu genießen.
Viele Eigentümerinnen und Eigentümer kommen seit Jahrzehnten hierher – inzwischen in der dritten Generation. Was die Großeltern Anfang der 1970er-Jahre gekauft haben, nutzen heute Kinder und Enkel. Am Badestrand gelten ungeschriebene Regeln. Es gibt Bereiche zum Ruhen, Plaudern, für Kinder und für Sport. Die Bewohner nennen das augenzwinkernd „Gewohnheitsrecht“.
Zum Haus gehören neben dem Badestrand der Bootssteg sowie ein Tennisplatz mit darunter gelegener Tiefgarage. Im Sommer herrscht reges Treiben, im Winter dagegen wird es ruhig. Nur rund 15 der 327 Wohnungen sind ganzjährig bewohnt. Da das Haus ursprünglich für den Sommerbetrieb konzipiert wurde, gibt es keine Zentralheizung, dauerhaftes Wohnen ist nur mit Elektroheizungen möglich.
Die guten Seelen des Hauses
Einer, der hier ganzjährig lebt und diese Gemeinschaft wohl besser kennt als jeder andere, ist Mehmed Salibasic. Seit 2012 ist der gelernte Installateur und angelernte Elektriker Hausmeister der Wohnungseigentümergemeinschaft. „Ich habe 327 Chefs“, sagt der 40-Jährige lachend. Tatsächlich kennt er nicht nur alle Eigentümer beim Namen, sondern auch ihre Topnummer, das Kellerabteil und den Parkplatz.
Als er den Job übernahm, drückte ihm sein Vorgänger einen riesigen Schlüsselbund in die Hand und verabschiedete sich mit den Worten: „Viel Spaß.“ Heute kümmert sich Salibasic um das gesamte Areal – von der Haustechnik über die Sauberkeit bis hin zu Reparaturen. Für viele Eigentümer ist er weit mehr als ein Hausmeister: „Herr Salibasic ist die Seele des Hauses“, hört man immer wieder. Auf Wunsch schaltet er vor Anreise die Heizung ein oder stellt den Wein kalt.
Das zweite Herz des Hauses schlägt nur wenige Meter entfernt. Seit 2022 betreibt seine Frau Almadina den Salimarkt im Erdgeschoß. Der kleine Greißler ist Nahversorger, Treffpunkt und Informationsbörse zugleich. Morgens trifft sich hier das ganze Haus zum Semmeln-Kaufen. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht, manchmal Sorgen geteilt. „Lachen, weinen – ich habe hier alles schon erlebt“, erzählt Almadina. „Ein bisschen bin ich hier auch die Therapeutin des Hauses“, verrät sie lächelnd.
Über fünf Jahrzehnte und drei Generationen ist hier eine enge Gemeinschaft gewachsen – das macht das Haus Landskron bis heute besonders. Dass sich dieses Miteinander bis heute erhalten hat, liegt nicht zuletzt an Orten wie dem Salimarkt. Damit das auch künftig so bleibt, braucht es nicht viel – nur die Treue und die Begeisterung jener Menschen, die das Haus Tag für Tag mit Leben füllen.